Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 7 (1.10.1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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!n Berlin beging der Historiker und Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Professor Dr. Ismar Elboaen, eine jüdisch* Persönlichkeit großen Format«, seinen flO. Geburtstag. Alle jüdischen wissenschaftlichen Zeitschriften brachten Festnumroem zu Ehren des Gelehrten. Professor Ellbogen hat seit 1930 dem Engeren Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden angehört und stellt noch heute seine Kraft für die Durchführung der Aufgaben des Landesverbandes zur Verfügung. In R o m mußte infolge Durchführung eines neuen Straßenbauplans der altehrwürdige jüdische Friedhof auf dem Aventin aufgelassen werden. Die Gebeine der dort Beerdigten werden sorgfältig gesammelt und auf dem neuen Friedhof m Arvaldi beigesetzh Mussolini sprach persönlich bei den jüdischen Gemeindeältesten sein Bedauern über die Einebnung des Friedhofs aus, besuchte unter Führung des Gemeinderepräsentanten Enrico Cohen die Grabstätten und ließ sich die historisch-interessanten Grabsteine erklären und übersetzen; er ordnete an, daß auch auf dem neuen Friedhof der in den Garibaldi-Kämpfen gefallene italienisch-jüdische Freiheitsheld Felice Venezian ein chrengrab erhalten solle. Jüdische Kalender Kalender sind an und für sich dazu da, um abgerissen zu werden. Die beiden Kalender aber, welche jetzt die jüdische Künstlerhilfe und der jüdische Frauenbund herausgegeben haben, sind so schön, daß man sie am liebsten unbenutzt seiner Bibliothek einverleiben möchte. Die Künstlerhilfe hat sich diesmal ganz in den Dienst des bildenden Künstlers gestellt, dessen ideelle und materielle Not wohl am größten ist. Neben schon bekannteren Bildern von Liebermann und Spiro (mit dessen Stiedry-Portrait man ein melancholisches Wiedersehen feiert) gibt es zahllose wertvolle Bilder junger unprominenter Künstler. Im Gedächtnis haften bleiben einem besonders die Emslandschaft von Henry Hopf, eine Arbeit von einer Dichtigkeit der landschaftlichen Atmosphäre, die besser als alle Theorien das Märchen vom naturentfremdeten jüdischen Menschen widerlegt, ferner rin bezaubernder Mädchenkopf von Joseph Avrachs und das eigens für den Kalender gezeichnete Portrait Liebermanns von Anna Frank-Klein. Verse von Silbergleit, Bialik und Beer-Hofmann bilden eine schöne Bereicherung des' geschmackvoll ausgestatteten Kalenders, der auf überzeugende Weise die produktive Kraft jüdischen Künstlertums widerspiegelt. Der Kalender des Jüdischen Frauenbundes behandelt das Thema das jüdische Buch. Aus allen Gebieten des jüdischen Lebens ist hier Material zusammengetragen worden. Abbildungen aus alten Handschriften und Hagadahs wechseln ab mit Zitaten aus dem jüdischen Schrifttum und mit kurzen Charakteristiken der wichtigsten Quellen jüdischer Weisheit und Frömmigkeit. Sehr hübsch die Zusammenstellung von Talmudzitaten, das Verleihen von Büchern betreffend. Das Buch war für die Alten, genau so wie Tempel und Badeanstalt, eine öffentliche Angelegenheit. Aus dieser Grundeinstellung resultiert denn auch jene Forderung, die da besagt, daß lieber die Buchstaben einer Schrift verlöschen sollen, als daß sie unbenützt herumliege. Erwähnt zu werden verdient noch der jüdische Jugendkalender, der ein paar hübsche Erzählungen und Essays und daneben sogar einige wertvolle Legenden'und Gedichte von Bialik enthält. Der .Herausgeber des Kalenders, Rabbiner Emil Bernhard Cohn, hat es verstanden, im Rahmen des Möglichen einen Ueberblick über die ^verschiedensten, Jugendliche interessierenden Gebiete zu geben, einen Ueberblick, der auf höchst pädagogische Art das Angenehme jnit. dem Nützlichen verbindet.. Auch das Btild von Max Baer und der im Anhang .beigefügte bunte Abreißkalender werden ihren Eindruck gewiß njyeht verfehlen. . ~ «... or. Dir Ratender dar• JMlirhni KtastterkUfe* ist tm Konitveriig Dr. Herbert Loeweneleta' HerUn$010^KOpeoiekerStreite74^mebieoen; K«w*f»pr©ia ßtyt.60. Der Kalender den »Jttdteefeee Pranenbandea K. V.* lat an bestehen doreh das Büro des rramnbaniUa, HeHin-Chzrloltenbarjc 2, Kantatrafle 158; Preis für den Umlegekalender RM l.tft, für den Abreißkalender RH 2.25. Der pJidteehe iagandkalender* erschien im Jjgdtsrhen Verlag O. m. b. H.*, Berlin W 50, Bndapester Straft« 11; Bezugspreis Bü 2.60. Aufruf! „Oeffnet die Herzen! Oeffnet die Hände!“ Die jüdischen Spitzenorganisationen Deutschlands erlassen gemeinsam folgenden Aufruf: Zum Werk für Hilfe und Aufbau geeint, ruft die jüdische Gemeinschaft, rufen die jüdischen Organisationen und Institutionen aller Richtungen die deutschen Juden .zur umfassenden Opfergemeinschaft auf. Oeffnet die Herzen! Oeffnet die Hände! Es zeugt von menschlicher Größe und jüdischem Bewußtsein, sich dem schweren Schicksal seiner Gemein-' schaft zu stellen, auch wenn es den Einzelnen selbst noch nicht erreicht hat. Gerade wer die Not noch nicht verspürt, opfere für die schwerer ringenden Brüder. Es darf nicht sein, daß das deutsche Judentum eine Gemeinschaft ohne Jugend, eine Gemeinschaft ohne Zukunft werde. Dein Opfer führt die Jugend zu produktiver Einordnung in neuen Lebensiauin, damit sie fähig wird, die" Sorge für die erwerbslosen Alten auf ihre eigenen starken Schultern zu nehmen. Es darf nicht sein, daß Wissen und Bildung nur dem Besitzenden zugänglich gemacht wird. Dein Opfer baut am jüdischen Schul- und Kulturwerk. Es darf nicht sein, daß Alte und Kranke unversorgt bleiben. Dein Opfer sichert die Aufrechterhaltung von Wohlfahrt, Krankenhäusern und Altersheimen. Nach gemeinsmer Planung soll ein edler Wettstreit herrschen in der' Erfüllung der beiden Aufgaben: Sicherung des Schicksals.der deutschen Juden in Deutschland und konstruktiver Aufbau der jüdischen Heimstätte in Palästina. Die Sammlung für den Keren Hajessod geht deshalb selbständig als in sich geschlossener Bestandteil des gesamten jüdischen Hilfswerks neben der Sammlung des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau einher. Jeder gebe nach seiner Einsicht und seinem Herzen, aber er gebe bis an die Grenzen seiner Kraft. Reichsvertretung Zentralausschuß der der deutschen Juden deutschen Juden f. Hilfe u. Aufbau Dr. Baeck Dr. Hirsch Borchardt Dr. Kreutzberger All. Rabb. Verb, in Deutschland Dr. Horovitz Dr. Dienemann Centralverein deutscher Staats- Hilfsverein bürger jüdischen Glaubens der deutschen Juden Just. Rat Dr. Brodnitz Eugen Landau Jüdischer Frauenbund E. V. Ottilie Schoenewuld Cora Berliner Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Dr. Brodnitz, Dr. Sommerfeld Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Dr. Loewenstein Zentralstelle.füf jüdische . Wirtschaftshilfe Woyda Dr. Rau Zentralwohlfahrtsstelle der. deutschen Juden E. Seligmann Eskeles Zionistische Vereinigung für Deuts$)l/y$ r\_ iu-»but. Spendenüberweisung an: ■ >>»'i •<»•:> Zentralausschuß der Deutschem J*den für Hilfe ttr AufiriMi Berlin-Charlottenburgv* Kantstraße, Löß. ,,, Bankkonten: Gebr. Heymann, Berlin W,, F^HÖ^sfJip Straße 47 < ,n A. E. Wassermann, Berlin W §, wVlhelmplatz 7 Postscheckkonto:': Berlin. 70577U Preaßis<h«nLatKl*l»lfb«nd jüdischer Gemeinden. .'-Sonderkonto;*. Znatagfc- Ausschuß der Deutschen Juden für Hilfe und Aufbgu.