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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1935-01-01 · 1 (1.1.1935) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
13 (1935)
Issue
1 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Die neue Bibelübersetzung Seil Jahrzehnten wurde die Notwendigkeit empfunden, eine deutsche Bibelübersetzung neu zu schaffen, durch die man an das Verständnis des Urtextes herankommen könne. Sie sollte jedem, der Verlangen danach trägt, es ermöglichen, in das am Sabbat Vorgelesene einzudringen, sie mußte geeignet sein zur Vorlesung in der. Synagoge da, wo Teile der Bibel in Deutsch verlesen werden; sie mußte so sein, daß man sie im Hause gern liest und lesen kann, so daß sie dem deutschen Juden ein Begleiter wird. Die älteren Bibelübersetzungen genügten nicht mehr, die Josef israels: »Jüdische Hochzeit« Luthersche ist gewollt christlich gefärbt, die jüdischen des vorigen Jahrhunderts waren von einem bestimmten einmaligen Stilgefühl aus geschrieben, und Stilgefühl wandelt sich rasch. Vor dreißig Jahren erhob der damalige Berliner Gemeinderabbiner Maybaum die Forderung nach einer solchen Uebertragung mit Nachdruck, aber es dauerte noch 20 Jahre, bis unter dem Patronat der Berliner Gemeinde die Arbeit in Angriff genommen wurde. Eine Anzahl Fachgelehrter nahm das Werk auf, Professor Torczyner, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, jetzt Professor an der Hebräischen Universität in Jerusalem, fiel die zusammenfassende und überprüfende Redaktion zu. Nunmehr liegt als erster Band die Uebersetzung des Fünfbuches, der Tora, besorgt von Hermann Schreiber, vor. Inzwischen war die große Verdeutschung der Bibel durch Buber-Rosenzweig begonnen worden. Sie ist ein Werk von einer großartigen Einmaligkeit, sie hat die Uebersetzungssprache aus der Verflachung und Trivialisierung herausgehoben. Aber sie ist — das ist kein Werturteil, sondern eine vorläufige Feststellung — vielen fremd geblieben, weil sie nach ihrer ganzen Anlage die Sprache des Urtextes so nachahmt, daß man sie im letzten und in ihrem Sosein erst versteht; und würdigt, wenn man der hebräischen Sprache mächtig ist. Ihre Wortprägungen sind vielen nicht eingegangen, sind ihnen nicht Ausdruck ihres inneren Nachfühlens geworden. Unzweifelhaft aber ist es, daß sie die Uebersetzungssprache — man kann dies Wort gebrauchen und muß es — erlöst hat. Ihr Einfluß ist andauernd. Was unterscheidet die tieue Bibelübersetzung von ihr, und worin besteht ihre Eigenart? Sie ist gleichfalls frei von Verflachung und Trivialität, sie gibt die Bibel nicht im Stilgefühl der Zeit, das rasch schwindet, wieder, sie macht nicht aus ihr ein leicht lesbares und leicht zu verstehende« Buch, sie müht sich, die den Alltag überragende Spricht des Urtextes, das Besondere — man kann sagen das Heilige, denn heilig bedeutet „gesondert“, nicht dem Alltag zugehörig — der biblischen Sprache nachzubilden. Und sie hält sich von Fremdartigkeiten der Sprachbildung frei, verzichtet darauf, durch das Medium der Bibel der deutschen Sprache neue Worte und Wortbildungen einzufügen und in ihr heimisch zu machen. Man kann und wird natürlich gegen die eine oder die andere Satz- und Wortprägung seine berechtigten Bedenken haben, im ganzen stellt die Uebersetzung, soweit' eine Uebersetzung überhaupt restlos befriedigen kann, ein Werk dar, das in hohem Maße als geglückt bezeichnet werden darf und das sehr vielen die Erfüllung einer lang gehegten Sehnsucht sein wird. Die Uebertragung verzichtet auf jede Textkritik und hält sich an den überlieferten Text, wie er nun einmal ist-. Die Eigennamen sind getreu dem hebräischen Original wiedergegeben. Dem Verlag I. Kaufmann, Frankfurt a. M., gebührt Dank für die Herausgabe, die gute Ausstattung, das handliche Format. Der Preis des ersten Bandes ist 4,50 RM. Es empfiehlt sich sehr, das Geleitwort des zusammenfassenden und überprüfenden Leiters der Uebersetzung, Torczyner, Vor der Benutzung mit Aufmerksamkeit, zu lesen. MaxDienemann. Gerson Stern: „ Weg ohne Ende ” So heißt ein im Erich-Reiß - Verlag (Berlin) erschienener Roman, dessen Autor Gerson Stern mit diesem seinem ersten Buch nicht nur ein literarisch bedeutendes Werk geschrieben, sondern geradezu eine jüdische Tat vollbracht hat. Gerson Stern ist ja auch kein junger Mann, der sich die literarischen Sporen verdienen will, sondern schon ein Mensch auf der Höhe des Lebens und Wissens, den unsere das Judentum auf- und umwühlende - Zeit zum Dichter gemacht, dem der jüdische Gott gegeben hat, zu sagen, was er — der Jude — leidet... Stern hat ein Martyriologium, eine jüdische Leidensgeschichte geschrieben, wie sie in der Literatur des jüdischen Volkes in biblischer und nachbiblischer Zeit immer wieder einmal geschrieben worden ist. Ihm ist Geschichte zur Dichtung geworden, zu einer ungemein reichen Reihe von Szenen und Gestalten, in denen er kraft seines Jüdischen Wissens und Gefühls mit dem großen jüdischen Leiden auch die Größe des jüdischen Glaubens zu tröstlichem und Wege weisendem Leben erweckt hat. Er führt uns in die Geschichte des nordwestdeutschen Judentums in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts zurück. Von Lüneburg und Detmold her wird das Weserstädtchen Wallhausen (dieser Name ist ein Pseudonym für einen wirklich existierenden Ort) mit einer jüdischen Familie und danach auch mit einer aufblühenden Gemeinde besiedelt, in deren Mitte der Kaufmann Itzig und sein schriftgelehrter jüngerer Bruder Abraham steht. Eine jüdische Welt, ersteht in scharf gezeichneten Umrissen und in satten Farben, eine Welt, in der sich das Judentum durch Familie, Ritus und Handel zur Seßhaftigkeit und zur inneren Zugehörigkeit zum deutschen Boden emporringt. Der land- und stadtsässige Jude, der Hoffaktor in Detmold, der Stoffhändler in Hamburg, Lüneburg und Wallhausen wird nebst dem Ghetto zu Frankfurt sowohl geschichtlich zuverlässig wie auch psychologisch überzeugend gestaltet. Eine Welt aufblühender jüdischer Existenz entfaltet sich im ersten Buch des Romans. Das zweite steht mit jenem nur dadurch in Zusammenhang, daß Perez, der Sohn Itzigs und Schüler Abrahams, durch eine heilige Singstimme begnadet, als Kantor nach Prag kommt. Und nun rückt das Prager Ghetto in die Mitte der Handlung — bis zu dem Zeitpunkt, wo mitten in den schlesischen Kriegen die Kaiserin Maria Theresia die Ausweisung aller Juden aus Prag und Böhmen verfügt. Hier also wird gezeigt, wie eine in höchster Blüte der wirtschaftlichen und geistlichen Existenz stehende Gemeinde, die größte in der damaligen deutschen Welt, in die Angst, in die Auflösung und Vernichtung getrieben wird. Zehntausende müssen wandern, ins Ungewisse hinein in eine neue Zerstreuung und Diaspora. Im ersten Buch die Ansiedelung, im zweiten die Aussiedelung — das ist der „Weg ohne Ende", das ist das sieh immer wiederholende jüdische Schicksal! Mit glücklicher Hand fügt es Gerson Stern, daß 7

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