Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 3 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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scher Kultur zu bringen, die Künstler, uni durch erlesene Darbietungen (Musik, Gesang, Rezitation) jüdisches Kunstschaffen den Hörern zum Herzenserlebnis zu machen. Der Landesverband hat bei den bisher besuchten über 150 Gemeinden begeisterte Zustimmung gefunden. Die Gemeinden haben fast überall ihre Gotteshäuser für diese Veranstaltungen zur Verfügung gestellt und durch Ansprachen des Vorsitzenden oder des Rabbiners der Veranstaltung ein offizielles Gepräge gegeben. Fast überall wurden auch die Menschen aus den Nachbargemeinden zu diesen Kulturveranstaltungen eingeladen und sind diesem Ruf mit großer Freude gefolgt. Eine Berechnung hat ergeben, daß der Landesverband auf diese Weise zu mehr als 20 000 Menschen unmittelbar gesprochen hat. Hierin allein liegt schon ein Maßstab für die Bewertung dieser Neueinrichtung. Zugleich ist durch sie noch eine soziale Nebenwirkung erzielt worden: diese Kulturfahrten, an deren Zustandekommen der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau sich dankenswerterweise maßgebend beteiligt hat, haben jüdischen Künstlern zur Erhaltung ihrer Existenz verholfen. In ähnlicher Weise wie die Kulturfahrten, jedoch mit gänzlich anderem Zweck, hat der Landesverband Gemeindeabende' in den Großgemeinden veranstaltet. Schon zu Anfang dieses Berichtes wurde darauf hingewiesen, daß die Großgemeinden als die wirtschaftlichen Träger des Landesverbandes volles Verständnis für die den zuschußbedürftigen Gemeinden gegenüber zu erfüllenden Aufgaben bewiesen haben. Die Opfer, die die Großgemeinden hierfür freudig bringen, ließen es geboten erscheinen, auch hier die Gemeindemitglieder, die ja indirekt zu den Lasten des Landesverbandes beitragen, durch persönliche Berichterstattung in unmittelbarste Beziehung zur Landesverbandsarbeit zu bringen und bei dieser Gelegenheit die Glaubensgenossen der Großstadt mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben sowie mit der seelischen Situation der Glaubensbrüder auf dem Lande oder in den kleinen Städten vertraut zu machen. Auch diese Gemeindeabende haben in den Synagogen stattgefunden, sie wurden bisher in Berlin, Königsberg, Düsseldorf und Gelsenkirchen abgehalten und sollen noch weiter fortgesetzt werden. Auch mit dieser Arbeit ist der Landesverband mit mehreren Tausend Menschen in unmittelbare Berührung getreten. Das Gleiche ist der Fall bei einer weiteren Neueinrichtung, die wiederum der kulturellen Versorgung der Juden im Lande dient, nämlich bei der in den letzten Monaten vom Landesverband geschaffenen Wanderbibliothek. Sie enthält in bisher über 1000 Bänden Werke jüdischen Inhalts und jüdischer Autoren, vermittelt also einerseits jüdisches Wissen und versorgt andererseits das jüdische Publikum mit guter Literatur. Es konnten bereits in verschiedenen Landesteilen Bezirksstellen 'eingerichtet werden, sodaß diese Einrichtung allmählich überall in den Gebieten des Landesverbandes wirksam werden und dem in den kleinen und Mittelgemeinden bestehenden Hunger nach guter jüdischer Lektüre abhelfen kann. Auch hier ist das andere Ziel miterreicht: jedes Buch, das in die Hand der jüdischen Leser gerät, ist Eigentum des Landesverbandes, der also auch hiermit direkt an die einzelnen Menschen im Lande herantritt. Dem gleichen, oben gekennzeichneten Doppelziel dient der im Mai vorigen Jahres vollzogene Ausbau unseres Verwaltungsblattes zu einem regelmäßig monatlich erscheinenden Gemeindeblatt. Aehnlich wie bei Gemeindeblättern der Großgemeinden ist durch genaue Festlegung der redaktionellen Gestaltung dafür gesorgt, daß das Blatt in keiner Weise der großen, im jüdischen Leben unentbehrlichen jüdischen Presse Konkurrenz macht. Anderseits war es nötig, neben der bereits im früheren „Verwaltungsblatt1erfolgten und auch jetzt noch, fortgesetzten regelmäßigen Veröffentlichung der offiziellen Landesverbandsnachrichten, für diejenigen Gemeinden, dje ein eigenes Gemeindeblatt nicht besitzen, ein solches?u schaffen. Unser Blatt hat in seiner neuen Gestalt überall sehr erfreuliche Zustimmung gefunden; einige Mittelgemeinden haben das Blatt für ihre sämtlichen Gemeindemitglieder bestellt, sodaß ermöglicht werden konnte, für jede dieser Gemeinden ohne Mehrkosten eine Sonderausgabe herauszugeben, die außer dem vollen Text der Hauptausgabe eine Beilage mit Ortsnachrichten enthält. Weitere Gemeinden sollen zu einem derartigen Sammelbezug für alle ihre Gemeindeniitglieder gewonnen werden. Die Vorstände aller unserer Mitgliedsgemeinden, vor allem auch unsere Batsmitglieder und Abgeordneten werden an dieser Stelle eindringlich gebeten, uns beim weiteren Ausbau unseres Gemeindeblattes dadurch zu unterstützen, daß sie bei allen sich bietenden Gelegenheiten für den Bezug und, soweit tunlich, für die Benutzung unseres Inseratenteils werben. Bei Aufzählung der kulturellen Arbeiten ist noch diejenige einer Musikkommission zu erwähnen. In dem Bestreben, die Feierlichkeit des Sabbathgottesdienstes durch musikalische Ausgestaltung zu erhöhen, ist diese Kommission dabei, eine musikalische Liturgie herzustellen, in der der Gemeindegesang eine besondere Berücksichtigung erfahren soll. Es sind zu diesem Zwecke insbesondere Wechselgesänge zwischen Vorbeter und Gemeinde ausgewählt, die auf alte traditionelle Weisen zurückgehen. Abgesehen voü dem Ziele, eine stärkere Aktivierung der Gemeinde zu erreichen, soll durch die neue Gestaltung auch auf die Jugend eine größere Anziehungskraft ausgeübt werden, um sie, soweit sie von dem Schulbesuch befreit' ist, an den Sabbalhvoriiiittugeii der Synagoge mehr als bisher zuzuführen. Der Landesverband stellt sich hierdurch in den Dienst der allgemeinen Bewegung zur Wiederbelebung des Sabbaths. Es muß ferner erwähnt werden, daß der Landesverband wie alljährlich so auch in der Berichtszeit die Arbeiten des Gesamtarchivs der deutschen Juden erheblich gefördert hat. Wie aus mehreren im Verlauf des letzten Jahres in unserem Gemeindeblatt erschienenen Berichten hervorgeht, haben auch die Provinzlaiverbände eine erhebliche Steigerung und Erweiterung ihrer Arbeiten aufzuweisen. Es erfüllt uns mit Befriedigung, daß in allen veröffentlichten Berichten die wertvolle Beratung und Unterstützung, die der Landesverband den Provinzialverbänden angedeihen ließ, von diesen anerkannt wird. — In ähnlicher Weise wie den Provinzialverbänden haben wir uns zu einem besonderem Zwecke auch der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt und auf deren Wunsch für diejenigen Vorortsbezirke, die rechtlich zwar zum Bezirk der Berliner Jüdischen Gemeinde gehören, in ihren tatsächlichen Verhältnissen aber durchaus provinzielles Gepräge tragen, die Betreuungsstelle für die Berliner Vorortbezirke beim Landesverband gebildet. Die Stelle hat regelmäßige Beratungsstunden eingerichtet, veranstaltet Gemeindeabende und sucht, in den Vororten religiöse Mittelpunkte für regelmäßige Gottesdienste, Jugendnachmittage und dgl. zU schaffen. Aus der Verwaltung des Landesverbandes ist vor allem zu berichten, daß mit Rücksicht auf die außerordentlich hohen Kosten, auch in diesem Jahre von einer Einberufung des Verbandstages Abstand genommen worden ist. Die erforderliche Sicherung für die Fortführung der Landesverbandstätigkeit wurde dadurch erreicht, daß der Große Rat, der am 24. Juni 1934 tagte, das Dezernentenkollegium ermächtigt hat, von einer Vorlage des Haushaltsplans an “den Verbandstag abzusehen. Gleichzeitig hat der Große Rat den in der Augustnummer unseres Verwaltungsblattes ab- 7