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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-06-01 · 6 (1.6.1935) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
6 (1.6.1935)
Date
1935-06-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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bau dieser kulturell wie wirtschaftlich gleich wichtigen zu hoffen, daß die Darlehnskassen anderer Gemeinden die- Arbeit gewährleistet. Ebenso ist durch den Beitritt des sem Beispiel folgen. Mit diesem freundlichen Ausblick sei BjF-Sportbundes zum Reichsausschuß der jüdischen Jufür diesmal der Rundgang durch die Zeit beschlossen, gendverbände Deutschlands pun der Zusammenschluß der Diese Zeit ist gewiß schwer, aber wir Juden haben es gejüdischen Jugend vollendet. Nicht unerwähnt darf schließlernt, wie im Lenzmonat nicht zu jubilieren, so auch in der lieh eine soziale Maßnahme bleiben, die vorbildlich ist: die Trauerzeit nicht zu klagen, wir wollen arbeiten, wissend, Jüdische Darlehnskasse in Berlin wird in Zukunft Heidaß wir nicht verloren sind, solange wir uns selber und ratsbeihilfen bis zur Höhe von 600 RM. gewähren; es ist unserer heiligen Aufgabe treu bleiben. Das Buch Neuerscheinungen E1 b o g e n, Ismsr: Geschichte der Juden In Deutschland Jüdische Buch-Vereinigung (und Verlag Erich Lichtenstein) 1935. 3X9 S. Dieses Buch füllt innerhalb der jüdisch-historischen Literatur eine empfindliche Lücke aus. Die kurzen Abrisse von Brann, Cassel und die in den populären, billigen Bücherreihen erschienenen Geschichtsabrisse waren zu kurz und nicht auf Deutschland beschränkt; Philippsons Werk ist veraltet. Wertvolle Untersuchungen existieren nur über einzelne, vergangene, abgeschlossene Perioden. Die umfangreichen Werke von Graetz- und Dubnow sind zu groß und kostspielig, und so war es auf alle Fälle begrüßenswert, daß die Jüdische Buch-Vereinigung die Herausgabe einer gedrängten Geschichte unserer Bevölkerungsgruppe in Deutschland anregte. Professor Elbogen, zweifellos der erste Fachmann auf diesem Gebiet, hat nun mit seiner „Geschichte“ eine sehr fesselnde und wertvolle Skizzierung unserer deutsch-jüdischen Vergangenheit gegeben, die fraglos für jedermann von starkem Interesse ist. Der sich über fast zwei Jahrtausende verteilende Stoff ist in drei Teile klar und übersichtlich gegliedert. Der erste,. kürzeste behandelt die Frühzeit, in der bereits jüdische Siedlungen auf deutschem Boden erwuchsen, während römische Legionen, neue Kultur bringend und alte zerstörend, nach Norden drangen. Der zweite, mittelalterliche, die Geschichte der Juden im „heiligen römischen Reich deutscher Nation“ inmitten einer ihnen noch fremd und oft feindlich gegenüberstehenden christlichen Umwelt. Der dritte Teil schildert jüdisches Sein im neueren Verfassungsstaat und die mit der Emanzipation verbundenen inneren Kämpfe und schweren seelischen Krisen. Diese Gesamtkonzeption des Buches ist ausgezeichnet, wenn auch der Verfasser sich darauf beschränkt hat, seine „Geschichte der Juden in Deutschland“ ohne alle kultur-, wirtschafts-, rechts- und literarhistorischen Zusammenhänge mit der gesamtdeutschen Geschichte darzustellen, so daß manches dem historisch nicht genügend Vorgebildeten schwer verständlich bleibt. Das ist jedoch die einzige Schwäche des sonst so vortrefflichen Werkes, dessen Diktion vorbildlich bleibt. Denn Elbogen wird nie pathetisch, und auch die jüngeren Meinungsverschiedenheiten und Divergenzen innerhalb des Judentums beurteilt der liebenswürdige Gelehrte von hoher Warte aus, nach allen Seiten hin verständnisvoll und gerecht. Hoffentlich wird diese neue Darstellung unserer Geschichte die allgemeine Verbreitung finden, die sie verdient. Dr. Ludwig Davidsohn. Dr. Jacques Abraham: „Die preußischen Dienststrafordnungen für Beamte und Richter“. Verlag Alfred Pulvermacher & Co., Berlin 1935. Der bekannte Spezialist auf dem Gebiete des Beamtenrechts und Begründer der „Zeitschrift für Beamtenrecht“, Dr. Jacques Abraham, der in diesen Tagen auf eine 25 jährige Tätigkeit als Anwalt zurückblickt, legt soeben seinen neuen Kommentar zur Beamtendienststrafordnung und zur Dienststrafordnung für die richterlichen Beamten vor. („D i e preußischen Diensstrafordnungen für Beamte und Richter“, Verlag Alfred Pulvermacber A Co., Berlin 1935.) Nachdem bereits im Jahre 1932 die alten Disziplinar- ' Gesetze von 1851 und 1852 einer umfassenden Revision unterzogen worden sind, machte die staatliche Neuordnung eine erhebliche Zahl von Aenderungen erforderlich, die zu der Novelle vom 18. August 1934 führten. Hier interessieren vor allem die Dienststrafbestimmungen für die nichtrichterlichen Beamten, deren Geltungsbereich auch die Beamten und die Kategorie der ihnen gleichgestellten Ehrenbeamten in den Körperschaften öffentlichen Rechts umfaßt (vergl. Anmerkung 20, 9 zu 9 1 und § 101 a. a. O.). Damit unterliegen theoretisch auch die Beamten und Ehrenbeamten der Synagogengemeinden und Gemeindeverbände, soweit sie als öffentlich-rechtliche Korporationen angesehen werden können, dem staatlichen Dienst- Strafverfahren. Präzedenzfälle aus der Praxis liegen allerdings nicht vor. Der sehr eingehend Literatur und Rechtsprechung berücksichtigende wertvolle Kommentar verweist auch u. a. auf die Bestimmungen hinsichtlich der — zu bejahenden — Zulassung von nichtarischen Anwälten zur Verteidigung in Dienststrafsachen (vergl. Anm. 8 zu § 20). Interessant auch die Frage, wieweit Mißbrauch der .Meinungsfreiheit dienststrafrechtlich geahndet werden kann. So könnte analog der Entscheidung in der Rechtsprechung des Disziplinarhofs für nichtrichterliche Beamte (vergl. Anm. 8b zu § 2) ein jüdischer Lehrer wegen ungehöriger Aeußerungen gegen die jüdische Religion zur Verantwortung gezogen werden. Der Kommentar sei, auch wegen seiner vielen praktischen Hinweise, den Verwaltungen der Gemeinden warm empfohlen. Dr. Hans Klee. Unsere Bücherei Eine Folge von Buchbesprechungen wichtiger neuer und älterer Bücher aus den Wanderkisten des Preußischen Landesverbandes. Fortsetzung 1. Die kleine Stadt. Bernstein, Aron David: Vögele, der Maggid. Eine Novelle. (Bücherei des Schocken-Verl. Bd. 7.) Berlin: Schocken, 1934. 124 S. Diese anmutige jüdische Milieuschilderung aus einer kleinen poscnschen „Kehilla“ der Mitte des vorigen Jahrhunderts verbirgt hinter einer ein wenig sentimentalen Liebeshandlung, die mit der Verlobung zweier Paare endet, doch manche kleinere und größere Weisheit, wie etwa die mit einem Male über die erschrockene Gemeinde hcreinbrechende Erkenntnis, „daß wir im Galuth leben“ und daß ein „Eruw“ keine Mauer von Zion ist. — Trotz Kürzung des Originals — es erschien schon 1858 — eine etwas umständlich erzählte Geschichte, die aber älteren Lesern und Leserinnen, besonders den aus der Provinz Posen stammenden, viel Freude bereiten wird. Die zahlreichen Judaismen sind durch Anmerkungen verdeutscht. G —n. Gore4ik, Schmarja: Die liebe Provinz. Berlin: Jüdischer Verl. 141 S. Unter den zahlreichen ostjüdischen Novellenbüchern wird man wenige finden, die auf so zarte, zu Herzen gehende Art das Lob der Kleinstadt singen, jener unbeholfenen und doch so innerlich echten Seele der Provinz, wo es noch heimlich getragene, erschütternde Schicksale gibt, wo noch Frauen am Liebeskummer zugrundegehen und Männer für Ideale leiden und sterben. Und der Himmel und der Gang der Jahreszeiten ist immer nahe und gegenwärtig. — Ein besonders liebenswürdig und schlicht erzähltes Buch, das trotz der russischen Verhältnisse (vor dem Weitkriegei), die es schildert, jedem Provinzmenschen ein Stück der eigenen Heimat herzaubern kann. 0— G o I d I ■ g, Louis: Die Magnollensträße. Roman (lieben, von E. Me. Calman). Paris: Europäischer Merkur (1934). 475 S. „Diese Geschichte erzählt von. einer kleinen Straße des Longtoner Viertels der in Nordengland gelegenen Stadt Doomington. Die Juden lebten auf der Südseite der Straße in den Häusern mit den ungeraden Nummern, die Christen gegenüber in den Häusern mit den geraden Nummern. So ist es auch heute noch.“ Und herüber und hinüber gehen die Fäden, die groben und die feinen, Radau und Rassenhaß, Menschenliebe und zarte Beziehungen junger Liebender, durch zwei Jahrzehnte, durch Krieg und Not. — Ein ungewöhnlich menschlich gutes und schlichtes Buch für reife, erwachsene Leser. G— n.

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