Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 2 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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BitfltfesftCCCÜÜHQCtl „Handwerk im Judentum“, ein Budi von Louis Wolff In den letzten Tagen des vorigen Jahres fand in Berlin, in der Synagoge Prinzregentenstraße eine bedeutungsvolle Feier statt, und es war mehr als nur die übliche Höflichkeit, daß der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden sich dort durch seinen Präsidenten, Herrn Kammergerichtsrat Leo Wolff, vertreten ließ. Denn bei der Fürsorge, die der Landesverband allen Glaubensgenossen zuwendet, ist ihm die Bedeutung des Mittelstandes, und von ihm insbesondere des Handwerkerstandes, stets bewußt gewesen. So fühlte sich der Landesverband innerlich und äußerlich beteiligt, als an jenem Dezembermorgen der erste Verein selbständiger jüdischer Handwerksmeister sein 40jähriges Jubiläum feierte; es war zugleich das 25jährige Jubiläum, das Louis Wolff als Vorsitzender dieses Vereins feiern konnte. Die Krönung dieser Feier aber bestand nicht in zwar schwungvollen, aber doch vergänglichen Reden, sondern in etwas Bleibendem und Nutzbringendem: der Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands hat der Oeffentlichkeit ein Buch übergeben, das — mit einem Geleitwort von Wilhelm Marcus und in einer von Dr. Herbert Kahn geschaffenen Zusammenfassung — Reden und Schriften von Louis Wolff enthält und damit den Verlauf eines nunmehr zu einem gewissen Abschluß gelangten 40jährigen Kampfes um die Anerkennung des Handwerkers unter den jüdischen Glaubensgenossen schildert. Vier Jahrzehnte haben die Führer der organisierten jüdischen Handwerker vor den Gefahren einer falschen Berufsstruktur gewarnt; darüber hinaus haben sie durch organisierte Selbsthilfe an der wirtschaftlichen Gesundung, an der sozialen Gleichachtung und an der kulturellen Hebung ihres Standes gearbeitet. Heute nun ist das Handwerk in den Mittelpunkt aUer Maßnahmen zur Umgestaltung der Wirtschafts- und Berufsstruktur der deutschen Juden gerückt und wird zukünftig noch mehr als bisher zum entscheidenden Träger der deutschen Judenheib Jeder jüdische Handwerker und jeder, der es werden will, aber auch jeder, der sich mit jüdischen Wirtschaftsfragen befaßt, muß dieses Buch gelesen haben. (96 Seiten, RM. 1,15 einschl. Porto; zu beziehen durch die Geschäftsstelle des jüdischen Handwerkerverbandes, Berlin W 50, Nachodstraße 8.) —tz. Hermann Sinshcimcr: „Maria Nunnez“ In der jüdischen Literatur unserer Tage nimmt Hermann Sinsheimers „Maria Nunnez“ (erschienen imPhilo-Verlag) eine ganz eigene Stellung ein. „Eine jüdische Ueöerlieferung“ nennt Sinsheimer seine Erzählung, welche die erste Besiedlung der Stadt Amsterdam durch die vor der spanisch-portugiesischen Kalender für Februar Freitag Sonnabend »4 44 1 2 Schwat 28 - Sonntag Montag Dienstag Mittwodi Donnerstag Freitag Sonnabend 9 44 44 94 » 9 3 4 5 6 7 8 9 Adar 9 44 n 9 30 1 1. Tag Neumond 2 a. „ 3 4 5 6 Therumoh Sonntag w 10 7 Montag 44 11 44 8 Dienstag 12 9 Mittwoch 13 10 Donnerstag n 14 ♦4 11 Freitag 15 12 Sonnabend 16 9 13 Thezaweh Sonntag 17 44 14 Montag n 18 4t 15 Dienstag M 19 44 16 Mittwodi 20 17 Donnerstag 44 21 18 Freitag 22 19 Sonnabend 23 . 20 Kl sziszoh Sonntag 24 n 21 Montag 9 26 22 Dienstag «1 25 23 Mittwodi 27 24 Donnerstag 44 28 •t 25 Inquisition geflohenen Marranen behandelt. Aber wie jede wahrhaft schöne und echte Erzählung ist auch diese mehr als nur das, nämlich: ein Gleichnis, ein Vorbild, eine Mahnung für die Lebenden. „Immer ist Wüste, immer ist Mannah, immer ist der große Gott, unser Herr, in seiner leuchtenden Wolke da, wo Juden wandern“, schreibt Sinsheimer einmal. Diese Stelle könnte man als Motto über das ganze Buch setzen. Das jüdische Schicksal ist sich durch fast zwei Jahrtausende hindurch gleich geblieben. Immer aufs Neue: Flucht. Schrecken, Heimatlosigkeit, Entwurzelung. Aber auch: Neuer Beginn, neue Hoffnung, neuer Aufbau. So erkennen auch wir heutigen Juden uns in der Geschichte der Maria Nunez wieder, dieses spanischen Judenmädchens mit dem heißen, tapferen Herzen, das auf das hohe Meer hinausfuhr, um das ersehnte Land der religiösen Gewissensfreiheit zu finden. Wir erkennen uns wieder in ihrem unbeugsamen Stolze, in ihrem / Wissen um das Unausweichliche des jüdischen Schicksals, in \ ihrer Bereitschaft, dieses Schicksal bis zum Letzten durchzuleben, ohne auch nur einen Bruchteil ihres Eigenwesens aufzugeben. Und wir fühlen, eine wie große Verpflichtung uns aus der Geschichte unseres Volkes, aus der Geschichte besonders der spanischen Juden erwächst. H. C-r. Amtlicher Teil Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden an die Juden des Saarlandes Anläßlich des Ergebnisses der Saarabstimmung hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden an die Synagogenj-Gemeinde Vin Saarbrücken ein Schreiben gerichtet, in: dem die Wiederaufnahme der früheren Verhandlungen wegen Eintritt der saarländischen Gemeinden in den Preußischen Landesverband angeregt wird. In diesem Schreiben wir«! die Wiedereingliederung des Saarlandes in dem folgenden Passus gewürdigt: „Wir grüßen die jüdischen Brüder und Schwestern an der Saar bei ihrer Rückkehr in unsere gemeinsame deutsche Heimat und übermitteln gleichzeitig im Namen der preußischen Synagogengemeinden, die in unserem Verbände zusammengeschlossen sind, ihnen aus diesem Anlaß unsere herzlichsten Glückwünsche. Nachdem der Druck der Ungewißheit von ihnen genommen ist, wird auch in den jüdischen Gemeinden des Saarlandes der Weg zu segensreicher Entwicklung frei sein.“ Außerdem hat die Reichsvertretung der deutschen Juden an die jüdischen Gemeinden des Saargebietes folgendes Schreiben gerichtet: Nach 15 Jahren der Trennung ist die Saar zu Deutschland zurückgekehrt. In geschichtlicher Stunde entbieten wir den jüdischen Gemeinden im Saarlande ein Wort herzlicher Verbundenheit Ihr seid jetzt wieder mit uns zusammengeschlossen und wir mit Euch. Gemeinsam ist uns wieder unser Schicksal, gemeinsam Arbeit, Sorge und Aufgabe. Pflichten sind Euch neu gesteüt; wir teilen sie mit Euch. Gegenseitig wird unsere Hilfe sein. Dem Gebot und der Hoffnung unseres deutschen Judentums treu werden wir Zusammenhalten. Die Reichsvertretüng der deutschen Juden gez. B a e c k.