Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 6 (1.6.1935)
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Zehn Jahre Landesverband! In diesem Monat kann der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden auf sein zehnjähriges Bestehen zurück» blicken. In der Zeit vom 21. bis zum 23. Juni 1925 tagte zum ersten Male der Verhandstag im Preußischen Herrenhaus zu Berlin. Gleichzeitig konstituierte sich auch der Große Rat und wählte aus seiner Mitte das erste Präsidium, und zwar Herrn Karamergerichtirat Leo Wolff als Präsidenten und Herrn Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee als einen der Vize» Präsidenten; beide Herren haben seither ihre Präsidentenschaft ununterbrochen ausgeübt. Die Tatsache, daß die Wirksamkeit des Verbandes in diesen zehn Jahren immer mehr zugenom» men und sein Aufgabenkreis gerade in der letzten schweren Zeit eine erhebliche Erweiterung erfahren hat, beweist die Notwendigkeit und Bedeutung der damaligen Gründung. Wir werden in der nächsten Nummer unseres Gemeindeblattes Gelegenheit nehmen, dieses Jubiläum seiner Bedeutung ent» sprechend zu würdigen. werden. Die Juden bilden dort eine Religionsgemeinschaft mit alten staatsbürgerlichen Rechten, und ihre Körperschaften haben dem Königspaar, gleich allen Engländern, begeistert gehuldigt. Doch das wäre nichts Besonderes, hätte sich nicht gerade in die jüdischen Gratulationen noch ein anderer Klang gemischt —: der Dank an den Herrscher, . unter dessen Regierung die Voraussetzungen des neuen Palästina Werkes geschaffen werden. -Kein Wunder, daß das Jubiläum in Palästina besonderes Echo erweckte. Zwei Einzelheiten sollen hier berichtet werden, je eine aus England und aus Palästina. In dem von der englischen Postverwaltung veranstalteten Wettbewerb um einen Entwurf für die Jubiläumsbriefmarken, hat der jüdische Künstler Barnett Freedman den Preis davongetragen; über eine Billion Briefmarken werden nach seinem Entwurf hergestellt und sind zum großen Teil bereits in Umlauf. Und ferner: König Georg V. hat seine Zustimmung gegeben, daß durch den Jüdischen Nationalfonds in Palästina ein seinen Namen tragender Wald gepflanzt werde; die diesbezügliche Aktion seitens der zionistischen Körperschaften ist bereits feierlich eingeleitet worden. Freilich —: gerade die Beteiligung der Juden an dem englischen Königsjubiläum lenkt den Blick auf eine innerjüdische Angelegenheit, die in diesen letzten Wochen aktuell geworden ist. Die Wellen des zionistischen Bruderkrieges umspüien den Fuß des englischen Königsthrons. Denn' das Exekutivkomite der Union der Zionisten-Revisionisten hat ein von seinem Präsidenten Wladimir Jahotinsky unterschriebenes Telegramm an den König gesandt, in dem es heißt: „Wir, die entschiedensten Gegner des Palästina- Regimes, vergessen an dem heutigen allgemeinen Festtag unsere Enttäuschungen und begrüßen Eure Majestät, die in so edler^ Art die loyale, ritterliche und großmütige Nation verkörpert.“ Fürwahr, eine eigenartige und verklausulierte Jubiläumshuldigung! Aber: es gab doch in diesem Monat noch einen anderen, spezifisch jüdischen Gedenktag, Theodor Herzl, der Schöpfer des modernen Zionismus, wäre am 13. Mai fünfundsiebzig Jahre alt geworden. In allen Ländern, besonders auch in seiner Geburtsstadt Budapest, haben die Juden seiner in ernsten Feiern gedacht. Aber zu gleicher Zeit vollzog sich unter den schärfsten Formen der Austritt der Revisionisten aus der Zionistischen Weltorganisation; die Revisionisten sprechen ihr das Recht ab, als Gesamtvertretung der zionistischen Bewegung zu fungieren und fordern zur Verweigerung des Schekels auf. Der langjährige Führer des Gesamtzionismus, Dr. Chain» Weizmann, übernimmt die Leitung einer chemischen Industriegesellschaft in Palästina, und es heißt, -er wolle sich aus der Politik ganz zurückziehen. Alle diese Vorgänge sind so bedeutsam, daß sogar das offiziöse Organ des italienischen Außenministers, die Zeitschrift „Affari Esteri“ („Auswärtige Angelegenheiten“) einen warnenden, von echter Besorgnis getragenen Artikel über die „Spaltung im Zionistenlager“ bringt. Auch unter den deutschen Juden wirkt sich diese Auseinandersetzung aus. Die „Staatszionistische Organisation“ (Vereinigte Revisionisten Deutschlands) erläßt in ihrem Organ einen Aufruf „Gegen den Partei-Schekel“ und geht in ihren Angriffen gegen die Zionistische Organisation so weit, daß sie sie u. a. der „infamen Mordhetze“ beschuldigt (vermutlich im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen den mutmaßlichen Arlosoroff-Mörder). Auseinandersetzungen dieser Art sind zweifellos Krisenerscheinungen. So sehr man sie bedauern muß, so sehr muß man andererseits darauf achten, daß sie lokalisiert bleiben. Die Zionisten Deutschlands haben in einer großen Resolution die totale Führung aller jüdischen Angelegenheiten einschließlich der Gemeinden gefordert. Sie haben gleichzeitig in der Berliner Gemeinde einen Vorstoß in der Richtung dieser Resolution gemacht; die religiös-liberale Fraktion und der Centralverein haben diesen Demonstrationen gegenüber auf die positiven Leistungen der bisherigen jüdischen Führung hingewiesen; sie wollen berechtigte Wünsche erfüllen, wie sie das stets getan, aber sie wehren sich gegen jede Störung der Gemeindearbeit, unter der zugleich auch die der jüdischen Zentralstellen verstanden wird. Und diese Parole „Gegen Resolutionen — für Arbeit“ ist verständlich, wenn man auf die Lage der Juden in Deutschland sieht. Die Bewegung, bei Juden nicht zu kaufen, nimmt zu. In einigen Berufen (z. B. für Apotheker) sind Erschwerungen eingetreten. Das Verbot des Hissens der Reichsfahne, die Gerüchte um das kommende Staatsbürgerrecht und die Entscheidung über die Nichtaufnahme von Juden in das Heer — alles das läßt uns wünschen, daß innere Störungen vermieden werden. Mehr als je ist Zusammenschluß nötig. Das wird erkannt und befolgt. Der „Kulturbund deutscher Juden“ hat zwar seinen Namen in „Jüdischer Kulturbund Berlin“ ändern müssen, zugleich aber ist ein Zusammenschluß der jüdischen Kulturbünde im ganzen Reich erfolgt, der den Bestand und den Aus- Kalender für Juni Sonnabend Juni 1 l|ar 29 Ramidbar, Neamondweihe - Sonntag 2 Ssi war 1 Ketubond Montag 99 3 2 Dienstag 4 99 3 Mittwoch 5 4 Donnerstag 99 6 99 5 Freitag m 7 6 I. Wocbeofeat Sonnabend » 8 7 2. Woehenfeat Sonntag 9» 9 8 IB'ru chag Montag n 10 99 9 Dienstag yt 11 99 10 Mittwoch 12 11 Donnerstag 13 99 12 Freitag 9 14 99 13 Sonnabend 99 15 9 14 Nofiau Sonntag 16 99 15 Montag m 17 99 16 Dienstag 18 17 Mittwoch 9 19 18 Donnerstag 99 20 9 19 Freitag 21 20 Sonnabend 9 22 9 21 B’ha'alauß'cho Sonntag 9 23 99 22 Montag * 24 99 23 Dienstag 25 24 Mittwoch 26 25 Donnerstag 27 26 Freitag 28 99 27 Sonnabend 99 29 99 28 SchTach 1 cho Nramondaweihe Sonntag 9» 30 99 29 8