Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 3 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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unter Führung des dänischen Oberrabbiners Dr. Friediger zusammengeschlossen. — Wenn wir an das Ende dieser Auslands-Umschau diesmal England setzen, so geschieht es, weil das wichtigste von dort zu berichtende Ereignis in unmittelbarem Zusammenhang mit uns deutschen Juden steht —: der Central British Fund for German Jewry hat beschlossen, einen dritten Drive für das Hilfswerk zugunsten der deutschen Juden durchzuführen. Wenn auch die Höhe des uufzubringenden Betrages bisher nicht bekanntgegeben wurde, so berechtigt es doch zu großen Hoffnungen, daß Persönlichkeiten wie Lady Erleigh, Leonard G. Montefiore und Anthony de Rothschild gemeinsam die Leitung übernommen haben und den März zum „Monat der deutschen Juden“ machen wollen. Bei uns' deutschen Juden stehen die innerjüdischen Ereignisse in starkem Zusammenhang mit den äußeren Verhältnissen, deren fortschreitende Klärung wir zwar begrüßen müssen, weil Klarheit stets der Unsicherheit vorzuziehen ist, die aber doch keineswegs immer in dem von uns erhofften. Sinne verläuft. Immerhin läßt sich sagen, daß die Konsolidierung in demjenigen Sinne fortschreitet, der durch den von der Regierung wiederholt verkündeten Grundsatz „keine Arierbestimmungen im Wirtschaftsleben“ gegel>en ist. In diesem Zusammenhang ist vor allem ein Erlaß des Leiters der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung zu erwähnen, durch den klargestellt wird, daß das Gesetz über die Zulassung von Steuer beratern, das Nichtarier ausschließt, auf die Zulassung von Devisenberatern keine Anwendung findet; bemerkenswert ist, daß u. a. erklärt wird, es könnten auch solche Nichtarier zuge- (assen werden, die sich vor dem 1. April 1933 noch nicht geschäfts- oder berufsmäßig mit Devisensachen befaßt hätten und die z. B. früher Beamte oder Rechtsanwälte gewesen seien. —An vielen Tatsachen sieht man recht deutlich, wie die Grenze zwischen wirtschaftlicher Gleichberechtigung und kultureller Aussonderung abgesteckt wird. In einer Mitteilung der „Deutschen Dozentenschaft“ wird berichtet, daß durch Erlaß des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung die nichtarischen Hochschullehrer aus den Prüfungskommissionen entfernt worden seien. Die „Deutsche Dozentenschaft“ spricht dem Minister hierfür ihren Dank aus. An solchen Tatsachen ändert unser eigenes Gefühl nichts. Umgekehrt aber sind auch die hohen Geistesgüter des Judentums und die jüdischen Leistungen, von denen wir am Beginn dieser Chronik einige Beispiele genannt haben, für uns objektive Tatsachen und obendrein unverlierbarer Besitz. Deshalb gehen wir über manches weniger Erfreuliche hinweg zur Ordnung unserer eigenen Arbeit. Da bleibt genug zu tun. — Einige bedeutsame Ereignisse liegen auf gemeindepolitischem Gebiete vor. Dahin gehört vor allem der mannhafte Aufruf der Israelitischen Gemeinde in Bremen, deren Vorstand hinfort jeden, der sich unsozial verhält und seine Pflichten gegenüber der jüdischen Gemeinschaft verletzt, unter voller Namensnennung und ohne Ansehen der Person der Kritik der Gemeindeöffentlichkeit übergeben wird. — Unter die Ereignisse, die auf eine Konsolidierung der Verhältnisse schließen lassen, ist der in Berlin gefaßte Beschluß zu rechnen, demzufolge man die am 31. Dezember 1934 abgelaufene Amtsperiode des s. 7.1. als „Notregierung“ eingesetzten Direktoriums der Berliner Jüdischen Gemeinde nicht verlängert hat, sodaß die ordnungsgemäßen Befugnisse des Gemeindevorstandes wiederhergestellt sind. — Schließlich darf gesagt werden: auch im geistigen Leben fehlt es glücklicherweise nicht an Leistungen. Die Jüdische Buchvereinigung kündigt das Erscheinen des zweiten Bandes der neuen Bibelübersetzung an; außerdem bringt sie Professor Ismar Eibogens lang erwartete „Geschichte der Juden in Deutschland“ heraus. — Der „Vortrupp-Verlag“ bringt einen Auswahlband bisher unveröffentlichter Schriften aus dem Nachlaß von Ludwig Steinheim, ferner einen Band Lyrik des jüngst verstorbenen Dichters Georg A. Goldschlag und eine „Praktische Judentumskunde“ von Leo Hirsch. — Unter die kulturellen Leistungen muß man auch die vielbesprochene Aufführung von Richard Beer-Hofmanns „Jaäkobs Traum“ rechnen, die der „Kulturbund Deutscher Juden“ in Berlin herausgebracht hat. — Und, womit für heute die Chronik schließen mag —: der Ausbau des jüdischen Schulwerks schreitet fort. In Berlin hat der „Bildungsverein deutscher Juden“ eine Volksschule spezifisch deutschjüdischer Prägung ins Leben gerufen; und in Düsseldorf errichtet die jüdische Gemeinde zum 1. April ebenfalls eine Volksschule. — So schließt sich der Ring —: in Max Liebermann hat einer unserer größten Kulturträger uns verlassen; doch streuen wir neue Saat und schreiten, ewig jung und rüstig, in die Zukunft. Anschluß außerpreußischer Gebietsteile an den Preußischen Landesverband Seit langer Zeit war es infolge der Entwicklung der allgemeinen Verhältnisse erkennbar, daß der Landesverband seine segensvolle Tätigkeit als Lastenausgleichstelle für die Dauer nicht auf Preußen würde beschränken können. Zwar bestehen in allen deutschen Ländern Landesverbände jüdischer Gemeinden, die, in Aufbau und Organisation dem Preußenverbande mehr oder minder ähnlich, gleich diesem die Hauptaufgabe haben, die. Zuschußbedürftigen mittleren und kleinen Gemeinden lebens- und arbeitsfähig zu erhalten. Es liegt aber auf der /Hand, daß der hierfür notwendige Aufwand an organisatorischem Apparat und an Kosten in den größeren Ländern im Vergleich zu Umfang und Bedeutung der durchzuführenden Aufgabe eine nur unbedeutende Rolle spielt; andrerseits ist es eine bekannte Tatsache, daß wie bei der einzelnen Gemeinde, so auch bei den Gemeindeverbänden die Unkosten durchaus nicht immer im gleichen Verhältnis mit dem Umfang der Arbeit abnehmen; und selbst abgesehen von den Unkosten, die von allen Landesverbänden auf ein Minimum beschränkt werden, ist es unrationell, in einem Lande, das z. B. im ganzen nur 1000 jüdische Seelen umfaßt, den Apparat eines eigenen Landesverbandes zu unterhalten. Es kommt hinzu, daß in einer Reihe der kleineren deutschen Länder die Hauptgemeinden infolge fortschreitenden Rückganges ihrer Seelenzahl und Steuerkraft selber zuschußbedürftig geworden sind. Die Landesverbände in diesen Gebieten können ihre Aufgaben um so weniger erfüllen, als einerseits die Anforderungen gestiegen, andrerseits die ehemaligen Staatszuschüsse in Fortfall gekommen sind. Damit ist der Gesamtheit des deutschen Judentums ein neues Problem erwachsen —: es gibt nun nicht mehr nur die — wie der technische Ausdruck lautet — „leistungsschwachen Gemeinden“ innerhalb jedes Landesverbandes, sondern es gibt auch leistungsschwache Landesverbände oder doch solche, die, an sich selbst zwar nicht notleidend, doch des starken Rückhalts einer größeren Organisation bedürfen, um bei gerade heutzutage jederzeit möglichen außergewöhnlichen Anforderungen jeder Situation gewachsen zu sein. Es war von vornherein ganz selbstverständlich, daß diese Verbände nicht weniger einen Anspruch auf Unter- Türkisch 8 ii