Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 9 (1.12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Weise von einer Don Juan-Aufführung in New-York und vergleicht Mozart mit Rossini; „Ein denkwürdiges Ereignis machte plötzlich in New-York großes Aufsehen; es war die Ankunft der berühmten Sängerin Garcia und ihrer unvergleichlichen Tochter, der Malibran. Der „Barbier von Sevilla“ des unsterblichen Rossini war ihr Debüt. Auf den Barbier folgte Mozarts „Don Juan“. Worte, Musik, Schauspieler und vor allem die Malibran in der Rolle der Zerline, alle waren bewunderungswürdig. Die Kunstliebhaber teilten sich in zwei Lager, für Rossini und für Mozart. Es macht mir heute Vergnügen zu bekennen, daß, wehn Mozart an Tiefe und Gründlichkeit der Kunst über seinen Nebenbuhler den Sieg davonträgt, Rossini doch nicht seinesgleichen in Bezug auf Melodie und die Leichtigkeit hat, welche der Sänger, der ihn interpretiert, empfindet“. Als Texl dichter von drei der schönsten Mozartopern lebt da Pontes Name weiter. Es wäre ungerecht, die Libretti nach den deutschen Uebertragungen und nicht nach dem italienischen Original werten zu wollen. Das Problem dieser Verdeutschungen ist bisher noch nicht gelöst. ' Wer in diesen Tagen durch die Straßen Berlins geht und an den Anschlagsäulen den Theaterzettel der Staatsoper mustert, der wird die Neuinszenierung des „Don Giovanni“ angezeigt finden und neben den Namen Mozarts und da Pontes steht auch heute der des Uebersetzers: Hermann Levi! Die eminenten Verdienste dieses Juden um deutsche Kunst sind ja ein für allemal dadurch dokumentiert, daß ihm Richard Wagner die musikalische Leitung bei der Uraufführung desBühnenweihfestspiels „Parsifal“ in Kay reuth anvertraute. Von ihm stammen auch die vergleichsweise besten Uebersetzungen der Mozartopern, die den meisten Aufführungen zu Grunde liegen. Da Ponte war kein überragender Poet. Aber Mozart, für den die Poesie nur die „gehorsame Tochter der Musik“ war, hätte eine allzu starke dichterische Potenz auch Aus der Tätigkeit der Provinzial verbände IV Verband der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansastädte Die Ereignisse des Jahres 1933 führten zu einer Intensivierung der Arbeit auf allen Gebieten. Die nachfolgenden Schilderungen sollen zeigen, was innerhalb unseres Verbandes heute für die'jüdischen Gemeinden und den einzelnen jüdischen Menschen „Hilfe und Aufbau“ bedeutet, — nicht Hinweis auf eine Organisation, sondern der Sinn aller Arbeit selbst. Die Zusammenfassung von jüdischen Gemeinden in Provinzialverbänden dient vor allem der Stützung der kleinen Gemeinden, der Pflege und Erhaltung jüdischen Lebens in ihnen. Alle unsere Gemeinden sind in unserem großen Ausschuß vertreten, der zweimal im Jahr zusammenkommt, um über wichtige Fragen zu verhandeln und den Geschäftsbericht entgegenzunehmen. Die laufenden Geschäfte werden durch den geschäftsführenden Ausschuß erledigt. Die Arbeit wird im wesentlichen von den eingesetzten Kommissionen bezw. einzelnen beauftragten Personen geleistet Die Sitzungen dieser Kommissionen (Finanz-, Rechts-, Wohlfahrts-, Kultur-, Kalenderkommission) finden je nach Bedarf statt. Unser Büro befindet sich in Hamburg, Rothenbaumchaussee 38, im Hause der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, dieser Großgemeinde innerhalb unseres Gebietes, die unsere Bestrebungen nicht nur durch die Gewährung erheblicher Mittel, sondern auch durch geistige Anregung ständig fördert. Der örtliche Umfang unseres Provinzialverbandes zeigt, daß Landesgrenzen von Anfang an keine Rolle gespielt haben, wenn es galt, Zersplitterungen zu vermeiden. nicht ertragen können, sie hätte seine Musizierseligkek bedrückt und eingeengt. Daß da Ponte mit Mozart zusammentraf, mit dem Komponisten Opern schreiben durfte, dessen Werk auch auf seinen Namen den Abglanz der Unsterblichkeit warf, das war das Geschenk der Vorsehung nn ihn. Channukah Phot. Sonnenf«ld Unser Name deckt sich heute nicht mehr mit dem uns angeschlossenen Gebiet, sondern durch Aufnahme des Freistaates. Oldenburg und erst in letzter Zeit durch Einbeziehung des Regierungsbezirks Stade ist nach und nach eine erhebliche Vergrößerung erfolgt und ein einheitliches Arbeitsgebiet im nordwestlichen Deutschland geschaffen worden. Es handelt sich also um Land, in dem die Industrie nicht vorherrschend ist, sondern auf dessen weiten Ebenen Ackerbau und Viehzucht getrieben wird und in dem große Flußmündungen den Handel sich entwickeln ließen, — alles Vorbedingungen, die auf die wirtschaftliche Entwicklung und berufliche Struktur der jüdischen Bevölkerung von erheblichem Einfluß waren. Im westlichen und südlichen Teil tritt der Beruf des Viehhändlers besonders hervor, im nördlichen und östlichen Teil finden wir die Händler und Kaufleute stärker vertreten. Unser Provinzialverband ist nicht selbständige „Stelle für Wirtschaftshilfe“. Für unser Gebiet ist zuständig die „Beratungsstelle für Jüdische Wirtschaftshilfe“, Hamburg, mit der. in engster Fühlungnahme gearbeitet wird. In > ihrem Bewilligungsausschuß ist unser Verband ständig vertreten. Die persönliche Kenntnis der meisten Antragsteller ermöglicht es uns, die erforderlichen Gutachten schnell abzugeben. Unseren Vorschlägen ist fast ausnahmslos entsprochen worden. Eine neue große Aufgabe ist dem Provinzialverband durch die Einführung der „Beitragskarte“ erwachsen. Die Arbeit hierfür ist allerorts im Gange. Um den Bildungsbedürfnissen der Erwachsenen gerecht zu werden, hat unser Verband in größeren Abständen Kulturabende in unseren Gemeinden veranstaltet, bei denen von berufener Seite Vorträge gehalten wurden, meistens von künstlerischen Darbietungen umrahmt. Eine Wanderbibliothek befindet sich bei uns schon längere Zeit; sie wurde mit großem Interesse fiufgenommen, ist dauernd in Benutzung und befindet 5