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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-03-01 · 3 (1.3.1935) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
3 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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gedruckten Haushaltsplan 1934/35 verabschiedet. — Im Laufe des Geschäftsjahres konnte die gerade in heutiger Zeit besonders notwendige finanzielle Konsolidierung des Landesverbandes weitergeführt werden. Diese gesunde Finanzpolitik stellt eine wesentliche Garantie für die weitere Erfüllung der Landesverbandsaufgaben dar. Die weitaus überwiegende Zahl unserer Mitgliedsgemeinden hat hierbei durch willige Erfüllung ihrer Beitragsverpflichtungen mitgeholfen. Leider konnte es aber auch in diesem Berichtsjahr nicht vermieden werden, daß manche Gemeinden, besonders einige noch durchaus leistungsfähige Mittelgemeinden, erst durch sehr nachdrückliche Mittel zum Bewußtsein ihrer Pflichten gegenüber der jüdischen Gesamtheit gebracht werden mußten. Wir sind überzeugt, es werden in der Zukunft allmählich alle Gemeinden einsehen, daß sie über die Grenzen ihres eigenen Bezirks hinaus heute mehr als je unbedingt an den Gesamtaufgaben des Judentums tatkräftig mitwirken müssen und daß der Beitrag an den Landesverband eine der wichtigsten, wenn nicht d i e wichtigste Ausdrucksform dieser Gesamtarbeit ist. In personeller Hinsicht sind durch die allgemeinen Verhältnisse, aber leider auch infolge einiger Todesfälle, erhebliche Veränderungen in unseren Gremien eingetreten. Aus dem Dezernentenkollegium sind infolge Fortzuges Dr. Sandler und Frl. Dr. Berent ausgeschieden; andererseits ist, wie bereits oben in dem Bericht über die Schulverwaltungsangelegenheiten erwähnt, der Schuldezernent des Berliner Gemeindevorstandes, Herr Direktor Dr. Walter Alexander, ständig bei allen Sitzungen des Dezernentenkollegiums anwesend. Der Große Rat hat durch den Tod die Herren Naftali Fromm (Frankfurt a. M.) und Emil Waldstein (Breslau) verloren; ihr Mandat niedergelegt haben Geh. Justizrat Goldfeld (Breslau) und S. Schocken (Berlin). Als ordentliche Ratsmitglieder neu eingetreten sind Stadtrat a. D. Georg Less (Breslau), I. L. Goitein (Frankfurt a. M.) und Dr. Fritz Ollendorff (Berlin). Rabbiner Dr. Emil Levy (Berlin), der in den Engeren Rat gewählt worden war, hat inzwischen wegen Fortzuges sein Mandat niedergelegt. — Der Verbandstag hat durch Mandatsniederlegung wegen Fortzuges seine beiden Vizepräsidenten, Rechtsanwalt Kollenscher (Berlin) Direktor Hermann Marx (Königsberg), eingebüßt; aus dem gleichen Grunde sowie infolge von Todesfällen ist eine Reihe von Abgeordneten ausgeschieden; die hierdurch sowie durch das Aufrücken der entsprechenden Ersatzmänner innerhalb des Verbandstages eingetretenen Veränderungen sind in unserem Gemeindeblatt fortlaufend veröffentlicht worden.. Zusammenfassend darf gesagt werden, daß — wie schon in der Einleitung dieses Berichtes betont — der Landesverband nichts weniger als eine bloße Abwicklungsstelle ist, sondern daß seine auf den früheren Arbeitsgebieten erheblich gesteigerte und auf die von ihm völlig neu erschlossenen Arbeitsgebiete erweiterte Tätigkeit im Gesamtbilde des Neuaufbaus der deutschen Judenheit garnicht entbehrt werden kann. Neben die bei anderen Stellen konzentrierte Arbeit für den wirtschaftlichen Wiederaufbau und für die Zukunft der heranwachsenden Generation und neben die Wahrnehmung der politischen Interessen der deutschen Juden tritt als eine Leistung von mindestens ebenbürtigem Range die Erhaltung der jüdischen Gemeinden. Mehr als je besteht unterschiedslos bei allen Stellen und Menschen, die als Führerkörperschaften oder als Führerpersönlichkeiten Verantwortung für das Schicksal der deutschen Juden tragen, Klarheit, daß es ein Judentum nicht geben kann und wird, wenn nicht, zugleich mit der Existenzsicherung der Einzelnen, jüdische Gemeinden als die Träger und Zentren des Judentums vorhanden sind. Jüdische Schulkinder zeichnen Vor uns liegen drei Zeichnungen eines zehnjährigen und eine Zeichnung eines zwölfjährigen Knaben. Wenn schon die Handschrift in ihrer Anordnung, in ihrem Aus- <*» Ar« druck viel verrät von der Psyche des Schreibenden, wieviel stärkere Aufschlüsse noch können wir hier empfangen! Wieviel mehr verraten diese Bilder von der Seele des Zehnjährigen, der nur seiner Vorstellungskraft folgt, die Sichtbarmachung seiner inneren Anschaungswelt erstrebt und mit dem Schwarz-Weiß der Zeichnung die Erlebnisse begleitet, die ihm die biblische Geschichte bereitet hat! Bei ihm ist fraglos die freie Vorstellung der Ausgangspunkt, däs eigene Ausbauen des nur phantasiemäßig Gesehenen die Hauptveranlagung — im Gegensatz zu dem zwei Jahre älteren Harry G., bei dem die Eindrücke der Wirklichkeit, die Erlebnisse im Tempel für seinen Gestaltungswunsch bestimmend wurden. Seine Beobachtungsgabe ist so groß, seine Aufmerksamkeit so konkret, daß wir aus der Haltung der drei Gestalten ihre Funktionen ablesen können: der Rabbiner steht nicht nur in der Mitte, sonderh vor den beiden anderen. Der Balbos tritt ganz zurück, während der Vorbeter fast auf einer Ebene mit dem Rabbiner steht. Hand in Hand mit dieser realistischen Auffassung geht ein starker Sinn für das Lineare, das Ornamentale. Das Ganze ist streng symmetrisch aufgebaut, die herrliche L*.-. ' *JK», ■jjkjtsv-'.. - - >röa*, 8

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