Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 7 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- Seite 14 (sequence 13)
- Language
- German
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Bibliothek von Büchern aus den verschiedenartigsten Literaturgebieten zusammenzustellen, zu versenden, die Bewegung und den Rücklauf der Bücher zu überwachen und, wie es bisher geschehen ist, in ganz kurzer Zeit zunächst einmal 17 Verteilungsstellen zu errichten. Nicht anders liegt es' mit den Bezirksrabbinaten; ihre Bedeutung wird heute allgemein begriffen, und man würdigt auch die die verschiedensten Lebensgebiete umfassende, über weite Landstrecken sich dehnende Arbeit der Bezirksrabbiner; auch hier aber sollte nicht übersehen werden, was es bedeutet, vom Landesverband aus in ständig fortschreitendem Aufbauwerk allmählich 18 Bezirksrabbinate zu schaffen, eine weitere Anzahl von Gemeinderabbinern über die engeren Grenzen ihrer Stadtgemeinde hinaus für das Gebiet der Umgebung in Wirksamkeit zu setzen und mit allen diesen Bezirksrabbinaten in ständigem Gedankenaustausch zu stehen, die Arbeit der Rabbiner durch die Arbeit der Zentrale unaufhörlich zu unterstützen und zu fördern. Das alles sind willkürlich herausgegriffene Einzelheiten. Aber gerade deshalb, weil sie Einzelheiten sind, werfen sie Schlaglichter auf die Gesamtleistung. Ein solcher Gang durch die Abteilungen kann und will nur einen Ueberblick von außen vermitteln, aber schon dieser oberflächliche Ueberblick zeigt, daß die im Hause Kantstraße 158 geleistete Arbeit aus der Geschichte des deutschen Judentums niemals mehr wegzudenken sein wird. En - Isch. Chronik des jüdischen Lebens Die Lage nicht nur der deutschen Juden sondern der Juden in aller Welt ist so, daß sowohl drinnen wie draußen oft nicht verstanden wird, warum trotzdem innerhalb der Judenheit vielfach ein heftiges Gegeneinander besteht. Andrerseits ist aber gerade im Laufe der letzten Wochen in einem sehr bedeutsamen Vortrag darauf hingewiesen worden, wie Natur und Situation der Juden dazu führen, daß in aller äußeren Lebensnot geistige Prinzipien nicht außer Acht gelassen werden: im Gegenteil, jede äußere Not wird oft einem Verlassen der Wahrheit, einem Abtrünnig- Werden zugeschrieben, was dann die geistigen Auseinandersetzungen noch verschärft. Man mag das beklagen, man wird es dennoch würdigen müssen.. Auch der Chronist hat hier keine Werturteile abzugeben; er kann lediglich feststellen, daß die vergangenen Wochen die von vielen gewünschte Befriedung des jüdischen Lebens nicht gebracht haben. Das gilt für Deutschland, und es gilt merkwürdigerweise auch für Griechenland, obwohl die Lage der griechischen Juden von der der deutschen gerade heute erheblich abweicht; während des Venizelos-Aufstandes und auch bei den jetzigen Wahlen haben die Juden Griechenlands eine derartig patriotische und geradezu heroische Haltung gezeigt, daß dies von führenden Regierungsstellen, aber auch in spontanen Kundgebungen der Bevölkerung wiederholt öffentlich anerkannt worden ist, und zwar in einer Art und Weise, die man als für die Juden außerordentlich ehrenvoll bezeichnen darf. Ueberhaupt können uns gerade die letzten Jahre darüber belehren; daß. in einem guten Sinne des Wortes, der Antisemitismus stabil ist —: wie es falsch gewesen ist, an sein allmähliches Verschwinden zu glauben, so würde es auch allzu pessimistsch sein, an seine allmähliche Steigerung zu glauben. Das weltgeschichtliche Beispiel dafür bietet augenblicklich Polen. Natürlich kann kein Mensch die Zukunft Voraussagen. Aber es scheint doch, als sollten alle die Kassandra-Stimmen Unrecht behalten, die in den letzten Jahren auf Pilsudskis hohes Alter und die möglichen Folgen für die Juden im Falle seines Todes hingewiesen haben. Es scheint umgekehrt, als habe der Geist der Pilsudskischen Politik gerade durch den Tod des Marschalls auf Jahre hinaus eine unerschütterliche Festigkeit erlangt. Selbstverständlich wird niemand so töricht sein. Pilsudskis Stellung in der Judenfrage als Kernproblem seiner Politik zu betrachten; die Judenfrage ist immer nur Teilproblem aller Politik. Aber sie ist zugleich sehr oft auch Symptomfür alle übrige Politik, und das gilt in erhöhtem Maße für die augenblickliche Lage in Polen. Daß es in den Tagen des Schawuoth-Festes in Grodno zu Ausschreitungen kam, scheint nur eine lokale Angelegenheit gewesen zu sein; insgesamt ist eine Aenderung der Dinge nicht erkennbar. Ebenso wie in Griechenland werden ja auch in Polen von der nationalen Regierung die Juden als ein wertvoller Bestandteil der Gesamtnation anerkannt, und dies wirkt auf Empfinden und Verhalten der Juden zurück, wie es überhaupt ein psychologisches Gesetz ist, daß Abneigung mit Abneigung, Zuneigung mit Zuneigung erwidert wird. Zu den spontanen Trauerkundgebungen der polnischen Juden beim Ableben des Marschalls ist jetzt noch etwas hinzugetreten, was das Verhältnis der polnischen Juden zu .ihrem Vaterlands auf Jahrzehnte symbolisch kennzeichnen wird: alle im Todesmonat Pilsudskis geborenen jüdischen Knaben sollen auf Anordnung des Rabbinats den Vornamen Joseph erhalten. — Ereignisse, die führende Persönlichkeiten eines Staates betreffen, haben niemals nur persönlichen Charakter. Aehnlich wie der nationale Trauerfall in Polen ist auch das nationale Jubelfest in England von politischer Auswirkung gewesen. Mag das Regierungsjubiläum des englischen Königs schon etwas zurückliegen, so sehen wir doch, daß es auf die politischen Vorgänge noch heute weiterwirkt. Die Stellung der englischen Juden ist zwar in allen letzten Jahrzehnten als durchaus unerschüttert anzusehen, aber doch wird man es mit Genugtuung verzeichnen, daß gewisse persönliche Bindungen sich verstärkt haben oder neu geknüpft wurden, und das gilt nicht nur für die Situation in England selbst, sondern vor allem auch für das Verhältnis zwischen England und Palästina. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhänge ein in der Zeitschrift „Near F2ast and India“ erschienener Aufsatz des bekannten Colonel Wedgwood, in dem die Umwandlung Palästinas in eine englische Kronkolonie gefordert wird. — Wenn wir, alles bisher Erwähnte zusammenfassend, daran denken, daß ähnlich wie in Griechenland und in Kalender für Juli Montag Juli 1 Ssiwan 30 Dienstag 2 Tammus 1 Mittwoch 3 2 Donnerstag 4 TI 3 Freitag 1* 5 n 4 Sonnabend n 6 n 5 Kaiirach Sonntag ii 7 t» 6 Montag „ 8 fi 7 Dienstag 9 8 1 Mittwoch 10 9 / Donnerstag «* 11 10 Freitag n 12 11 Sonnabend •> 13 •f 12 Cbaka», Bolok Sonntag 14 13 Montag «* 15 14 Dienstag 16 15 Mittwoch 17 16 Donnerstag 18 17 Freitag M 19 18 Sonnabend n 20 m 19 Plnchaa Sonntag n 21 20 Montag n 22 21 Dienstag 23 22 Mittwoch 24 23 Donnerstag 25 24 Freitag 26 25 Sonnabend 11 27 n 26 kfa(tauBtMa8'eNeamoodaweihe Sonntag 28 27 Montag 29 28 Dienstag Mittwoch » - »? 30 31 n Ab 29 | Nemnond 14