Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 1 (1.1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der neue Präsident des Da-nziaer Senats hat in einer im dortigen Volkstag gehaltenen Rede erklärt, jeder anständige Mensch in der Freien Stadt Danzig stehe unter dem Schutze des Staates und seiner Autorität. Für die Regierung und ihre Organe werde es, getreu dem Buchstaben der Verfassung, keinen Unterschied in Bezug auf Beruf, Glauben, Rasse und Nation' geben. Königin Wilhelmine von Hollrind hat in einem Schreiben an die Amsterdamer jüdische Gemeinde ihr Mitgefühl aus Anlaß des Ablebens des Oberrabbiners Onderwijzer zum Ausdruck gebracht.. Der Führer der türkischen Juden, Dr. Tchipront, äußerte einem Berichterstatter gegenüber seine Genugtuung über die_ Grundsätze der Rechtsgleichheit aller Bürger, die das gegenwärtige Regime allen Bewohnern des Landes bringe. Wie alle Landeskinder werden nunmehr auch die Juden Namen türkischen Ursprungs zu wählen haben. Die Juden werden dies mit Freuden tun „und sich immer mehr dem türkischen Volk assimilieren. — Neuerdings hat auch die Bewegung, die die hebräische Gebetssprache in der Synagoge zugunsten der türkischen zwangsweise verdrängen will, an Umfang zugenommen. Amtlicher Teil Ministerialerlass über die Wahlen zu den jüdischen Repräsentanten-Versammlungen Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Nr. VI B 8745/3060. Berlin NW 40, den 24. November 1934. Königsplatz 6. An die Landesregierungen (für Preußen: an den Herrn Ministerpräsidenten und den Herrn Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung). Betrifft: Wahl zu den jüdischen Repräsentanten-Versammlungen. Im Nachgang zu meinem Schreiben vom 12. Juni 1934 — III 7060/15. 5.— Mein oben genanntes Rundschreiben vom 12. Juni 1934 hatte bezweckt, eine Aenderung der staatlichen Gesetzgebung, die die Wahl zu den jüdischen Repräsentanten-Versammlungen betrifft, im gegenwärtigen Zeitpunkt zu vermeiden. Wo nach dem geltenden staatlichen Recht oder nach geltender staatlicher Rechtsübung den jüdischen Kultusgemeinden die Möglichkeit gegeben ist, die Wahl zu den Repräsentanten-Versammlungen mit der Maßgabe zu regeln, daß diese Beschlüsse der Genehmigung der Staatsbehörden bedürfen, will ich keine Einwendungen dagegen erheben, daß die Kultusgemeinden über diesen Gegenstand beschließen. Ich stelle es in das Ermessen der Staatsbehörden, ob sie unter Würdigung der örtlichen Verhältnisse und nach der besonderen Lage des Einzelfalles eine Genehmigung der auf eine Verschiebung der Wahl gerichteten Beschlüsse für begründet halten. Berlin, den 24. November 1934. Abschrift zur gefl. Kenntnis. IVn Auftrag: gez. Dr. Buttmann. Beglaubigt: gez. Cuno, Ministerialkanzleisekretär. An die Reichsvertretung der deutschen Juden in Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158. Zwei Jubilare Am 14.Dezember wurde M.Steinhardt 70 Jahre alt. Sein Name ist mit der Gemeinde Magdeburg eng verknüpft, wo er jahrzehntelang als Lehrer wirkte und in der jüdischen Jugendbewegung eine große Wirksamkeit entfaltete. Ueber die Grenzen seiner Gemeinde hinaus aber betätigte er sich auf dem Gebiet der jüdischen Schul- und Beamten- — Politik. Als Mitbegründer des „Jüdischen Lehrerverbandes“* und Schriftleiter seines Verbandsorgans war er einer der hervorragendsten Vertreter der geistigen und wirtschaftlichen Interessen unserer jüdischen Lehrerschaft. Diese Tätigkeit führte ihn auch in die Körperschaften des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, dem er als Ratsmitglied und Mitglied mehrerer Fachkommissionen angehört. Der Dank für seine verantwortungsschwere Arbeit und die besten Wünsche für die Zukunft seien ihm auch an dieser Stelle dargebracht. * Justizrat Arthur Kochmann - Gleiwitz — das ist kein Name, sondern ein Begriff. Obwohl er seine Wirksamkeit in ebenso bewußter wie kluger Beschränkung stets auf Oberschlesien konzentriert hat, kennt man ihn doch weithin außerhalb der Grenzen seiner Heimatprovinz. Geborener Gleiwitzer, ließ er sich 1900 als junger Anwalt in seiner Vaterstadt nieder und stellte seine Fähigkeiten von Anfang an in den Dienst allgemeiner und jüdischer Interessen. Viele Jahre hindurch war er Stadtverordneter. , Während der Oberschlesien-Abstimmung trat er unter großen persönlichen Opfern für das Verbleiben seiner Heimatporvinz bei Deutschland ein. Der von ihm und einigen seiner Freunde entfalteten Initiative ist es auch zu danken, daß heute den Juden im oberschlesischen ehemaligen Abstimmungsgebiet gewisse Erleichterungen gewährt sind. Als Vorsitzender der Synagogen-Gemeinde Gleiwitz und des oberschlesischen Provinzialverbandes ist er gleichsam der Wortführer aller oberschlesischen Juden geworden; daß er in dieser Eigenschaft von den Gemeinden seines Bezirks in den Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden entsandt wurde, war eine Selbstverständlichkeit. Sein nunmehriger 70. Geburtstag gibt uns willkommenen Anlaß, ihm für alle seine selbstlose und unentbehrliche Arbeit zu danken. Daß er dieser Arbeit zu allgemeinem Segen und zu eigener Befriedigung noch lange erhalten bleibe, ist der Wunsch, den wird ihm an seinem Ehrentage darbringen. Rabbinerabschied in Prenzlau In Prenzlau fand ein Festakt für den scheidenden Herrn Rabbiner Dr. Bähr satt, an dem die ganze dortige Gemeinde Anteil nahm. Aus Berlin waren für den Preußischen Landesverband dessen Vizepräsident Dr. Alfred Klee und die Gemeinderabbiner Dr. Salomonski und Dr. Freier, für das Rabbinerseminar Herr Dozent Dr. Auerbach erschienen. Das Nachbarrabbinat vertrat Herr Dr. Jampel, der leider kurze Tage danach verstorben ist. Der Vorsitzende der Gemeinde Prenzlau, Herr Dr. Liebrecht, nahgp in ergreifenden Worten von dem treubewährten Seelsorger Abschied, der über 49 Jahre seine Kraft der Synagogengemeinde Prenzlau geweiht hat. Darauf folgten als weitere Redner die obengenannten Persönlichkeiten. Gebet und Gesang umrankten die Feier, die dem Nestor der deutschen Rabbiner ehrliche Huldigung und aufrichtige Wünsche für seinen Lebensabend darbot. Lehrerfortbildung Im Rahmen der vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden und der Reichsvertretung der deutschen Juden unter Federführung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden organisierten Lehrerfortbildung findet die erste der pädagogischen Arbeitstagungen in der Zeit vom 1.—4. Januar 1935 in Essen für die Lehrer des rheinisch-westfälischen Bezirks statt. Der Plan sieht vor: Dr. Fritz Bamberger-Berlin, Leiter der jüd. Lehrerbildungsanstalt — Maimonides. Dr. Hugo Hahn-Essen, Rabbiner — Esra und die Begründung des Judentums. Dr. Erich Klibansky-Köln, Schuldirektor — Bialiks Gedicht „Segen des Volkes“ (Analyse und unterrichtliche Verwendung). Dr. Erich Klibansky-Köln, Schuldirektor — Der synoptische Aufbau des Geschichtsunterrichts an der jüdischen Schule. Dr. Kurt Levy-Köln — Methodische Fragen des hebräischen Sprachunterrichts. Prof. Dr. Selma Mey.er-Düsseldorf, Dozentin — Besonderheiten der 9