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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-03-01 · 3 (1.3.1935) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
3 (1.3.1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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537 erhielten sie von Kyros die Erlaubnis zur Rückkehr und zum Wiederaufbau Jerusalems, aber nur ein Teil wandert unter Serub'abel zurück; der sehr erhebliche Rest beobachtet von Persien her den Wiederaufbau der alten Heimat, unterstützt ihn finanziell und geistig. Und das wird nun zunächst das wahre Verhältnis (sehr ähnlich wie heute): die babylonisch-persische Judengemeinde ist „Mutterland“ das neue Judäa „Kolonie“. Esra und Nehemia kommen aus Persien nach Judäa, um, als die Entwicklung dort nicht den Erwartungen entspricht, Ordnung zu schaffen; nach Durchführung ihrer Aufgabe kehren sie nach Persien zurück. Dort folgt auf Kyros Kambyscs, auf ihn der Meder Darius. Xerxes, an dessen Hof zu Susa sich die Esther-Geschichte zutrug, war Herrscher des medisch-persischen Weltreichs, das von Indien bis Aethiopien reichte, „von Hodu bis Kusch“ („Mohrenland“), wie am Anfänge des Esther-Buches ebenfalls berichtet wird. Die Geschichte des ehemals babylonischen Ländergebiets ist wechselvoll; die Juden aber blieben dort wohnen; während der Makkabäerkriege und während des letzten Endkampfes mit den Römern blieben sie den palästinensischen Juden ein starker Rückhalt, materiell und geistig; der Talmud, der im 6. nachchristlichen Jahrhundert seinen Abschluß fand, stammt aus Babylon, und erst in der Mitte des siebenten nachchristlichen Jahrhunderts mußten die dortigen Juden nach der Eroberung des Landes durch den Islam der allzu harten Besteuerung in großer Schar weichen; aber das babylonische Exilarchat bestand noch bis ins neunte, das Gaonat bis ins elfte Jahrhundert. Das sind, seit dem ersten Betreten des Bodens unter Nebukadnezar, 1700 Jahre jüdischer Geschichte in Babylon, und: „in den religiösen Versammlungen der Exilzeit lag bereits der Keim der künftigen Synagoge.“ Nun weiß man, woran man ehedem wohl nur selten dachte: auch unsere heutigen jüdischen Gemeinden gehen auf die Zeit des alten babylonischen Exils zurück; seit jenen Tagen ist die Gemeinde die feste Organisationsform, das — weil überall möglicher überall vorhandene, überallhin transportable, darum auch unzerstörbare Zentrum des Judentums. Wer durch die Not unserer Zeit sein Judentum wiedergefunden oder auch nur neu gefestigt hat, der möge hieran denken. Jeder, ob „Mann aus dem Volke“ oder Vorsteher und Repräsentant, soll sich erinnern: die jüdische Gemeinde unserer Stadt ist nicht erst durch uns und nicht nur für uns da, daß wir beliebig zu ihr Ja oder Nein sagen dürften, sondern wir sind ihr verpflichtet. Seit Mardochais Tagen, der ein- Urenkel jenes unter dem König Jechonja von Nebukadnezar nach Babel gebrachten Benjaminiten Kisch gewesen, und der in dem aus den Familienältesten (Sekenim) gebildeten Rat die jüdischen Gemeindeangelegenhciten zu Susa verwaltete ... Tätigkeitsbericht _ des Preußisdien Landesverbandes jüdischer Gemeinden 15. März 1934 — 1. März 1935 Vor Beginn des denen Etatsjahres sieht sich der Landesverband veranlaßt, über seine Tätigkeit im abgelaufenen Geschäftsjahr zu berichten. Der letzte zusammenhängende Bericht ist im Jahrgang 12, Nr. 1 des Verwaltungsblattes veröffentlicht worden; er umfaßte die Zeit vom 1. Februar 1933 bis zum 15. März 1934, eine Epoche der stärksten Umwälzungen und Erschütterungen. Wenn die Lage der deutschen Juden auch heute noch in vielen Beziehungen ungeklärt und unsicher ist, so konnte doch eine Fortführung und Sichtfhng unserer Arbeit und der Ausbau einer Reihe von Arbeitsgebieten erfolgen. Mit allem Nachdruck muß betont werden, daß durch die einheitliche Zusammenfassung einzelner Aufgabengebiete bei anderen jüdischen Stellen die Arbeit des Landesverbandes — und auch die Bedeutung dieser Arbeit — keineswegs geringer geworden ist und daß es eine völlige Verkennung der Dinge bedeuten würde, wollte man den Landesverband etwa nur als eine rein formale Ausgleichs¬ und Abwicklungsstelle betrachten. Demgegenüber kann nur wiederholt werden, was auch im vorjährigen Bericht bereits gesagt worden ist —: daß durch die immer schwieriger werdende Lage der Mitgliedsgemeinden auf den alten Arbeitsgebieten des Landesverbandes eine ganz bed_eutende Steigerung seiner Tätigkeit notwendig geworden ist und daß er darüber hinaus neue Aufgaben in Angriff nehmen mußte. Der Wert, den die Landesverbandsarbeit für die jüdische Allgemeinheit und insbesondere für die Gemeinden besitzt, wird vielleicht dadurch am besten charakterisiert, daß — ein Unikum in der bisherigen Geschichte der jüdischen Verwaltungsbehörden in Deutschland —~der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden sogar einen territorialen Zuwachs erhalten hat. Der Landesverband hat es für eine seiner dringendsten Aufgaben gehalten, die Auswirkung der im Zuge befindlichen Reichsreform auf die jüdischen Verhältnisse nicht tatenlos abzuwarten, sondern seinerseits die Initiative zu ergreifen und die jüdischen Gemeinden der angrenzenden .außerpreußischen Gebietsteile in eine möglichst enge Verbindung zum Preußenverbande zu bringen. Die jüdischen Gemeinden der betreffenden Gebietsteile waren durch die wirtschaftliche Entwicklung in einem Maße notleidend geworden, daß sie ihrerseits den starken Rückhalt eines großen Verbandes anstrebten. So drängte von beiden Seiten die Lage zu schnellem Handeln. Bereits im November 1934 wurde mit den Vertretern der Jüdischen Religionsgesellschaft des Landesteils Oldenburg verhandelt. Der im Wortlaut bereits feststehende Vertrag, der den Anschluß der Jüdischen Landesgemeinde Oldenburg und der zu ihr gehörenden oldenburgischen Synagogengemeinden im einzelnen regelt, wird bei Veröffentlichung dieses Berichtes voraussichtlich schon unterzeichnet sein. — Entsprechende Verhandlungen mit den vereinigten Israelitischen Landesgemeinden von Mecklenburg - Schwerin und Mecklenburg-Strelitz sind gleichfalls eingeleitet und-dürften in- 3

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