Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 9 (1.12.1934)
- Date
- 1934-12-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen Fragen, die alle in gleicher Weise gestellt waren, wurden für einige historische Minuten die Ideologien der jüdischen Gruppen wesenlos. Der in früheren Jahren mitunter üblich gewesene rüde Ton bei Auseinandersetzungen der einzelnen Bünde wich immer mehr dem ernsten Grundton der nüchtern-sachlichen Zusammenarbeit. Es würde zu weit führen, wollte man alle Gemeinschaftsaufgaben der jüdischen Jugend schildern. Hier soll nur ein Einblick in die Hauptarbeitsgebiete des Reichsausschusses vermittelt werden. Nach der Anerkennung schuf der ReichsauHschuß auf Wunsch der Reicbsjugendführung Unterorganisationen in allen Landesteilen. Die Lundesausschüsse wiederum setzten Ortsausschüsse ein, sodaB iu jedem wichtigen Ort offizielle Vertreter der jüdischen Jugend sitzen. Alle Jugendleiter sind vomReichsausschuB mit Führerausweisen versehen worden. Die gründliche Organisation erleichtert nicht nur den Verkehr mit den Behörden und den jüdischen Institutionen, sie ist auch das unentbehrliche Gerüst für die innerjüdische Arbeit. VomFührerrat des Reichsausschusses an bis zum letzten Mitarbeiter desOrtsringes wird die hingebungsvolle Arbeit ehrenamtlich geleistet. Im ersten Jahr nach der Anerkennung sind eine Anzahl rein praktischer Aufgaben in Angriff genommen worden. Der Ausschluß aus dem Allgemeinen Herbergsverband stellte den ReichsausschuB vor die Aufgabe, eigene Wanderunterkünfle zu schaffen. In reger Zusammenarbeit mit den jüdischen Organisationen ist es gelungen, in einigen Monaten in zehn Landesteilen an hunderten von Orten tausende von Ubernachtungsplätzen zu schaffen. Gemeinden und Privatleute förderten tatkräftig unser Herbergswerk. Die begeistert zustimmenden Antworten auf unsere Anfragen zur Bereitstellung von Quartieren sind Dokumente jüdischen Gemeinschaftssinns. Bald stellte sich -die Notwendigkeit heraus, in einigen Gebieten eigene Jugendherbergen zu errichten, da die Privatunterkünfte den Ansprüchen regelmäßig durchziehender Wandergruppen nicht genügen konnten. Die behördliche Genehmigung zur Errichtung jüdischer Jugendherbergen wurde gegeben, und es fehlte „nur noch“ das Betriebskapital. Der Preußische Landesverband erkannte die Bedeutung des Herbergswerks für die gesamte jüdische Jugend und stellte einen bestimmten Betrag zur Verfügung. Dadurch können in allerkürzester Zeit einige Herl>ergen in eigene Regie genommen werden. Die Wanderungen junger jüdischer Menschen haben oft kleine Orte und Landflecken zum Ziel. Dadurch stellen die Jugendwanderer lebendige Beziehungen zwischen den Juden in den Groß- und Kleingemeinden her. Die Kleingemeindearbeit wird den Reichsausschuß im kommenden Winter besonders beschäftigen. Wanderbibliotheken und Rundbriefe werden die jüdische Jugend mit der Lektüre wichtiger jüdischer Bücher vertraut machen. Aus der Jugendbewegung kommende Lehrer werden in jugendgemäßer Art jüdischen Wissensstoff vermitteln. Kleingemeindetagungen werden durch gemeinsames Lernen und Erfahrungsaustausch die jüdische Jugend zusammenführen. In einigen Landesausschüssen sind bereits mit Erfolg Schulungskurse abgehalten worden, an denen sich Mitglieder sämtlicher Jugendbünde beteiligten. Für die körperliche Ertüchtigung der hündischen Jugend besteht im Reichsausschuß ein Sportdezernat. Die von Sportvereinen nicht erfaßte Jugend in den Kleingemeinden ist von diesem Dezernat unmittelbar betreut worden. Mehrere Monate lang reiste ein Sportlehrer des Reichsausschusses durch die Kleingemeinden, um dort den Sportbetrieb in Gang zu bringen. Eine eindrucksvolle Werbung für den Gedanken der Körperschulung bedeutete das erste Sportfest des Reichsausschusses. Dreitausend Mitglieder der Berliner jüdischen Jugendbünde waren zum friedlichen Wettkampf angetreten. Derartige überbündische Sportfeste werden nicht nur vom Reichsausschüß, sondern auch von den Latfdesausschüsscn regelmäßig veranstaltet werden. Die Gründung des Reichsausschusscs-jüdischer Sportverbände macht unsere Sportarbeit nicht überflüssig, da diese sich auf einen anderen Personenkreis — die hündische Jugend — bezieht. IV. Auf . die gemeinsamen praktischen Fragen hat die jüdische Jugend aus. allen Lagern unbeschadet ihrer verschiedenen jüdischen Grundanscbuungeinhellig geantwortet. Sie hat damit ihren ernsten Arbeitswillen zur Lösung aller praktischen Aufgaben kundgetan. An den Erwachsenen liegt es, die Jugend in größerem Umfange als bisher zur Mitarbeit in den verantwortlichen jüdischen Stellen heranzuziehen. Für unsere Postbezieher! Versäumen Sie bitte nicht die Einlösung der Abonnements-Quittung für das nächste Vierteljahr. Nur pünktliche Einlösung sichert regelmäßige Zustellung des Gemeindeblattes. Chonnukah Sonn«ifeid