Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 7 (21.6.1935)
- Date
- 1935-06-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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hervorragender Vertreter des deutschen Judentums gefunden. Ihnen allen sei der wärmste Dank für ihre treue Mitarbeit ausgesprochen. Mit Wehmut gedenken wir derer, die inzwischen heimgegangen sind und deren wertvollen Rat, deren freundschaftliches Wort, deren aufopfernde Hingebung an unser Werk wir schmerzlich vermissen. Ihre Zahl ist leider nicht gering. Wenn wir auch nicht alle Namen anführen, so können doch vier Männer nicht ungenannt bleiben, die in unserer dankbaren Erinnerung fortleben. Drei von ihnen haben dem Rat des Landesverbandes als stellvertretende Präsidenten angehört. Sie alle stehen vor unserem geistigen Auge: Leo Lilienthal, der kluge, kenntnisreiche Freund, der nach einem Leben voll jüdischer Arbeit, sich im Ruhestande ganz unseren Aufgaben gewidmet hat, Bruno Galewski, der gewissenhafte, treue Verwalter" der uns zufließenden und von uns wieder dem preußischen Judentum zur Verfügung gestellten Mittel, Moritz Türk, der zuverlässige, sachkundige Bearbeiter aller Erziehungs- und sozialen Fragen, Hugo Sonnenfeld, der unbestechliche, mit größter Selbstverleugnung seines Amtes waltende erste Präsident des Verbandstages. Wir. denen die Geschicke des Landesverbandes anvertraut sind, sind uns bewußt, daß seine Aufgaben in dieser Zeit, ungeachtet des Uebergangs eines großen Teiles der politischen Tätigkeit auf die Reichsvertretung der deutschen Juden, an Bedeutung nicht verloren haben, daß sie vielmehr wesentlich vertieft und außerordentlich erweitert worden sind. Die geistige und die leibliche Not ist gewachsen. Von allen Seiten ertönt der Hilfeschrei unserer Gemeinden, unserer in Bedrängnis geratenen und gefährdeten Brüder und Schwestern nach Beistand, nach einem Stab, an dem sie sich auf richten, nach einem Halt, den sie ergreifen können, um nicht zu versinken. Ganz auf seine eigene Kraft gestellt, wird der Landesverband, getreu den bei seiner Schaffung als richtig erkannten Grundsätzen, auch fernerhin die Interessen des preußischen Judentums wahrnehmen — und nicht nur diese allein, denn dank dem vertrauensvollen Anschluß kleinerer Landesverbände kann der Preußenverband nunmehr auch diesen seine Fürsorge zuwenden. Möge es sich immer mehr erweisen, daß die gewaltige, schicksalhafte Prüfung, die über das deutsche Judentum gekommen ist, kein kleines Geschlecht gefunden hat, sondern ein Geschlecht, das eingedenk ist des Dichterwortes: Wenn etwas ist, gewalt’ger als das Schicksal, So ist’s der Mut, der’s unerschüttert trägt Mit allen anderen zu öffentlichem Wirken berufenen Stellen wird der Landesverband seiner jüdischen : Pf licht auch in Zukunft gerecht werden. Festakt und Gemeindefeiern Aus Anlaß der Wiederkehr des Tages, an dem vor zehn Jahren die verfassungsmäßigen Organe, Rat und Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, ins Leben getreten sind, hat eine große Anzahl unserer Mitgliedsgemeinden Gemeindefeiern und Festgottesdienste angesetzt; Berichte darüber werden wir in der nächsten Nummer dieses Blattes bringen. In Berlin veranstaltet der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden am Sonntag, 23. Juni, vormittags 10 7, Uhr, im Repräsentanten-Sitzungssaal der Berliner Jüdischen Gemeinde, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29, einen Festakt, zu dem Vertreter aller jüdischen Organisationen und die führenden Persönlichkeiten der jüdischen Öffentlichkeit eingeladen sind. — Außerdem werden in den Gottesdiensten der Berliner Jüdischen Gemeinde, und zwar am Freitag, 21. Juni 1935, abends, in der Synagoge Prinzregentenstraße und am.Sonnabend, 22. Juni 1935, vormittags, in der Alten Synagoge, Heidereuter Gasse 4, die Herren Rabbiner Dr. Julius Galliner und Dr. Emil Cohn in ihrer Predigt die Bedeutung unseres Jubiläums würdigen. Dem JßaHdewec&and QccdutieceH: ReicUsvedcetuHQ, dcc deutschen Juden Dem Preußischen Landesverbände jüdischer Gemeinden bringe ich zu dem Tage, an dem er auf ein Jahrzehnt zurückblicken darf, namens der Reichsvertretung der deutschen Juden aufrichtige, herzliche Glückwünsche dar. In dem Gedanken der Verantwortlichkeit der einen Gemeinde für die andere und einer darauf beruhenden Verbundenheit und Einheit besitzt der Landesverband die Voraussetzung sowohl wie die Aufgabe seines Daseins und seines Wirkens. Grund und Ziel, Recht und Weg sind ihm darin gegeben. Ein Jahrzehnt treuer und erfolgreicher Arbeit zeugt davon, wie dieser Gedanke erkannt und verwirklicht worden ist, wie Leitende und Helfende ihm die Bahn und die Erfüllung bereitet haben. Möge der Rückblick auf die Vergangenheit Kraft für die Zukunft bedeuten I Die Reichsvertretung der, deutschen Juden Baeck Süddeutsche jüdische JCandesuectände Die Landesverbände (Landeskirchen) in Württemberg und Baden sind seit mehr als 100 Jahren in den staatlichen Organismus eingefügt. Die Landesverbände in Preußen und Bayern sind autonome Schöpfungen auf der Grundlage der Reichsverfassung von 1919. Als der Bayerische Verband am 20. April 1920 ins Leben gerufen wurde, waren Ehrengäste der konstituierenden Versammlung Dr. Ismar Freund für den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und Justizrat Makower für den. Verband der deutschen Juden. 2