Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 3 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Fünf Jahre blieb Maimuni in Fes. Der Aufenthalt in der Hauptstadt der Almöhaden war seinem, geistigen Streben recht förderlich gewesen. Allein die Lage der Juden im Lande verschlechterte sich zusehends; die Unduldsamkeit der Machthaber nahm immer gefährlichere Formen an. Da entschloß sich Maiinuni, seine Zelte in Fes abzubrechen. Im April 1165 verließ er mit seinem Vater und seinen Geschwistern Marokko und reiste zu Schiff nach dem Heiligen Lande und ließ sich schließlich in Fostat bei Kahira nieder. In Fostat vermählte er sich mit einer Schwester des Abulmali, der bei der Mutter des Sultans Afdhal das Amt eines Geheimschreibers versah. Als Maimuni nach Fostat kam, da war ihm bereits der Huf eines großen Gelehrten vorausgegangen. Und in der Tat: in der Lauterkeit seiner Gesinnung und im Hochflug seines Geistes glich er jenen wahrhaft Großen in Israel, die ..ihre -Gelehrsamkeit nicht zum Spaten machten, um damit zu graben, auch nicht zur Krone schmiedeten, um damit das Haupt zu schmücken“. Aehnlich wie die großen Tanaiten, die tagsüber ein Handwerk ausübten und nachts in der Lehre forschten, wollte auch Mainionides aus einer praktischen Betätigung seinen Lebensunterhalt gewinnen. Und so kam es, daß der große „Rambam“, der Schöpfer des monumentalsten Werkes in der rabbinischen Literatur, seine' Laufbahn als Juwelenhändler begann. Zusammen mit seinem Bruder David betrieb Maimuni einen Juwelenhandel: er tat dies zu einer Zeit, als er bereits als Gelehrter berühmt und als rabbinische Autorität anerkannt war. Schmerzvolle Ereignisse brachten indessen eine Aenderung in das Leben Maimunis. Sein Vater starb; ihm folgten zwei Kinder in den Tod. -Sein Bruder David erlitt auf einer Seereise Schiffbruch und kam dabei ums Leben. Das Vermögen des Mainionides ging bei diesem Schiffsunglück verloren. An eine Fortführung des Juwelengeschäftes war unter diesen Umständen nicht mehr zu denken. Maimuni wurde praktischer Arzt in Kahira. Gleichzeitig ernannte ihn die jüdische Gemeinde in Kahira zu ihrem geistlichen Oberhaupt. Nun hatte Mainionides einen doppelten Wirkungskreis, aber er vernachlässigte darob jene Wissenschaften nicht, die den Menschen auf Erkenntniswegen zu immer höherer Vervollkommnung führen. Und das war der große Mose ben Mainion: Arzt von Beruf, Rabbiner im Ehrenamt, Philosoph aus Neigung. Als Arzt genoß Mainionides hohes Ansehen. Der Großwesir Al-Fadhil ernannte ihn zu seinem Leibarzt, der Sultan Saladin und seine Angehörigen bedienten sich seiner ärztlichen Kunst. Berufs- und Zeitgenossen Maimunis versichern, daß sein Ruf als Arzt weit über die Grenzen Aegyptens drang. Es wird berichtet, daß Richard Löwenherz ihn zu seinem Leibarzt machen wollte; Maimonides lehnte ab, er wollte den ihm liebgewordenen Wirkungskreis in Kahira nicht aufgeben. Dieser Wirkungskreis war groß und würde ansonsten den ganzen Mann ausgefüllt haben, wenn es nicht gerade Mose ben Maiinon gewesen wäre, dessen Geisteskraft und Arbeitslust schier unbegrenzt waren. Man glaubt ein Wunder übermenschlicher Leistungskraft zu erleben, wenn man sich so einen Arbeitstag des Arztes Maimuni vergegenwärtigt. Mose ben Maimon seihst gibt davon in einem Brief an seinen Uebersetzer Samuel Ibn Tibbon, der ihm seinen Besuch in Alt-Kahira in Ausischt stellte, ein anschauliches Bild. „So sehr es mich auch freuen würde“, so schreibt Maiinuni an Ibn Tibbon, „dich in meinem Heim zu begrüßen, so muß ich dir dennoch abraten, die weite Seereise zu unternehmen. Der einzige Gewinn deines Besuches wäre,, mich gesehen zu haben und von mir in allen Ehren empfangen worden zu sein. Aber ich könnte dir nicht einmal eine Stunde vertraulichen Beisammenseins widmen. Ich will dir meine Lebensweise schildern: Ich wohne in Fostat und der Sultan wohnt in Kahira; beide Orte sind gut zwei Sabbatwege voneinander entfernt. Ich habe nun beim Sultan einen überaus schweren Dienst zu versehen. Täglich bei Tagesanbruch muß ich ihn besuchen. Gar oft. wenn er sich selber leidend fühlt oder eines seiner Kinder oder eine seiner Frauen oder einer seiner Hofbeamten erkrankt ist, komme ich aus Kahira nicht fort. Im günstigsten Falle, wenn nichts Besonderes vorfällt, komme ich erst nachmittags nach Fostat zurück. Wenn ich nun müde und hungrig ankomme, finde ich alle Vorzimmer voll von Menschen, Juden und Moslemin, Vornehmen und Geringen, die auf meinen ärztlichen Beistand warten. Kaum bleibt mir Zeit, vom Maultier zu steigen, mich zu waschen und etwas zu genießen. Dann muß ich ihnen Rezepte und das Heilverfahren schreiben. Das Gehen und Kommen währt oft bis spät in die Nacht hinein. Manchmal bin ich vor Müdigkeit so schwach, daß ich kein Wort mehr sprechen kann. Nur am Sabbat bleibt mir Zeit, mich mit der Gemeinde und der Lehre zu beschäftigen. So fließen mir die Tage hin.“ Fortsetzung folgt Amtlicher Teil Einführung des Bezirksrabbiners in Sdiivelbein Sonntag, den 10. Februar, fand in Schivelbein/Pomm. die feierliche Einführung des Herrn Rabbiners Karl Richter aus Hirschberg in das Amt des Bczirksrabbiners für einen grollen Teil der Gemeinden Hinterpommerns statt. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden, der dieses Bezirksrabbinat geschaffen hat, war durch seinen zuständigen Dezernenten, Herrn Rabbiner Dr. Galliner, und den Sachbearbeiter, Herrn Birnbaum, vertreten; der Verband der Synagogengemeinden Pommerns hatte seinen Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Abrahamsohn, Stettin, und Herrn Rabbiner Dr. Elk, Stettin, entsandt. Ferner nahmen zahlreiche Mitglieder der 14 angeschlossenen Gemeinden: Kolberg, Köslin, Labes-Wangerin, Bad Polzin, Neustettin, Belgard, Bublitz, Regenwalde, Tempelburg, Dramburg, Falkenhurg, Bärwalde, Pollnow und Schivelbein selbst an der Feier teil, sodaß in dem schönen Gotteshaus der Gemeinde Schivelbein etwa 250 Männer und Frauen versammelt waren. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Gemeinde Schivelbein, Herrn Dr. Meyersohn, führte Herr Rabbiner Dr. Galliner namens des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden den Bczirksrabbiner in sein hohes und verantwortungsvolles Amt ein. Er wies auf die Vielfältigkeit und Bedeutung der Aufgaben hin, die jeder Rabbiner und besonders ein Bczirksrabbiner in der heutigen Zeit zu erfüllen bat: auf die Notwendigkeit, den Erwachsenen in ihren Sorgen und Nöten beizustehen und ihnen in Zusammenarbeit mit den großen jüdischen Organisationen gegebenenfalls Hilfe zu bringen, auf die Sorge für die Heranbildung unserer Jugend zu aufrechten Juden und frohen, unverbildeten Menschen, auf die Verbreitung und Vertiefung jüdischen Wissens und jüdischer Lehre. Der Redner schloß mit Bezug auf den vorangegangenen Wochenabschnitt über den Aufbau des Stiftszeltes, daß auch der Bczirksrabbiner die einzelnen Teile seines Bezirks zu einem großen Ganzen zusammenfügen und dein Gemeinschaftssinn zum Durchbruch gegen die Interessen einzelner Menschen, Richtungen oder Gemeinden verhelfen müsse. Nach dieser offiziellen Einführung hfeit Herr Rabbiner Richter seine Antrittspredigt, der er das Schriftwort: W-ossu li mikdosch w’schochanti b’ssauchom — Sie sollen mir ein Heiligtum errichten, daß ich wohne in ihrer Mitte — zugrunde legte. Er bezeichnete es als seine Aufgabe, die Kenntnis jüdischer Geschichte wieder zu einem Faktor zu machen, der in 14