Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 3 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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zwischen ebenfalls zu einem positiven Ergebnis geführt haben. — Ueber den auch formell bereits durchgeführten Anschluß der thüringischen Gemeinden und des Thüringischen Landesverbandes, der am 17. Februar in Eisenach vollzogen wurde, wird an anderer Stelle dieses Blattes ausführlich das Nähere veröffentlicht. — Schließlich sind die Arbeiten für die Wiedereingliederung der Synagogengemeinden des Saargebietes durch persönliche Verhandlungen in Saarbrücken im Laufe des Monats Januar so weit gefördert worden, daß die Gemeinde Saarbrücken, als die größte und führende Gemeinde des Bezirks, den Beitritt zum Preußischen Landesverband bereits erklärt hat. Während der Niederschrift dieser Zeilen liegen die Dinge so, daß für Sonntag, den 24. Februar, eine Tagung der saarländischen Gemeinden in Aussicht genommen ist, auf der der endgültige Anschluß aller Synagogengemeinden des Saargebietes an den Preußenverband vollzogen werden soll. — Mit einer Reihe anderer .Verbände wird zurzeit die Fühlungnahme angebahnt, so daß Näheres hier noch nicht mitgeteilt werden kann. Der Landesverband hat durch die Angliederung der genannten Gebiete gezeigt, daß er bereit ist, erhebliche Opfer zu bringen, wenn es gilt, durch den starken Rückhalt seiner großen Organisation den Zerfall der leistungsschwach gewordenen kleinen Verbände zu verhindern und für die Erhaltung der jüdischen Gemeinden auch außerhalb Preußens zu sorgen. Die Erhaltung der leistungsschwachen Gemeinden ist denn auch unverändert die Hauptaufgabe des Landesverbandes. Hierin wurde er durch die seitens des Preußischen Staates gezahlten Beihilfen in früheren Jahren sehr wesentlich unterstützt. Nachdem diese Leistungen des Staates, die noch im Jahre 1931 sich auf fast 600 000 RM. für die preußischen Synagogengemeinden belaufen haben, seit April 1933 eingestellt sind, hat der Landesverband die außerordentlich schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe gehabt, diesen gewaltigen Ausfall aus eigenen Kräften so gut wie nur möglich zu überwinden und den notwendigen Lastenausgleich zwischen den noch leistungsfähigen und den Zuscbußgemeinden durchzuführen. Es kann dankbar festgestellt werden, daß die Großgemeinden die ihnen hieraus erwachsende Verpflichtung erkannt und in großzügiger Weise erfüllt haben. Bereits in unserem Gemeindebiatt vom 1. August 1934 ist eine Uebersicht über die Leistungen auf diesem Gebiete für das Geschäftsjahr 1933/34 gegeben worden. Seit dem 1. April 1934 haben sich die Anforderungen an den Landesverband noch erhöht. In den drei Vierteljahren bis zum 31. Dezember sind bereits 124 333,70 RM. für den direkten Lastenausgleich verwandt worden. Die Verteilung auf die einzelnen Provinzen ergibt sich aus der folgenden Uebersicht. Beihilfen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden in der Zeit vom 1. 4. bis 3. 12. 1934 Zahl der bedachten Gemeinden und Gesamtbetrag jv.H.der Provinz unter 50 Seelen 50 -99 Seelen 100 •499 Seelen 500 Seelen und mehr Insgesamt summe Zaht Betrog RM Zahl Betrog RM Zahl Betrag RM Zahl Betrag RM Zahl Betrag RM % Ostpreußen 20 3065,— 8 3518,80 4 2 553,35 2 4 000,— 34 13157,15 10,6 . Brandenburg 5 875,— 5 3502,50 3 2 587,40 — — 13 6964,90 5,6 Pommern 6 1 205.— 6 4 395,— 6 7 473,— — — 18 ‘ 13073 — 10,5 Grenzmark 2 395,20 3 2540,15 5 2320,— — — 10 5255,35 4,2 Niederschlesien 5 774 — 2 864,88 — — 1 1 500,— 8 3138,88 2,6 Ooerschlesien! — — 4 1 919,27 — — — — 4 1 919,27 1,5 Sachsen — _ — — — — — — — — — Schleswig-Holstein — _ 3 3986,15 1 1 500,— 1 1 575,— 5 7061,15 5,7 Hannover 12 3365,10 7 . 5 202,20 8 8702,75 1 2969,45 28 20239,50 16,3 Westfalen 3 1 780.— 5 2915,— 3 2166,60 — — 11 6861,60 5,5 Reg.-Bez. Kassel 12 1 295 — 12 . 6490,— 3 990,30 — — 27 8775,30 7,1 Reg.-Bez. Wiesbaden j 7 743,— 13; 14011,— 4 2090 — — — 24 16844,— 13,5 Rneinprovinz | 11 2023,60 13 | 11 620,— 5 3700,— 2 3700,— 31 21 043,60 16,9 Insgesamt 83 15540,90; 81 | 60964,95 42 34 063,40 7 13 744,45 213 124 333,70 100,0 v.H. der Gesamtsumme % 12,5 - | 49,0 27,4 11,1 100,0 Durch sehn.-Beihilfe pro Gemeinde RM I 187,— i 752,50 811,— 1963,— 584,— Die Zahlen zeigen, daß auch im laufenden Rechnungsjahr das Schwergewicht der Arbeit auf die kleineren Gemeinden entfällt. Anderseits ist gerade in der Kategorie der Mitleigemeinden (500 Seelen und mehr) schon jetzt eine wesentliche Steigerung des Zuschußbetrages gegenüber dem Vorjahr festzustellen. Im laufenden Vierteljahr wird hier durch einige noch schwebende Bewilligungen eine weitere Erhöhung eintreten. Dies gilt ebenso für die Gemeinden zwischen 100 und 500 Seelen, für die gleichfalls bis zürn Abschluß des Etatsjahres noch ein größerer Betrag zur Verfügung gestellt werden muß. Wenn man berücksichtigt, daß die der einzelnen Gemeinde gewährte Subvention fast immer zhr Erhaltung eines größeren Lehrerbezirks dient, also tatsächlich einer ganzen Anzahl von kleinen Gemeinden zugute kommt, so kann man sagen, daß etwa 500 von den uns angeschlossenen rund 700 preußischen Gemeinden durch die Hilfe des Landesverbandes erhalten werden. Außer diesen direkt an die Gemeinden gezahlten Zuschüssen sind erhebliche Beträge auch in der Form der Beihilfen zur Pensionsversorgung der Rabbiner, Religionslehrer, Kantoren und ihrer Hinterbliebenen gezahlt worden. Bekanntlich handelt es sich hierbei einmal um solche Beamte bezw. deren Hinterbliebene, die nach dem Kriege aus Gemeinden derabgetretenen, ehemals deutschen Gebiete gekommen sind und infolge Auflösung oder völliger Leistungsunfähigkeit ihrer früheren Gemeinden von dort keine Pension bekommen, und ferner um solche, die von den kleineren oder mittleren Gemeinden, in denen sie zuletzt tätig gewesen sind, nur ungenügende, meistens auch freiwillige, Pensionszuwendungen erhalten. Im Jahre 1934/35 hat der Landesverband in dieser Weise an 66 Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren im Ruhestand und 88 Witwen (oder Waisen) solcher Beamten Beihilfen gezahlt. Von den für dieses Kapitel ausgeworfenen 95 000 RM wurden bis zum Ablauf des Kalenderjahres 1934 bereits 77 498.— RM. ausgezahlt. Die unbefriedigende Pensionsversorgung in zahlreichen Gemeinden und die daraus sich ergebenden Anforderungen an die Hilfe des Landesverbandes haben diesen aber noch vor weitere Aufgaben gestellt. Schon in den ersten Jah- 4