Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 4 (1.4.1935)
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gjamr Pessach (engl.) Kupferstich die in den Tagen des Messias mit Israel in vollem Frieden leben werden.“ Nichts anderes bedeuten also die Tage des Messias als den kommenden Völkerfrühling, als eine Zeit, in der Haß und Feindschaft verschwinden und Friede und Gerechtigkeit auf Erden walten werden. In höchstem Maße beachtenswert ist folgende Stelle (Jad chasaka, Hilchoth Melachim, Abschnitt 12): „Die Weisen und die Propheten haben die Tage des Messias nicht geweissagt, damit Israel in der Welt herrsche oder sich über die Völker erhebe; nein, die Weisen und die Propheten haben die Tage des Messias herbeigesehnt als eine Zeit des Friedens unter den Völkern, als eine Zeit, in der die Erkenntnis der göttlichen Wahrheiten die Erde erfüllen wird, wie das Wasser das Meer bedeckt.“ Wir haben hier aus dem Gedankenbau Maimunis einige Kernstücke herausgegriffen, die geeignet erscheinen, zumindest von der Art seines Denkens eine Vorstellung zu vermitteln. Das ganze philosophische System des Maimor nides in der Nußschale zu geben, ist nicht gut möglich und wäre zudem wenig ersprießlich. Zu bemerken wäre allenfalls noch, daß sich bei Maimonides der Religionsphilosoph von dem Theologen und Gesetzeslehrer in der Denkmethode stark unterscheidet. Während der Theologe und Gesetzeslehrer nach dem scholastischen Grundsatz: credo ut intelligam, „ich glaube, damit ich erkenne“ verfuhr, nahm der Philosoph umgekehrt den Weg über die Erkenntnis zum Glauben. Als Religionsphilosoph erkannte Maimonides in allem die Autorität der Vernunft an. Als Gesetzeslehrer dagegen fühlte er sich dem Volke, nicht der Philosophie verantwortlich; da gab er kein Jota preis von alledem, was die Rabbinen als Glaubensgut des Volkes gesammelt und aufbewahrt haben. * Ueberaus fruchtbar war auch Maimunis praktisches Wirken im Dienste des Judentums. Er begnügte sich nicht damit, eine Leuchte in Israel zu sein, er war auch, wie man es heute bezeichnen würde, ein Mann der Oeffentlichkeit. Ueberall in der Judenheit, in Asien und in Afrika, in Spanien und in Frankreich, hatte seine Entscheidung, sein Gutachten, sein Wort unbestrittene Geltung. Von überall her kamen Anfragen ap ihn, aus allen Orten der jüdischen Welt wurde er um Rat und Beistand angegangen. Und Rat und Beistand gewährte er allen, die ihn darum ersuchten. Wie vielen Maimonides Lehrer, Wegweiser und weiser Ratgeber gewesen ist, ersehen wir aus seinem ausgebreiteten Briefwechsel, der gedruckt vorliegt. Von besonderer Bedeutung sind die Sendschreiben, die' er an verschiedene jüdische Gemeinden gerichtet hat; das bekannteste darunter ist das Sendschreiben an die Juden in Jemen „Iggereth Theman“* Für die Juden in Jemen, die von den Mohammedanern verfolgt und zwangsweise zum Islam bekehrt wurden, verwendete sich Maimonides beim Sultan Saladin, und seine Fürsprache hatte den" Erfolg, daß die Judenverfolgungen in Jemen bald aufhörten. Seitdem verehrten die jemenitischen Juden in Mose ben Maimon ihren Retter und erwähnten seinen Namen in ihrem täglichen Gebet. So war Mose ben Maimon nicht nur ein Führer der Geistigen im Judentum, sondern auch, im betonten Sinne, ein Führer seines Volkes. Als Gesetzeslehrer war er eine Leuchte in Israel, als Religionsphilosoph eine vielbewunderte Erscheinung. Ein Sproß aus dem berühmten Fürstengeschlecht des Jehuda Hanassi, zählte Maimuni zu jenen geistigen Granden, die zu dem ererbten den eigenen Adel fügen. Kein Wunder, daß der Name e|nes solchen Mannes durch die Jahrhunderte leuchtet. Schon bei Lebzeiten hatte er einen Ruf, der weit über die Lande ging. Und als er am 20. Tebet 4965 (13. Dezember 1204) starb, da schrieben die Nekrologschreiber: „Mit Mose ben Maimop ist dem jüdischen Volke zum zweitenmal die Bundeslade des Herrn weggenommen worden.“ ‘ Wahrlich, ein großes Wort, das die Größe des Mannes in heiligem Sinnbild veranschaulicht.' V» >a^vz jv OAiqve Kupferstich Pessach ^27 •. r. : i 5