Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 6 (1.9.1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Hinscheiden von Eduard Baerwald. Nach schwerer Krankheit ist am 20. Juli der stellvertretende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt t a. M., Rechtsanwalt Dr. Eduard Bärwald im Alter von 58 Jahren gestorben. Dr. Bärwald stammte aus einer um das Judentum hochverdienten Familie; sein Vater war Direktor der höheren jüdischen Lehranstalt „Philanthropin“. Von Jugend: auf haltender Verstorbene stets außerordentliches Interesse für jüdische Angelegenheiten bekundet und sich, abgesehen von seiner Arbeit in der Gemeinde, insbesondere auch als Vorsitzender der liberalen Fraktion des Preußischen Landesverbandes und als Mitglied des Conseil - der Jewish Colonisation Association (JCA) betätigt. Dit. Baerwald verstand es stets, bei voller Wahrung des eigepen Standpunktes die Auffassung anderer zu würdigen, und war bemüht, das Zusammenfassende und Einende über das weltanschaulich Trennende zu stellen. Unbestechliche Objektivität und gütige Vornehmheit der Gesinnung sicherten ihm das Vertrauen aller Kreise der Gemeinde ohne Unterschied der religiösen oder politischen Richtung. Die große Zahl der Trauergäste, die der Beerdigung beiwohnten, zeigte, welcher großen Liebe sich der Verstorbene in allen Teilen der Gemeinde erfreute. Im Hinblick auf die l>esonders enge Verbundenheit, die zwischen dem Verstorbenen — sowohl in seiner Eigenschaft als langjähriger Abgeordneter unseres Landesverbandes wie auch als stellvertretender Vorsitzender . der Frankfurter Jüdischen Gemeinde — und dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden allezeit bestand, bringen wir nachstehend die Ansprache zum Abdruck, die der Vizepräsident des Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee bei der Trauerfeier gehalten hat. Einen GruB. Dir, teurer Verklärter, von der Berliner Jüdischen Gemeinde und ein Wort herzlicher Dankbarkeit im Namen des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, an dessen Werden und Ausbau Du unvergeßlichen Anteil gehabt hast, vor allem auch als Führer der größten Fraktion der Landcsversammlung. Was Dich auszeichnete und Dich allen, die in den Bannkreis Deiner Arbeit traten, so lieb und wert machte, das war der in Deinem Wirken deutlich erkennbare Wunsch. Brücken zu schlagen zu allen jüdischen Menschen, von denen Du überzeugt warst, daß sie mit Dir. wenn auch vielleicht auf anderen Wegen, den Willen hatten und ihn durch ehrliche Arbeit betätigten, dem Judentum zu dienen, zu seiner Schönheit und Größe beizutragen. Wir sind Dir dankbar dafür, lieber Freund, daß Du über den Rahmen Deiner eigenen, gefestigten Weltanschauung hinaus. Verständnis und Anerkennung für die Wege anderer zeigtest und den Zusammenschluß unddas Gemeinsame rn den Vordergrund stelltest, ln den besonders schweren Zeiten unserer augenblicklichen Arbeit ging Ermutigung aus der tiefen Zuversicht, die in Dir lebte, von Dir aus Das Wort zu Freund Blau, vor kurzem bei einer Arbeit, die uns Drei vereinte, gesprochen, das Hiobswort: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt" gab uns Mut und neuen Auftrieb: „Wir wissen, daß unser Erlöser lebt.“ Du hast Dich stets, teuerer Freund, als dienendes Glied am Ganzen empfunden. Du warst wertvolles unschätzbares Glied einer Kette, die uns verbindet mit der großen geschichtlichen Vergangenheit unseres Volkes und die uns ebenso verbinden soll mit einer, will's Gott, glücklichen Zukunft unseres Judentums. Und so bitter das Wort klingt: ..Mag welken die Blume, mag dorren das Gras“, wir sprechen cs in diesem Augenblick in Demut aus Deinem Geiste. Mag auch die Kalender für September. Sonnabend Sept. 1 EJul 21 Sabbat-Anfang 6*® ,. Ausgang 800 Sonntag n 2 44 22 Montag ft 3 »1 23 Dienstag n 4 24 Mittwoch 5 25 Donnerstag n 6 ft 26 Freitag » 7 27 Sonnabend n 8 44 28 Sabbat-Anfang 6“ Snbbat-Aussang 7“ 5695 * Sonntag ,, 9 Tlschrl 29 Vorab. Rausch Hasdionoh Montag 10 ft 1 L Tag „ „ Dienstag 11 44 2 2. Tag „ Mittwoch 1* 12 1» 3 Fasten Gcdaljah Donnerstag *« 13 14 4 Freitag »t 14 M . 5 Sonnabend i* 15 *4 6 Sonntag n 16 7 Montag 17 8 Dienstag f* 18 9 V orabend .laum Kippur Mittwoch 19 10 Jauin Kippur Donnerstag 20 11 Freitag 21 - 12 Sonnabend ft 22 n 13 Sonntag n 23 rt 14 Montag ft 24 »4 15 Laubhüttenfest 1. Tag Dienstag 25 16 Mittwoch 26 17 Donnerstag n 27 18 Freitag ft 28 44 19 Sonnabend fi 29 «4 20 Sonntag 44 30 44 21 Lnubhüttenfest 7. Tag für uns wertvollste Menschenblume welken — „das Wort unseres Gottes bestellt in Ewigkeit.“ Wir sind ein Volk von Ewigkeit: wir wissen, daß aus der glorreichen Vergangenheit über alles Trübe dieser Tage unserer jüdischen Gemeinschaft das lichte Schicksal von morgen blühen wird. Daß Du uns diese Zuversicht wieder zur Gewißheit hast werden lassen durch Deine treue Arbeit und durch Dein reines, vornehmes Menschtum, dafür wissen wir Dir Dank — für immer. Nathan Ackerhalt. Am 3. August ist Herr Nathan Ackerhalt aus dein Lehen geschieden, der dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden bis zum Jahre 1930 als Abgeordneter angehört hatte. Der Verewigte nahm sich insbesondere aller gottesdienstlichen Einrichtungen sowie der kulturellen Institutionen von ostjüdischen Vereinen an; er hat auf diesen Gebieten Segenvolles auch für die Berliner Jüdische Gemeinde gewirkt. Das Andenken an ihn wird bei allen, die mit ihm im Landesverband und für diesen gearlieitet hatten, stets wach bleiben. Amtlicher Teil Ministerialerlasse Staatsjugendtag Ich gebe folgendes Abkommen bekannt: „Für die Erziejhung der Schuljugend im nationalsozialistischen Staate sind Schule, Reichsjugendführung (H. J.-Bewegung) und Elternhaus nebeneinander berufen. Um ein fruchtbares Zusammenwirken zu gewährleisten, sind der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der Jugendführer des Deutschen Reiches Aber folgende, in der Zukunft zu verwirklichende Maßnahmen einig: 1. Der Sonntag der Jugend gehört grundsätzlich dem Elternhaus und der Familie. Veranstaltungen der Schule und der Reichsjugendführung (H.-J.-Bewegung) sind daher grundsätzlich auf die Werktage zu verlegen. 2. Für die Erziehungsarbeit der Reichsjugendführung (H.-J.-Bewegung) wird den ihr unterstellten Schülern der Sonnabend als schulfreier Tag eingeräumt (Staatsjugendtag). Daneben steht der Reichsjugendführung (H.-J.-Bewegung) der Mittwochabend als Heimabend zur Verfügung, der von der Reichsjugendführung zentral gestaltet wird. Für die der Reichsjugendführung (H.-J.-Bewegung) unterstehenden Schüler fallen die bisherigen Sportnachmittage weg. 14