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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-05-01 · 5 (1.5.1935) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
5 (1.5.1935)
Date
1935-05-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Deutschland hat in der jüdischen Presse zu Erörterungen über die Lage der Juden geführt. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten allerdings hat „gegenüber den Erörterungen in berufenen und unberufenen Kreisen“ erklärt, er halte es nicht für angängig, sich in diesem Zeitpunkt zu dem Pro- Ausblick von der Jerusalemer Fot. Sonnenfeld Universität auf das Amphitheater und Tote Meer bient zu äußern; er habe sich an die zuständigen und maßgebenden Stellen gewandt, und nach den bisher von diesen eingegangenen Antworten sei eine Entscheidung über die Beteiligung der Juden an der allgemeinen Wehrpflicht noch nicht erfolgt. Richten wir den Blick auf das Ausland, so will es scheinen, als seien die günstigen Nachrichten vor den ungünstigen in der Ueberzahl. In Oesterreich freilich besteht unverändert die alte Unklarheit. Bundeskanzler Schuschnigg hat kürzlich wieder darauf hingewiesen, daß in die neue Verfassung alle jene Bestimmungen aus der alten übernommen worden sind, die sich auf die volle Gleichheit aller vor dem Gesetz beziehen; „gleiche Pflichten bedingen auch gleiche Rechte“, sagte er. Dennoch geht die Ausmerzung von Juden aus manchen ßerufskreisen nach wie vor vorwärts. — In Frankreich hat das Innenministerium eine Verordnung gegen umstürzlerische Propaganda erlassen, die sich auch gegen judenfeindliche Ausschreitungen wendet. — In der Schweiz hat der Kanton Genf eine Verordnung gegen antisemitische Blätter und Broschüren erlassen. — In H o 11 a n d ist der Ausweisungsbeschluß für die nach 1931 eingewanderten Ostjuden von der Regierung rückgängig gemacht worden. — Im Staate New Jersey (U. S. A.) wurde ein Gesetz gegen Rassenhaß angenommen, das hohe Geld- und Gefängnisstrafen vorsieht. — Der griechische Ministerpräsident Tsaldaris lind der Generalissimus Papagos haben den Juden Griechenlands für ihre patriotische Haltung anläßlich der letzten Unruhen in besonders herzlicher Weise gedankt, und zu gleicher Zeit haben die verschiedenen antisemitischen Organisationen Griechenlands den Befehl zur sofortigen Auflösung erhalten. — Die Internationale Faschistenkonferenz hat sich auf ihrer Ende März in Amsterdam abgehaltenen Tagung ablehnend gegen jede Unterdrückung einer Klasse oder Rasse und gegen die Rassentheorie im Allgemeinen ausgesprochen; die Vorherrschaft einer bestimmten Rasse sei Ausfluß materialistischer Auffassungen und stehe der vom Weltfaschismus angestrebten Herbeiführung einer durch geistige Bindungen gewährleisteten Einheit im Wege. — Aus Sowjet- Rußland kamen — wie in den Wochen vor Peßach nicht anders zu erwarten — wieder Nachrichten über eine rigorose antireligiöse Hetzkampagne. Die Kreise, die treu zum Judentum und seinen religiösen Einrichtungen stehen, werden als „konterrevolutionär“ bezeichnet. — Aus Polen sind die Vorgänge im Lodzer Stadtrat dem deutschen Leser durch die Tagespresse bekannt geworden; die antisemitischen Mehrheitsbeschlüsse des Stadtrats werden von der Regierung nicht anerkannt, und das hat zu allerlei Verwickelungen geführt. Weniger bekannt ist ein anderer Vorgang in Polen: man verdächtigt die Juden hochverräterischer Konspirationen zugunsten Deutschlands, und die antisemitische „Gazeta Warszawska“ formuliert das Programm der von ihr vertretenen Nationaldemokratischen Partei geradezu dahin, daß sie die radikale Austreibung der Juden und die Ueberwindung der Wirtschaftskrise fordert, um alsdann mit Deutschland abrechnen zu können! — In wohltuendem Gegensatz zu diesen Aeußerungen steht die Rede, die hei einer jüdischen Feier in Pinsk der dortige Garnisonkommandant und ehemalige Freiheitskämpfer Oberst Tungus-Zawiszlak gehalten hat; er schloß mit den Worten: „Ich wünschte, daß Gott Polen immer solche Soldaten schenkte wie die jüdischen Kriegshelden, die ich in den Kämpfen um Polens Unabhängigkeit hatte“. Bald anerkannt, bald abgelehnt: es ist das alte Bild, das doch jedem jüdischen Geschlechte wieder neu ist. Schmerzlich genug für uns deutsche Juden, daß über uns von maßgebender Seite geurteilt wurde: „O H n e Lösung der Judenfrage keine Erlösung der Menschheit!“ Wir haben leider keinen Zweifel, wie dieses Wort aus der bekannten Sondernummer des „Westdeutschen Beobachters“ gemeint ist. Aber wir hören zugleich ein sehr ähnliches Wort, und das tröstet uns. Im Laufe der Maimonides-Feiern zu Cordova wurde am Eingang der dortigen alten Synagoge ein marmorner Gedenkstein enthüllt; er „soll Zeuge des Friedens sein“, so führte der Bürgermeister von Cordova aus, „der hier mit den Brüdern des Maimonides geschlossen wurde.“ Und der Bürgermeister schloß seine Rede: „Ohne Frieden mit Israel kann es keinen wahrhaften Weltfrieden gebe n.“ Ausblick von dar Jerusalemer Universität Fo*- SonnenWd 8

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