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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-03-01 · 3 (1.3.1935) · p. Seite 15

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
3 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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<lcr Gegenwart lebendig als Vorbild und Weisung zu wirken vermöge; alle Fülle des Orgunisjerens und der Betriebsamkeit auf sozialem, kulturellem und jüdisch-politischem Gebiet könne nicht darüber hinwegtäuschen, daB das wahre Problem des Judentums in unserer Zeit darin bestehe, die jüdische Seele und den jüdischen Menschen wieder umzuformen und ihn seiner heiligen, von Gott gestellten Aufgabe bewußt zu machen. Nur diese Erneuerung des jüdischen Menschen, nicht irgendwelche Aeußerlichkeiten, würde das Judentum aus seiner Bedrängnis erretten und dem Aufbau eines neuen Heiligtums Gottes dienen können. Zu dem Bau dieses neuen Heiligtums, durch seine Arbeit einen Teil beitragen zu können, sei seine stolzeste Hoffnung, in der er sich mit vollem Herzen und mit aller Kraft der Sorge für die ihm anvertrauten Gemeinden und Menschen widmen werde. Nach den eindrucksvollen Worten des neuen Bezirksrabbiners begrüßte Herr Hechtsanwalt Friedländer aus Köslin ihn im Namen der angcschlossencn Bezirksgemeinden. Zum Schluß hielt Herr Rabbiner ßr. Elk eine Ansprache an den neuen Kollegen, in der er ihm die Grüße aller Gemeinden Pommerns, sowie der Kabbiner und Lelirfcr der Provinz überbrachte und die Gemeinden und ihre Mitglieder aufforderte, an den großen Aufgaben, die der Bezirksrabbiner zu erfüllen habe, tatkräftig mitzuarbeiten. Eine solche Mitarbeit sei das notwendige Korrelat aller Bemühungen des Rabbiners. Nur aus dem beiderseitigen Zusammenwirken könne ein wirklicher Erfolg hervorgehen. Die Feier, die von einem Vor- und Nachspiel auf dem Harmonium umrahmt war, hinterließ bei allen Anwesenden einen liefen Eindruck und die Hoffnung, daß von der durch den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden geschaffenen Einrichtung eine wirksame Stärkung der jüdischen Verbundenheit und Belebung des Judentums in den Gemeinden Pommerns ausgehen wird. Gemeindeveranstaltung für den Preußischen Landesverband in Gelsenkirthen Am Sonntag, den 27. Januar fand in der Synagoge jier Gemeinde Gelsenkirchen eine Veranstaltung statt, zu der nicht nur fast sämtliche Gemeindemitglieder von Gelsenkirchen, sondern auch Vertreter der benachbarten Synagogcngemeindeii Dortmund, Bochum, Buer, Wattenscheid, Recklinghausen u. s. w. erschienen waren, um das Referat zu hören, welches Herr Rabbiner ßr. Julius Galliner (Berlin) als Dezernent des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden erstattete. Ausgehend von einem Worte des Propheten Jeremia schilderte der Redner die Situation der deutschen Judenhcit dieser Tage. So schweres Leid auch über uns gekommen ist, darf doch keine Klage laut werden und wir müssen uns auch vor der Gefahr hüten, die darin besteht, daß ganze Kreise sich gewissermaßen an einer Martyriumsstimmung berauschen. Dazu ist kein Anlaß; solange es eine jüdische Geschichte gibt und so vielerlei verschiedene Zeiten das Judentum erlebt bat, niemals hat es eine Zeit des bloßen Klagens gegeben, sondern jüdische Art war es immer, das Leid fruchtbar zu machen. Auch in unseren heutigen Tagen zeigt sich, daß Leid zum Segen werden kann. Denn mit den neuen Verhältnissen ist auch eine neue Bewegung in unsere jüdischen Gemeinden und Organisationen gekommen und man darf hinzufügen, daß cs sich nicht so sehr um Gründung neuer Organisationen und 'überhaupt nicht um materielle Vorgänge handelt, sondern um ein neues Geistesleben, das sich in vielen praktischen Dingen auswirkt und auch auswirken soll, denn das Judentum war immer auf Lebenswirklichkeit gerichtet. Insbesondere ist es jetzt wieder die Gemeinde, die allerorten in den Mittelpunkt des jüdischen Lebens gestellt ist, und die wie in allen Zeiten Trägerin jüdischen Lebens wird. Daß aber die jüdischen Gemeinden, besonders die vielfach verarmten Klein- und Mittelgemeinden heute bestehen, ist zum großen Teil der Tätigkeit des Preußischen Landesverbandes zu danken. Dr. Galliner erörterte in diesem Zusammenhang die Beihilfen, die der Landesverband den kleinen Gemeinden, den Rabbinern, Lehrern, Kantoren und auch den Hinterbliebenen leistet, und durch die er sich als die große Lastenausgleichstelle zwischen Groß- und Kleingemeinde erweist. Eine besondere Rolle in den organisatorischen Maßnahmen des Landesverbandes spielt die Schaffung einer Pensionskasse für Beamte, mehr aber noch die Einrichtung der Bezirkslehrerslellen und vor allem der Bezirksrabbinate, deren Zahl in der letzten Zeit noch vermehrt werden konnte. _ Dr. Galliner, der nicht nur das Dezernat dieser Bezirksrabbinate, sondern auch für Lehrerausbildung und Schulwesen hat, behandelte noch ausführlich die Frage der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung, wobei er auf die kürzlich abgchaltenc Pädagogische Woche in Essen zu sprechen kam. Das, was mit dem heute vielfach angewendeterr Schlagwort „Erwachsenenbildung" gemeint ist, betreibt der Landesverband seit längerer Zeit erfolgreich durch die Kulturfahrten; durch die Schaffung der Wanderbibliothek, durch den Ausbau seines Gemeindeblattes, das in alle kleinen Gemeinden gelangt, und neuerdings durch die bevorstehende Herausgabe von geeigneten Gesängen für den Gemeindegottesdienst. Die aufschlußreichen Ausführungen fanden weithin größte Beachtung, nicht zuletzt auch durch die Persönlichkeit des Redners, der als Dezernent des Landesverbandes an allen Arbeiten führend beteiligt ist. Vorträge und Kurse über Maitnonides Bereits im November v. Js. hat der Landesverband durch Rundschreiben an die Rabbiner und Lehrer darauf hingewirkt, daß anläßlich der bevorstehenden 800-jährigen Maimonides-Juhiläiim das Andenken des großen jüdischen Denkers so begangen wird, wie es seiner Persönlichkeit entspricht —: nicht nur durch offizielle Gemeindefeiern, sondern mehr noch durch Lehrvorträge, Kurse und Arbeitsgemeinschaften für Jung und Alt. Der Landesverband hat in seinem Gemeindehlatt eine vollständige Liste der Werke v o n und ii her Maimonides (Maimonides-Bibliographie) veröffentlicht und alle diejenigen, die zur Abhaltung von Erwachsenen- oder Jugend-Vorträgen über Maimonides in Betracht kommen, gebeten, an Hand des Literaturmaterials ihre Kenntnisse über Maimonides noch zu vertiefen, damit von den veranstalteten Feiern, Vorträgen und Kursen und damit von dem Jubiläum selbst eine wirkliche geistige' Bereicherung der deutschen Judenheit ausgeht. Dem gleichen Ziele dient nun ein weiteres Rundschreiben, das der Landesverband Mitte Februar an alle Mitgliedsgemeinden gesandt hat. Der Landesverband hat den dringenden Wunsch, daß der Inhalt dieses Rundbriefes, den wir nachstehend veröffentlichen, von allen Mitgliedsgemeinden in die Tat umgesetzt wird. _ Das Rundschreiben lautet: Ende März dieses Jahres jährt sich zum 800. Male der Tag, an dem der große jüdische Denker Maimonides in Cordoba geboren worden ist. Die Gesamtjndenheil rüstet, diesen Tag feierlich zu begehen. DeT Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat sich schon vor einiger Zeit an die Herren Rabbiner und Lehrer gewandt mit der Bitte, ihrerseits alles zu tun, um den Mitgliedern unserer Gemeinden diesen großen Menschen nahe zu bringen, der als Religionsphilosoph, Gesetzeslehrer, Arzt, vor allen Dingen als Persönlichkeit in der Geschichte unserer jüdischen Gemeinschaft von bleibendem Einfluß gewesen ist. Wir denken daran, daß auf Gemeindeabenden durch Vorträge, auf der Kanzel durch Predigt, im Unterricht je nach dem Verständnis der Altersstufen der Schüler, vielleicht auch in Arbeitsgemeinschaften der reiferen Jugend die Zeit vom März bis zum Peßachfeste benutzt wird, um dafür Sorge zu tragen, daß den Mitgliedern unserer Gemeinden wirklich eine dauernde innere Bereicherung durch das, was über Maimonides ihnen gesagt oder von ihnen erarbeitet wird, erwächst. Wir bitten die Herren Rabbiner und Lehrer, sich in den Dienst dieser Aufgabe zu stellen; wir sind bereit, auf jede Anregung, die an uns erfolgt, gern Auskunft zu geben und Anfragenden uns zur Verfügung zu stellen. PAUL CROHN Magdeburg, Breiteweg 49 Tel. 35779 Salamander-Hou* Makler für Grundstücke und Hypotheken •ertUfttMTldMe/Vermratungan Vermittlung J Beratung / Verwaltung

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