Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 9 (1.12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sich in ständigem Ausbau. Seit mehreren Jahren ist unser Verband als Selbstherausgeber des „Jahrbuches“ zu Rauschhaschonoh an die Oeffentlichkeit getreten, das neben einem jüdischen Kalendarium reiches Adressenjakob Steinhardt-Jerusalem: Channukah otrt dem Kalender der Jödlsdien KGnstlerhilfe material für die Gemeinden und ihre sämtlichen Institutionen und Vereine enthält. . Es ist aber mehr als ein bloßer Zeitweiser und ein brauchbares Nachschlagewerk, denn seine zahlreichen und 'wertvollen Aufsätze bilden ein wichtiges Quellenbuch für die Geschichte unserer jüdischen Verbandsgemeinden. Die Gemeinden von Hamburg, Altona, Delmenhorst und Lübeck, letztere erst kürzlich, unterhalten jüdische Volksschulen; in Hamburg besteht außerdem die Möglichkeit höherer Schulbildung für Knaben und Mädchen. Der Frage der Erteilung des Religionsunterrichtes hat der .Verband dauernd sein Interesse geschenkt. Kein jüdisches Kind soll ohne Religionsunterricht aufwachsen. Die Teilnahme wurde durch Gewährung des Fahrgeldes von uns ermöglicht, wenn die Erteilung des Unterrichts am Wohnort nicht durchführbar war und Bedürftigkeit vorlag. Auf Anregung der Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen in Berlin wurde Anfang 1933 unsere Bezirksdarlehnskasse ins Leben gerufen. Ihre Entwicklung ist als günstig zu bezeichnen; das Kapital hat sich bis in die letzte Zeit hinein immer wieder erhöht und die Rückzahlungen laufen ziemlich regelmäßig ein, sodaß immer wieder neuen Gesuchstellern Kapital zur Verfügung gestellt werden kann. Die Finanzkommission war in der Lage, die gestellten Anforderungen, die hauptsächlich auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege gestiegen waren, nach Möglichkeit zu befriedigen, vor allem, durch die Ueberweisungen der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, der Deutsch- Israelitischen Gemeinde Hamburg, ferner durch die Beiträge der Mitgliedsgiemeinden, der Einzelmitglieder und der Logen. Die Fragen der Fürsorge und Wirtschaftshilfe, die bei den veränderten Lebensbedingungen ins Unübersehbare gestiegen schienen, stellten uns vor teilweise ganz neue Aufgaben. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden erkannte rechtzeitig, daß lebendige und zweckmäßige Arbeit nur dann geleistet werden kann, wenn Fühlungnahme von Mensch zu Mensch besteht und fachmännische Beratung durch hauptberufliche Kräfte an Ort und Stelle erteilt wird. Dies hatte die Anstellung einer Provinzial- Reisefürsorgerin zur Folge. Die Provinzialwohlfahrtsstelle versucht, überall Vertrauenspersonen zu finden und wendet sich an Sachverständige auf allen Gebieten: die örtlichen Vereine, Handwerker, Lehrer, Aerzte und Rechtsanwälte finden sich in dankenswerter Weise zur Mitarbeit bereit. Unsere Wohlfahrtspflege erstreckt sich auf alle Zweige der Fürsorge. Wir gewähren laufende und einmalige Beihilfen zu geringem Arbeitsverdienst oder zu sonstigem geringen Einkommen, in besonderen Fällen auch zu öffentlichen Unterstützungen. Auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge versuchen wir, durch vorbeugende Maßnahmen, z. B. rechtzeitige Verschickung, Beschaffung einer gesunden Wohnung usw., Schäden zu verhüten. Ganz allgemein kann man die Wohnweise unserer jüdischen Bevölkerung als günstig bezeichnen. Jugendfürsorge, d. h. Fürsorge für sittlich gefährdete und verwahrloste Jugend, kommt kaum in Betracht. Für uns besteht die Erziehungsfürsorge vor allem in der Berufsberatung. Wir lassen uns durch die jüdischen Gemeinden rechtzeitig, d. h. 6 Monate vorher, die zu erwartenden Schulentlassungen melden und besprechen mit Eltern und Kindern die Frage des zu ergreifenden Berufes. Ist diese wichtigste Frage geklärt, beginnt die Suche nach einer Ausbildungsstelle. Wir dürfen uns freuen, sagen zu können, daß in den meisten Fällen eine Unterbringung geglückt ist. Aber wieviel Mühen waren gelegentlich zu überwinden, welche Geduldsprobe bedeutete es für die Jugendlichen selbst, bis dies Ziel erreicht war! Abgesehen von unseren großen Gemeinden ist es kaum möglich, Lehrstellen für die Jugendlichen an ihrem Heimatort zu finden. Die Vorbereitung auf den Beruf bedeutet meistens gleichzeitig auch die Trennung vom Elternhaus. Die Unterbringung erfolgt in Lehrlingsheimen, Anstalten und Einzelfamilien. Schwieriger noch als die Frage der ersten Berufseinschichtung ist die der Umschichtung. Wir können Silberner ChannukJcah-Leuchter in Form eines Fabeltieres um 1800 ous dem Jüdischen Museum Berlin hierbei schon auf ein Jahr der Erfahrungen zurückblicken und manchen früheren Fehler vermeiden. Für die Mitglieder zionistischer Organisationen, die in Palä- 6