Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-04-01 · 4 (1.4.1935) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
4 (1.4.1935)
Date
1935-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/10279732-10021717-10021670--167-3980918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Miniatur aus einer spanischen Haggadah des 14. Jahrhunderts Original Im BrftUdien Museum zu London V-iil der goetheschen und deshalb deutschen Geisteshaltung entspricht, die der Dichter in die bekannten Worte kleidete: „Wenn ich dich liebe, was geht's dich an!“ Die Unklarheit der jüdischen Situation, von der, oben gesprochen wurde, beschränkt sich übrigens keineswegs auf Deutschland allein. Wer die Entwicklung der Dinge in Oesterreich verfolgt hat und weiß, wie auch dort die Ausscheidung der Juden ständig fortschreitet, der gerät in Verlegenheit, wenn er die diesen Tatsachen entgegengesetzten Erklärungen offizieller Persönlichkeiten zu deuten sucht. Angesichts solchen Zwiespalts zwischen Behauptungen und Tatsachen können auch die allerschönsten Dekorationen niemanden mehr recht froh stimmen, und wir als Zuschauer aus der Entfernung empfinden es fast nur als Merkwürdigkeit, daß z. B. dem Wiener Oberrabiner Dr. David Feuchtwang vom Bundespräsidenten Miklas das Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens „taxfrei verliehen worden ist“, wie es in den Berichten für unsere Ohren so fremdartig heißt. — Sehr undurchsichtig ist auch die Lage in Rumänien, wo insbesondere die Numerus Clausus-Bewegung wieder im Anschwellen begriffen ist. Freilich, es gibt auch freundlichere Horizonte. Angesichts unserer eigenen Situation fühlen wir uns fast versucht, unsere Glaubensgenossen in einigen andern Ländern zu beneiden, und jedenfalls erweckt es Wehmut in uns, wenn wir lesen, daß in der Tschechoslowakei aus Anlaß des 85. Geburtstages des Präsidenten Masaryk in allen Synagogen Festgottesdienste abgehalten wurden. Oder daß in Ungarn eine Abordnung des in Budapest seit 1867 zum ersten Male wieder einberufenen Ungarischen Jüdischen Landeskongresses vom Reichsverweser Horthy in Audienz empfangen und mit einer für die ungarische Judenheit außerordentlich ehrenvollen Ansprache begrüßt worden ist, ebenso wie auch der ungarische Kultusminister Homan an einem Bankett dieses Kongresses teilgenommen und eine Begrüßungsansprache gehalten hat. In ähnlichem Sinne darf das Schreiben gewertet werden, das der lettländische Ministerpräsident Ulmanis aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Libauer Synagoge an die Judenschaft Lettlands gerichtet hat. Den stärksten Eindruck aber von allen derartigen Ehrungen macht diejenige, die mit dem bedeutungsvollsten Ereignis dieser Wochen im Zusammenhänge steht: an der staatlichen Maimonides-Feier in Cordova wird, wie aus dem soeben veröffentlichten Programm zu ersehen ist, u. a. auch der Präsident der spanischen Republik teilnehmen. Mit der Erwähnung der Maimonides-Feier gelangen wir zu innerjüdischen Ereignissen, deren sich immerhin einige zugetragen haben. Zwei Trauerbotschaften durcheilten die jüdische Welt gerade in dem Augenblick, als die vorige Nummer unseres Blattes und damit auch die damalige „Chronik“ aus der Druckerei kam: die Kunde vom Ableben Eugen Landaus, des Mitgründers und Vorsitzenden des Hilfsvereins der deutschen Juden, und die ganz unerwartete Nachricht vom Ableben des italienischen Oberrabbiners Professor Dr. Angelo Sacerdoti. Das Hinscheiden so hochverdienter Männer hinterläßt klaffende Lücken; im Falle des Rabbiners Dr. Sacerdoti kommt dies auch rein äußerlich dadurch zum Ausdruck, daß die jüdische Gemeinde in Rom beschlossen hat, das Amt des Oberrabiners von Rom für einige Zeit unbesetzt zu lassen. Es darf noch erwähnt werden, daß an der Beisetzung hohe Offiziere der Armee und der faschistischen Miliz teilgenommen haben und daß sowohl der König als auch die italienische Regierung Kondolenzschreiben an den jüdischen Gemeindeverband Italiens gerichtet haben. Uebrigens mag bei dieser Gelegenheit erwähnt werden, daß an dem Begräbnis des katholischen Oberhirten von Berlin, des Bischofs Bares, auch Vertreter der jüdischen Körperschaften teilgenommen haben, und zwar Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff für den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und zugleich für den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und Rabbiner Dr. Max Wiener für die Rabbiner der Berliner Jüdischen Gemeinde. Blatt aus einer spanischen Haggadah des 14. Jahrhunderts ln Brltindien Muievn In London 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.