Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 3 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Stützung und, soweit nötig, auch auf Hilfe haben als die einzelnen Gemeinden; hängt doch von dem Schicksal jedes Verbandes das Schicksal aller in ihm zusammengefaßten Gemeinden ab! Der Umstand, daß jeder Landesverband bisher auf das Gebiet eines bestimmten deutschen Staates beschränkt war, konnte in der Zeit der fortschreitenden staatlichen Reichsreform kein Hindernis bedeuten. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat geglaubt, als der stärkste der Landesverbände die Pflicht zu haben, seine Organisation für die^neue, verantwortungsvolle Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Auffassung kam er den Wünschen der anschlußbedürftigen oder notleidenden Landesverbände entgegen. Schon vor längerer Zeit sind Verhandlungen geführt worden, die einen Anschluß der betreffenden Verbände an den unsrigen zum Ziele hatten. Eine besondere Stellung nahmen dabei die Gemeinden des Saargebietes ein, die den Wunsch halten, nach der Wiedervereinigung mit Deutschland sich dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden anzuschließen; dieser Anschluß ist inzwischen erfolgt, sodaß wir die amtliche Meldung darüber zu unserer Freude nachstehend veröffentlichen können. Ebenfalls rechtsgültig vollzogen ist der Anschluß des Landesverbandes Thüringen, worüber das nähere aus der gleichfalls nachstehend veröffentlichten amtlichen Notiz ersichtlich ist. Verhandlungen mit Mecklenburg und Oldenburg, die sich in gleicher Richtung bewegen, stehen dicht vor dem Abschluß; mit den jüdischen Verbänden bezw. Gemeinden einiger anderer Länder sind die Verhandlungen uoch im Gange. Durch diese Angliederung neuer, zum Teil notleidender Gebietsteile hat der Preußische Landesverband bewiesen, daß er nicht davor zurückscheut, Verantwortung und Opfer auf sich zu nehmen, wenn es gilt, jüdisches Gemeindeleben und das heißt: Zentren jüdischer Kultur und jüdischen Geistes vor wirtschaftlichem Zerfall und Untergang zu bewahren. Anschluß der thüringischen Gemeinden Im Rahmen der Bemühungen des Preußischen Landesverbandes, denjenigen jüdischen Gemeinden anderer Gebietsteile, die durch die wirtschaftliche Entwicklung notleidend geworden sind, den starken Rückhalt eines großen Verbandes zu bieten, .waren Verhandlungen auch mit den thüringischen Gemeinden eingeleitet worden, die am Sonntag, den 17. Februar, auf einer Gemeindetagung des Thüringischen Landesverbandes in Eisenach ihren Abschluß fanden. Den Vorsitz führte Herr Fabrikbesitzer S. Vollmann-Meiningen. Den Preußischen Landesverband vertrat dessen Vizepräsident, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee (Berlin), der in längeren Ausführungen Wesen und Arbeit des Preußischen Landesverbandes auseinandersetzte und darauf hinwies, daß die in unseren Tagen mehr denn je erforderliche brüderliche Solidarität zu Maßnahmen dränge, die der Stützung der Schwachen und der Erhaltung des religiösen Kulturguts unserer Gemeinschaft und Gemeinden dienen. Der Vorsitzende sprach dein Preußischen Landesverband und besonders Herrn Dr. Klee für seine großzügige Initiative, die herzlichen Begrüßungsworte und aufschlußreichen Ausführungen den wärmsten Dank der thüringischen Gemeinden aus. Nachdem der Sachbearbeiter des Gemeindereferats des Preußischen Landesverbandes, Herr Max Birnbaum (Berlin), eine Reihe von Aufklärungen technischer Art gegeben hatte, wurde einstimmig von sämtlichen anwesenden Vertretern, so den Vorständen der Gemeinden Eisenach, Meiningen, Gotha, Sondershausen und anderen, der Anschluß des Thüringischen Landesverbandes und der ihm angehörigen Gemeinden an den Preußenverband beschlossen. Im Großen Rat des Preußischen Landesverbandes wird Herr Vollmann (Meiningen), der zum Vorsitzenden des Thüringischen Landesverbandes einstimmig gewählt wurde, und als sein Stellvertreter Herr Rechtsanwalt Dr. Backhaus Eisenach), die thüringischen Gemeinden vertreten. Anschluß der saarländischen Synagogen-Gemeinden Am Sonntag, 24. Februar 1935, traten in Saarbrücken Vertreter der Saarländischen Gemeinden unter dem Vorsitz des stellvertretenden ' Vorsitzenden der Gemeinde Saarbrücken, Rechtsanwalt Dr. Max Weiler zu einem Gemeindetag zusammen mit der alleinigen Tagesordnung des Anschlusses der saarländischen jüdischen Gemeinden an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden. Der Vorsitzende begrüßte in besonders herzlicher Form den erschienenen Vizepräsidenten des Preußenverbandes, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, Berlin, und hob in längeren Ausführungen hervor, welche Bedeutung der Anschluß für die saarländischen Gemeinden, die vom Preußenverbande moralische und sachliche Unterstützung erwarteten, gerade in dieser Zeit habe. Die Rückgliederung erfolge in vollem Vertrauen auf die bewährte Treue der jüdischen Gemeinden Deutschlands; es sei selbstverständlich, daß im Augenblick, wo nur die Möglichkeit gegeben war, der Wiedereintritt in den Preußenverband freudig begrüßt worden sei. Rechtsanwalt Dr. Klee sprach über die Arbeitsgebiete des Preußenverbandes, seine Leistungen in den letzten Jahren und erklärte unter lebhaftem Beifall der saarländischen Gemeindevertreter, daß vom preußischen Verbände aus alles geschehen werde, um die religiösen und kulturellen Güter der saarländischen Gemeinden zu erhalten und zu entwickeln. Es sei ihm eine besondere Freude, nachdem er am vorigen Sonntag in Eisenach den Beitritt der thüringischen Gemeinden* habe herbeiführen können, heute die saarländischen Gemeinden als alt-neue Mitglieder des Preußenverbandes begrüßen zu dürfen. Sämtliche anwesenden Gemeindevertreter erklärten darauf ihren Beitritt. Die Debatte ergab die dringende Notwendigkeit einer Reorganisation, namentlich in Bezug auf die lehrerlosen Gemeinden, die wiederum mit Kultus und Unterricht versehen werden müssen. Es wurde namentlich mit Rücksicht auf diese Reorganisationsbestrebungen für später die Schaffung eines Provinzialverbandes in Aussicht genommen; bis zu dessen Begründung erklärten sich Vorstand und Rabbinat der Gemeinde Saarbrücken bereit, die Verbindung der Gemeinden mit dem Landesverband durch Beratung nach beiden Seiten zu unterstützen. Der preußische Landesverband soll gebeten werden, zu der Ratssitzung am 10. März die Herren: Dr. med. A. I s s e r 1 i n , den stellvertretenden Vorsitzenden der Saarbrückener Repräsentantenversammlung und den Rabbiner der Kreissynagogen-Gemeinde Saarbrücken, Dr. Rothschild einzuladen. Nach eingehender Debatte, die sich ausführlich über die Lage der einzelnen Synagogen-Gemeinden des Saargebietes^verbreitete, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit herzlichen Dankesworten an den Preußenverband und seinen erschienenen Vertreter, Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die von hohem Ernst und Verantwortungsgefühl getragenen Verhandlungen und das Ergebnis in gleicher Weise dem Preußischen Landesverbände wie den saarländischen Gemeinden zum Segen gereichen mögen. 12