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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-03-01 · 3 (1.3.1935) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
3 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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’S (*. -+gu».. I V y ■ yy VW V Ornamentik der hebräischen Schrift voll ausgenutzt. Die Wucht des GlaubensbekenntisseS wird durch verstärkte und vergrößerte Schrift verbildlicht. Man fragt sich nur, wie es diesem so streng, bewußt und geschickt arbeitenden Jungen geschehen konnte, daß der Sockel, den die Schrift bildet, ihm so weit nach rechts geraten ist! Er hat das wohl empfunden und als Ausgleich seinen Namen links unten in Schrifthöhe hingeschrieben. Wie anders der Zeichner des Paradiesgartens! Keine Spur von geraden Linien, strenger Anordnung, Symmetrie! In tropischer Fülle wachsen Gräser, Kakteen und Palmen, klettern Affen, gesellen sich ihnen Bär und Löwe, ringelt sich die Schlange um den Apfelbaum. Trotz der kindlichen Primitivität in der Darstellung von Adam und Eva, die in erstaunlichem Gegensatz zu der Form der Gestalten der beiden anderen Blätter desselben Jungen steht, würde ich dieser Zeichnung von den dreien den Vorzug geben,da die „Lust am Fabulieren“ sich hier am stärksten und reinsten ausspricht. Obwohl der Junge hier gewiß nur seinem Empfinden folgte und ohne Skrupel und Hemmung (wären doch unsere erwachsenen Schüler ebenso frei davon!) seine Vorstellungen zu Papier bringt, hat er doch — oder wahrscheinlich deswegen! — das feinste Gefühl für seine Ausdrucksmittel: bisweilen arbeitet er mit der kräftigen, ausdrucksvollen Umrißlinie. Dann wieder — wie bei den Aepfeln — läßt er diese Begrenzungen weg und setzt leicht die Früchte als farbig erscheinende Flecke in den Himmelsraum. Während er in der linken Bildhälfte durch schräge Linien den Eindruck großer Bewegtheit hervorruft, bildet die Senkrechte des Apfelbaumstammes ein ruhiges Gegengewicht auf der rechten Seite. Bei der Zeichnung von Moses sehen wir mit S>taunen, wie der Zehnjährige schon das Räumliche eines Berges wiedergeben kann, und zwar nur mit der abstrakten Linie, und wie er durch den bewegten schraffierenden Strich den. Weltenraum, die Luft der Unendlichkeit auszudrückeu sucht, durch die die Strahlen der Sonne, die Stimme des Herrn zu Moses dringen. Die Landschaft um Jakob und den Engel zeigt wieder das lebendige Arbeiten der Knabenphantasie; doch läßt die große Geschicklichkeit, mit der die Figuren hier gezeichnet und ihre Gebärden wiedergegeben sind, darauf schließen, daß es sich hier um eine gewiß unbewußte Erinnerung an Gesehenes handelt. Meta Cohn-Hendel. Chronik des jüdischen Lebens Wir leben in einer Zeit, die, mehr als die vorangegangene Epoche, wieder alles das in den Vordergrund jüdischen Denkens stellt, was wir jüdische. Eigenwerte und jüdische Eigeninteressen nennen müssen. Individuelle Not wirft das Individuum, Gemeirischaftsnot die Gemeinschaft auf sich selbst zurück. Gerade deshalb aber ist es aus mehr als einem Grunde bemerkenswert, daß nicht nur von den deutschen Juden, sondern zweifellos von den Juden aller Länder als das stärkste jüdische Ereignis des hinter uns liegenden Monats der Tod Max Liebermanns empfunden wird, eines Mannes also, der sich zwar stets mit Stolz zum Judentum bekannte, dessen Schaffen aber niemals jüdischen Stoffen zugewandt war. Wir müssen es hinnehmen, daß unter den heutigen Verhältnissen in den Nekrologen mancher Blätter seine Kunst als undeutseh bezeichnet wird und daß andere Blätter die Judeneigenschaft Liebermanns mit schamhaftem 'Stillschweigen übergehen; es muß uns heute schon genügen, daß eigentlich in jedem der vielen Nachrufe, sofern es sich um solche von Niveau handelt, selbst dort, wo sie ablehnen, mit Achtung von dem hohen Ethos Liebermanns gesprochen wird. Theodor Heuß z. B. schreibt in der „Hilfe“, Liebermann werde ins Bewußtsein der Deutschen eingehen als Bildnismaler und Darsteller des einfachen Lebens im Dorf, an der See; er sei der repräsentative Darsteller einer Generation gewesen, -• , ■>*

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