Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 6 (1.6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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2. Die Welt der Bibel Soloweitsehik, Max: Vom Bach, da« tausend Jahre wuchs. Ein bibelwissensehaftl. Sammelbuch. Berlin: Heine-Buch (Weltverlag), 1932. 206 S. In diesem Sammelwerk sind acht Aufsätze verschiedener Autoren über bibelwissenschaftliche Fragen vereinigt, die meist aus größeren, schwer zugänglichen Werken oder Zeitschriften stammen. Der amerikanische Gelehrte Kent entwirft ein knappes Bild der Vorgeschichte Israels, Bernfeld und Hölscher behandeln Probleme des Prophetentums, Budde entwirft ein Bild des nomadischen Ideals im Alten Testament, und der französische Theologe Causse stellt die Anfänge der israelitischen Kultuspoesie und den Ursprung der Psalmen dar. Die Hiobsdichtungon erklärt der an der Jerusalemer Universität tätige Harry Torczyner; Uolz und Kamenezki versuchen besonders aktuelle Fragen der Alttestamentsforschung einem größeren Leserkreis nahe zu bringen. Für Bibelstunden mit Lehrer oder Rabbiner eignet sich das zum Nachdenken anregende Buch vortrefflich. D. C o r n 111, Karl Heinrich: Der israelitische Prophetismus. In fünf Vorträgen. 13. Auflage. Berlin u. Leipzig, De Gruyter 1920. VII, 184 S. Dieses vor 40 Jahren erschienene und immer wieder neu aufgelegte Buch des längst verstorbenen christlichen Theologen ist wohl die schönste Darstellung jener ehrwürdigen Periode Israels, eine bewundernswerte Verbindung von wissenschaftlichem Ernst, poetischem Schwung und bester Volkstümlichkeit. Es führt wie wenig Werke zu diesen einzigartigen Aeußerungen alttestamentlichen Geistes hin und ist eine ausgezeichnete Anregung für jedermann, sich mit dieser großen Epoche jüdischer Geschichte zu beschäftigen. Denn die Ermahnungen, Klagen, Anklagen und Tröstungen der alten israelitischen Propheten in schweren Prüfungszeiten der Juden gleichen gewaltigen Glockenklängen, die durch die Jahrtausende hallen und noch kommenden Geschlechtern von der religiösen Inbrunst und Innigkeit jener Zeit künden werden. D. Ba er k , Leo: Die Pharisäer. Ein Kapitel jüdischer Geschichte. Bücherei des Schocken-Verlages No. 6). 83 S. In diesem hübschen Büchlein wird in prägnanter und dichterisch schöner Form der alten, in Sprachgebrauch und Volksbewußtsein übergegangenen, im Neuen Testament wurzelnden Geschichtsentstellung gegenübergetreten, als seien die Pharisäer nur religiöse Heuchler und engstirnige Fanatiker gewesen. Wie schon bei dem großen englischen Rcligionsphilosophen R. Travers Herford wird auch hier mit einer berühmten historischen Unwahrheit aufgeräumt. In Wirklichkeit entfalteten die Pharisäer während der Jahrhunderte vor und nach der Zerstörung des zweiten Tempels die geistigen Kräfte, welche das Judentum und seine unersetzlichen ethischen und seelischen Werte durch schwerste Krisenzeiten in spätere Zeiten hinüberretteten. * D. 3. Zwei neue BüAer zum Judentum Cohn, Emil Bernhard: Das jüdische ABC. Ein Führer dnreh das jüdische Wissen. Berlin: Erwin Löwe 1935. 336 S. Von dem indessen weit verbreiteten Philo-Lexikon unterscheidet sich dieses kleine „Kompendium“ der Judentumskunde grundsätzlich. Während cs dort darauf ankam, allen irgend erreichbaren Stoff zusammenzutragen und kurz zu erläutern, soll hier das Wesen und der geistige Gehalt einer Anzahl wichtiger, jeden Juden angehender Worte und Begriffe in mehr oder minder ausführlichen Aufsätzen erläutert werden. So wird die ABC- Anordnung fast nur zum äußeren Behelf, während das durch die bekannte, kluge und sympathische Darstellungskunst des Verfassers leicht lesbare Werkchen als ein Lehrbuch für Schüler und -- für solche, die auf dem Heimwege zum Judentum noch einmal Schüler werden wollen, erscheint. — Wir stellen das Buch in unsere Wanderbücherei ein, nicht, weil wir glauben, jemand könnte es in der kurzen Leihfrist ausschöpfen, sondern, weil die einzelnen Artikel anderen, ausführlichen Büchern über jüdische Fragen den Weg bahnen helfen und — weil manch einer angeregt werden wird, das ABC selbst zu erwerben. G_n. Hirsch, Leo: Praktische Judentumskunde. Eine Einführung ln die jüdische Wirklichkeit für jedermann. Berlin: Vortrupp-Verl. 1935. 150 S. Leo Hirsch entwirft in leichtem Plauderstil, — der aber deshalb sympathisch wirkt, weil er ungemein liebevoll und nicht oberflächlich ist, — ein Bild aller jüdischen Bräuche und Gepflogenheiten, sowohl der alltäglichen, als auch der an Fest- und ungewöhnlichen Tagen. Daß dieses Buch von einem Laien geschrieben ist, gereicht ihm in dieser Form sogar zum Vorteil; denn so ist alles Lehrhafte und Pathetische vermieden, und die Augen des gut beobachtenden Schriftstellers sehen und schildern nur unmittelbare jüdische Wirklichkeit, die ja ohnehin den Alltag mit ihrem unnachahmlichen, aus Urzeiten stammenden Zauber verklärt. Es geht dem Leser wie jenem zurückkehrenden Weltreisenden, der plötzlich seine Heimat wiederentdeckt und mit eigentümlicher Rührung das längst bekannt Geglaubte wieder in neuem Lichte erblickt. D. Amtlicher Teil Ministerialerlasse Erhebung der Kirchensteuer 1935 Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft. Erziehung und Volksbildung G I a 1460 Berlin VV 8, den 4. Mai 1935 Unter den Linden 4 In der Anlage übersende ich einen Abdruck meiner Runderlasse vom 8. und 30. März 1935 — Gla 660 und 990. G II — wegen der Kirchensteuererhebung im Rechnungsjahre 1935 zur Kenntnisnahme.*) Im Aufträge Stempel gez.: Unterschrift An den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden in Berlin-Charlottenburg Der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung G I a Nr. 990. G II Berlin W 8, den 30. März 1935. Im Anschluß an den Runderlaß vom 8. März 1935*)_ M. f. Wiss. G Ia 660, G II/FinMin. IB 4220 / 7. 3. — betreffend Kirchensteuersenkung 1935. ln Beüxchlm<leriaß *■ ***” -l®38 für Syncgogcngmielndcn nicht Ich sehe davon ab, besondere Richtlinien für die Erhebung der Kirchensteuer 1935 zu geben und verweise auch für 1935 auf die Richtlinien und den Erlaß vom 31. März 1933 — G I 10495, G II — (ZBIUV. S. 93). In rechtlicher Beziehung mache ich auf folgendes aufmerksam: 1. Einkommensteuer a) Bei den Lohnsteuerpflichtigen ist die im Kalenderjahr 1934 einbehaltene Lohnsteuer als Maßstab der Kirchensteuer 1935 zu Grunde zu legen. Die Ausschreibung und Einsendung der Lohnsteuerbelege ist für das Kalenderjahr 1934 durch die Verordnung und den Runderlaß des Reichsministers der Finanzen vom 12. Dezember 1934 — S. 2233/98 III — (Reichsmin. Bl. S. 824, Reichssteuerbl. S. 1585) angeordnet worden. b) Bei den Veranlagten einschließlich der Veranlagten mit steuerabzugspflichtigen Einkünften wird die Einkommensteuer des Kalenderjahres 1934 bereits nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes vom 16. Oktober 1934 — RGBl. I S. 1005 — festgesetzt. Für sie bildet also die hiernach veranlagte Einkommensteuer 1934 den Maßstab der Kirchensteuer 1935. 2. Vermögensleuer. Das Vermögensteuergesetz vom 16. Oktober 1934 — RGBl. I S. 1052 — findet nach § 23 a. a. O. erst auf die 10