Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 7 (1.10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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Kalender für Oktober. Montag Okt. 1 Tlsdiri22 Schemini Azeres Dienstag 2 23 Simcbas Thauroh Mittwodi 3 24 Donnerstag w 4 •n 25 Freitag 5 26 Sonnabend ». 6 w 27 Neumondsweihe Sonntag »V 7 w 28 Thekufoh Montag 8 tv 29 Dienstag 9 M 30 1. Neumondstag Mittwodi 10 Mlldac tdivan 1 2. Neumondstag Donnerstag M 11 vs 2 Freitag 12 vv 3 Sonnabend M 13 VS 4 Nauadi Sonntag n 14 n 5 Montag n 15 9 6 Dienstag 16 7 Mittwodi 17 vs 8 Donnerstag w 18 *v 9 Freitag m 19 10 Sonnabend n 20 n 11 Ledi l'dio Sonntag VS 21 n 12 Montag M j22 VS 13 Dienstag 23 14 Mittwoch „ 24 w 15 Donnerstag «V 25 vv 16 Freitag » 26 SV 17 Sonnabend VS 27 SV 18 \\ ajero Sonntag i 28 «> 19 Montag w 29 •V 20 Dienstag VV &° vv 21 Mittwodi n 31 vv 22 Anregungen des Preußischen Landesverbandes zu den Festtagen Mehr denn je sieht der „Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden** seine Aufgabe darin, jeden einzelnen Glaubensgenossen In Stadt und Land zur Teilnahme am religiösen Leben heranzuziehen. In allgemeiner Erinnerung ist heute noch die nunmehr ein halbes Jahr zurückliegende Aktion zu Peßach —: durch Rundschreiben an alle Gemeinden, Rabbiner und Lehrer wurde angeregt, daß jede Gemeinde für die versprengt und einzeln auf dem Lande lebenden jüdischen Familien Sederabende abhalten solle. In ähnlicher Weise sind dann Mitte August an alle Gemeinden Anregungen ergangen, durch Abhaltung von Vorbereitungskursen für Rosch Haschanah und Jom-Kippur überall für ein vertieftes Miterleben unserer höchsten Feiertage den Boden zu bereiten. Diese Anregung hat in den Verbandsgemeinden lebhaften Widerhall gefunden. Jetzt, kurz vor dem Fest der Laubhütten und der Gesetzesfreude ist der Landesverband neuerdings an die Verbandsgemeinden herangetreten; wir bringen das Rundschreiben nachstehend zum Abdruck: Wir wenden uns heute wiederum an unsere Verbandsgeineinden und alle die, denen ein starkes und vertieftes Jadcatum am Herzen liegt, um zu lebendiger Gestaltung des Festes, das auf <Se hohen Feiertage folgt, aufzurufen. Wenn wir am Jaum Kippur Abend das Gotteshaus verlassen, so entspricht es altem Brauch, den ersten Pfosten der %|jkoh für das Hüttenfest zu errichten. So verknüpft sidh gM «in Festtag mit den andern. Sukkoth spricht in unseren Tagen lebendiger zu uns als je. Auch in unseren Tagen befinden sich Tausende unserer Brüder auf der Wanderung. So wird uns die Hütte zum Symbol der Ungewißheit auch des scheinbar fest Gegründeten in unserm Leben. Aber noch ein anderer Sinn verbindet sich mit diesem Wort. Die Hütte ist uns eine Stätte der Buhe und Zuflucht, wie sie es unseren Vätern war in den Jahren des Zuges durch die Wüste. Den Sinn des Hüttenfestes gilt es für alle Juden wieder lebendig zu machen. Deshalb geben wir eine von Herrn Rabbiner Dr. J. Hoffmann, Frankfurt a. Main zusammengestellte Reihe von Anregungen für die Sukkothtage und das Simchat Thorafest bekannt, wobei wir betonen möchten, daß die Ausgestaltung jeder einzelnen Gemeinde überlassen sein soll. In allen Gemeinden sollte mindestens eine gemeinschaftliche Sukkoh errichtet werden, möglichst auf dem Synagogen- oder Schulhof; sofern dies nicht tunlich erscheint, könnte dies in einem andern geschlossenen Hofe geschehen. Bei der Aufstellung und Ausschmückung soll die Schuljugend zur tätigen Mitarbeit herangezogen werden, die Anfertigung des schönsten Schmuckes könnte prämiiert werden. In der Sukkoh soll die Jugend zu Kiddusch und kleinen Mahlzeiten, sowie zu jüdisch betonter Geselligkeit in kleipen Zirkeln sich zusammenfinden. Dabei sollen Kurzreferate über Sinn und Bedeutung der Sukkoh, ihre Vorschriften, ihre Gestaltung in Erez Israel, KJ über den Feststrauß und seine vielseitigen symbolischen Ausdeutungen abgehalten werden. — Man könnte auch an ein Referat denken, das von der Sukkoh als Sinnbild ausgeht und sich zu einem Querschnitt durch die jüdische Geschichte ausweitet, in dem das „Hüttendasein“ der jüdischen Gemeinschaft zu den verschiedenen Zeiten und in den verschiedenen Ländern kurz beleuchtet wird. — Wichtig erscheint die Veranstaltung von kleinen und innigen Simchat Thorafeiem, die mehr eine religiöse und kulturelle Note tragen und nicht im Stile gewöhnlicher Belustigungen abgehalten werden sollen. Auch hier könnten Kurzreferate abgehalten werden über Bibelkunde, über die Bibel in der Synagoge und im Hause, über die Bedeutung der Bibel für die Formung des jüdischen Charakters und für die Gesittung der Menschheit. Diese Referate sollen von synagogalen und sonstigen hebräischen Gesängen umrahmt sein. Da im letzten Thoraabschnitt, der am Simchat Thora verlesen wird, die Segensworte, die Mosche vor seinem Tode an die 12 Stämme richtete, enthalten sind, erscheint es auch sinnvoll, im Rahmen der erwähnten Feiern an Darstellungen zu denken, die die 12 Stämme, ihre charakteristische Eigenart, ihrp ^großen .Männer. ihre^-Bedeutung in der jüdischen Geschichte, die charakteristischen Erzeugnisse ihres Bodens zum Gegenstand haben. Wo die Jugend mehrerer Nachbargemeinden zusammengeschlossen werden könnte, sollten die Feiern entweder an den Halbfeiertagen oder an einem Tage nach den Feiertagen veranstaltet werden. o 0 Ueber allem soll der Leitgedanke stehen, durch diese Feste den Teilnehmern ein freudiges Erlebnis zu schenken, das dazu beiträgt, stolzes Bekenntnis zum Judentum zu fördern. Unser Ziel soll sein, daß in keiner jüdischen Gemeinde die Sukkoh fehle und d-e^F e s t - Strauß in jüdischen H ä u s e r n s e i n e S t ä 11 e findensoll. __ Wir wollen uns mit diesen alten und heiligen Symbolen erneut verbinden, sie sollen unser jüdisches Gefühl und zugleich unseren Zusammenhang mit dem Lande der Väter stärken, das für Viele auch ein Land der Kinder ist und in dessen Landschaft und Naturzeitablauf Feststrauß und Sukkoh ihre eigentliche Wurzel haben. - „Möge wieder die Hütte des Friedens ausgebreitet sein über uns, über ganz Israel und über Jeruschalajim.“ 10