Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 13 (1935)
- Issue
- 1 (1.1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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aus seinen Schilderungen dem Leser das Bewußtsein zuwächst: ob An- oder Aussiedelung — immer ist mit den Juden der heilige Gott und der heilige Glaube an ihn. Dieser Gott und dieser Glaube sind der feste, nie wankende Boden, der dem seßhaften oder wandernden Juden den Halt und die Zuversicht in die Zukunft gibt. Gerson Stern entfaltet erst im zweiten Teil die volle. < Freiheit dichterischer Gestaltung — dort nämlich, wo er aus der Vielstimmigkeit des jüdischen Geistes den Reichtum von Lebensbildern und eines Weltbildes gewinnt, dort wo er mit dem jüdischen Leid (durch falsche Anschuldigungen und Pogrome) auch den jüdischen Mut, die Gottseligkeit und Gottbesessenheit der V’erfolgten zu einer tragischen Apotheose vereinen kann. Das Schönste an dem Buch ist die Fülle der jüdischen Gesichter und Gesichte, ist die fast randlose Häufung von jüdischer Physiognomie, Tradition und Weisheit. Daraus entsteht für den Leser Begriff und Anschauung von der inneren und unverlierbaren Macht des jüdischen Daseins. Und dies eben ist es, was dieses Buch so aktuell macht, weil es geeignet ist, zur Aufrichtung und Führung der auch heute wieder aufgescheuchten deutschen Judenheit beizutragen. Man muL daher dem Dichter Gerson Stern und seiner Dichtung viele und erschlossene jüdische Leser wünschen. Hermann Sinsheimer. JÜDISCHE CHRONIK Aus Gemeinden und Organisationen In Frankfurt a. M. wurde am 25. November in Anwesenheit von Vertretern jüdischer Gemeinden und Verbände die Feier des 130jährigen Bestehens des Philanthropins, der ältesten jüdischen höheren lehränstalt in Deutschland, abgehalten. Aus Anlaß des Festaktes wurde eine Pädagogische Woche veranstaltet. — Als Vertreter des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nahm der Präsident des Rates, Kammergerichtsrat i. R. Leo WolfF, an der Feier teil. Die jüdische Geme-inde Lörrach feierte das Jubiläum des 125jährigen Bestehens ihrer Synagoge. Kalender für Januar Dienstag „ l Tebet 26 Mittwoch 2 27 Donnerstag 9» 3 28 Freitag 4 29 Sonnabend M 5 Schwat 1 Sch'mauß; Sabbath=Neumond Sonntag f» 6 2 Montag 7 3 Th'kutoh Dienstag 8 4 Mittwoch 9 5 Donnerstag 10 6 Freitag 1* 11 7 Sonnabend n 12 n 8 Raa Sonntag 9» 13 9 Montag 14 10 Dienstag 15 11 Mittwoch 16 12 Donnerstag n 17 13 Freitag n 18 14 Sonnabend 99 19 n 15 CMrti*nri<UU(S<MtKttifik) Sonntag 20 16 Montag n 21 17 Dienstag 22 18 Mittwodi 23 19 Donnerstag 24 20 Freitag 25 21 Sonnabend n 26 n 22 Jigirmu Sonntag m 27 23 Montag 28 24 Dienstag 29 25 Mittwoih 30 26 Donnerstag n 31 *9 27 Am 9. Dezember wurde das 250jährige Bestehen der Großen Synagoge in Altona a. d. Elbe feierlich begangen. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände beabsichtigt, Ende Februar alle in den Bünden und Landesausschüssen führenden Mitglieder in einer, „Tag der jüdischen Jugend" genannten Tagung zusammenzuführen, auf der alle geistigen und organisatorischen Fragen der jüdischen Jugendbewegung durchberaten werden sollen. Der jüdische Jugendbund „Schwarzes Fähnlein" hat sich aufgelöst. ' Aus dem jüdischen Berufs- und Wirtschaftsleben Wie der stellvertretende Gauleiter des Gaues Mittelfranken in einer NS. Hago-Mitgliederversammlung mitgeteilt hat, wird das am 1. Oktober geschlossene Warenhaus „Zum Strauß" unter Beteiligung der Nürnberger deutschen Geschäftswelt in neuer Form wieder eröffnet werden. Joseph Budko: Die Familie Aus dem Besiz des Jüd. Museums, Berlin In einer Klage der Stadt gemeinde Breslau gegen die Synagogengemeinde Breslau entschied das Oberlandesgericht Breslau in einem Urteil vom 5. November, daß die beklagte Synagogengemeinde von der Verpflichtung zur Weiterzahlung des Mietzinses für die Räume frei sei, die sie von der Stadtgemeinde Breslau gemietet hatte, um in ihnen rituelle Schöchtungen von Tieren durchzuführen. Auf Grund vertraglicher Vereinbarungen ist die Familie T i e t z aus dem Warenhauskonzern Hermann Tietz & Co. ausgeschieden. Alleiniger Inhaber des Konzerns ist jetzt die Hertie-Kaufhaus-Beteiligungs- G. m. b. H., deren Kapital sich in Händen interessierter Kreise befindet. In der „Deutschen Justiz" wird eine Allgemeine Verfügung des Reichs- und Preußischen Justizministers vom 10. Dezember veröffentlicht, die neue Grundsätze über die Beiordnung von Rechtsanwälten in Armensachen außerhalb des ehemaligen oberschlesischen Abstimmungsgebiets aufgestellt. Danadi sind bei der Auswahl des beizuordnenden Anwalts Wünsche der Partei nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Wird ein Wunsch nicht geäußert, so ist der Anwalt so auszuwählen, wie es den berechtigten Belangen der Partei und ihren mutmaßlichen Wünschen entspricht. Es wird dabei davon auszugehen sein, daß eine arische Partei die Beiordnung eines arischen Anwalts erwartet. Auslandsnachrichten Der Prinzregent von Jugoslavien empfing den Vertreter der dortigen Juden im Senat, Dr. Isaac Alcalay, in Audienz und äußerte seine Genugtuung über die patriotische Haltung der jugoslawischen jüdischen Bevölkerung. In Nagytötöny in Ungarn sprach bei der Enthüllung eines Kriegsgefallenendenkmals als Vertreter der jüdischen Ortsgemeinde Rabbiner Dr. Josef Berkovits. Feldmarschall Erzherzog Josef und Ministerpräsident Gömbös spendeten den Ausführungen des Rabbiners begeisterten Beifall. Von 6376 Einwanderern, die im Oktober 1933 nach Palästina kamen, waren 6138 Juden. In Wien wurde im Festsaale des Wiener Stadtschulrates die neu errichtete jüdische Volkshochschule eröffnet. 8