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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-09-01 · 6 (1.9.1934) · p. Seite 11

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
6 (1.9.1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Genehmigung zu diesem Unterricht von ihrer Aufsichtsbehörde verweigert wurde. Es ist den Bemühungen des Provinzialverbandes gelungen, die Regierung zur Aufhebung dieses Verbotes zu bewegen. Als die beste Lösung des Problems sieht es freilich der Verband an, durch Zusammenschluß mehrerer Gemeinden die Erhaltung bestehender oder die Schaffung neuer Lehrerstellen zu ermöglichen, um dadurch Existenzmöglichkeiten auch für solche Lehrer zu schaffen, die nicht durch staatliche Gehälter oder Pensionen gesichert sind. In dieser Richtung ist er unablässig und teilweise auch schön mit Erfolg bemüht gewesen. Die Erreichung des gewünschten Zieles ist zu einem guten Teil von der Einsicht der Gemeinden und dem das eigene Interesse zurückstellenden Gemeinsinn der Lehrer abhängig. Seine besondere Aufmerksamkeit hat der Provinzialverband schon seit vielen Jahren auch der geistigen Betreuung der Kleingemeinden zügewendet. Im Jahre 1933 haben mehrere Lehrer aus Mitgliedsgemeinden im Aufträge des Verbandes und mit finanzieller Unterstützung des Preußischen Landesverbandes Vorträge in Kleingeineinden gehalten, die überall mit großer Dankbarkeit aufgenommen wurden. Leider haben die Gemeindevorstände diesen Bestrebungen bisher nicht überall das ihnen gebührende Interesse entgegengebracht. In voller Übereinstimmung mit dem Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau und dem Preußischen Landesverband wird der Provinzialverband auch weiter daran arbeiten, den Glaubensgenossen in den kleinen Gemeinden das Gefühl der Isoliertheit und Verlassenheit zu nehmen und die Verbindung mit ihnen in jeder Weise zu pflegen. Umfangreich war auch die beratende Tätigkeit der Verbandsleitung, die sich auf die verschiedensten Gegenstände des Gemeindelebens und die Gemeindeverwaltung erstreckte. Verschiedentlich sind auch Verhandlungen mit Behörden geführt worden. In einem Fall ist die zuerst abgelehnte Zugehörigkeit einer Gemeinde zur Beamtenpensionskasse auf Grund der erhobenen mündlichen und schriftlichen Vorstellungen dann doch anerkannt und die Zahlung des Ruhegehalts eines pensionierten Lehrers dadurch sichergestellt worden. Die Arbeit für den Sozialen Ausschuß und die Provinzialstelle für jüdische Wirtschaftshilfe liegt zwar in denselben Händen wie die Leitung des Provinzialverbandes, wird aber doch selbständig! und unabhängig von der eigentlichen Verbandsarbeit geleistet. Ihr Umfang stellt seit einer Reihe von Monaten alle übrige Arbeit im Provinzialverband stark in den Schatten. Insbesondere ist es die Provinzialstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, die eine von Monat zu Monat steigende Bedeutung gewinnt. Die Zahl der von ihnen — fast durchweg schriftlich, oft in umfangreicher Korrespondenz — bearbeiteten Wirtschaftshilfsfälle belief sich in der letzten Zeit auf 130—140 monatlich. Im ganzen hat die Stelle bisher etwa 100 junge Menschen zwecks Berufsausbildung oder Berufsumschichtung betreut, und daneben auch einer großen Anzahl stellungslos gewordener junger Leute zu einer neuen Beschäftigung verholfen. Sie hat ferner in einer Reihe von Fällen durch kleinere Beihilfen zur Erhaltung gefährdeter geschäftlicher Existenzen oder zur Erlangung neuer Erwerbsinöglichkeiten beigetragen. Ihre Ausgaben'betrugen im ersten Jahr des Bestehens der Wirtschaftshilfe ungefähr 14.000.— RM, wobei zu berücksichtigen ist, daß die starke Inanspruchnahme der T’rovinzialstelle durch die Berufsumschichtungsfälle erst um die Jahreswende eingesetzt hat. Als eine Anerkennung der Tätigkeit der Provinzialstelle für Wirtschaftshilfe kann es betrachtet werden, daß sich ihr im Laufe des letzten Jahres auch verschiedene westfälische Gemeinden angeschlossen haben, die bisher dem Verband der Synagogengemeinden Westfalens nicht angehören. Die jüngste Schöpfung des Provinzialverbandes ist die in den letzten Wochen nach langwierigen Vorarbeiten geglückte Errichtung einer Bezirks-Darlehnskasse für die Mitglieder westfälischer Gemeinden, die ihre Tätigkeit nun bald aufnehmen wird. Der Provinzialverband und die ihm angeschlossenen Stellen arbeiten in ständiger enger Verbindung mit dem Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, der Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe und den anderen großen zentralen jüdischen Organisationen. Wie er sich selbst als dienendes Glied in die Gesamtheit einfügt, so wird er auch weiterhin bestrebt sein, in den Gemeinden der Provinz Westfalen das Gefühl für die Verpflichtung jüdischer Verbundenheit wachzuhalten. Zur Frage der Cesamtorganisation der deutschen Juden Eine bedeutsame Äußerung der Berliner Jüdischen Gemeinde. Vorbemerkung. Die Notwendigkeit einer zweckvollen und straffen Zusammenfassung aller jüdischen Kräfte in Deutschland wird allerorten immer stärker empfunden? die Tatsache, daß diese Kräfte in den Gemeinden wurzeln, daher denn auch die Gemeinden und Gemeindeverbände die Grundlage eines derartigen Zusammenschlusses bilden müssen, wird .immer klarer erkannt, wurde insbesondere von unserm Preußischen Landesverbnnd jüdischer Gemeinden seit Jahren verfochten. — Die größte Gemeinde des Reiches, Berlin, ist zugleich die größte unseres Verbandes, ihre Stellungnahme in der so wichtigen Frage der jüdischen Gesamtorganisation deshalb auch für die Leser dieses Blattes bedeutsam. Der nachfolgende, aus dem Berliner Jüdischen Gemeindeblatt Nr. 30 vom 18. August 1934 übernommene Aufsatz zeigt, daß die Leitung der Berliner Jüdischen Gemeinde die Sorgen, Nöte und Aufgaben der deutschen Juden keineswegs nur einseitig vom Blickpunkt des Berliners oder auch nur des Großstädters ansieht, sondern daß sie sich der Verpflichtung gerade auch gegenüber den Glaubensgenossen in Mittel- und Kleingemeinden klar bewußt ist. * Bange Fragen umsäumen den Weg der deutschen Judenheit. Wie kann das Leben unserer Kinder, die an den Kindheits- und Jugenderlebnissen der Nachbarkinder so vielfach nicht teilnehmen dürfen, würde- und inhaltsvoll gestaltet werden? Wie kann das Leben all jener Männer und Frauen neu geformt werden, die durch die tiefgreifende Wandlung aller Verhältnisse in ihrer wirtschaftlichen Grundlage erschüttert wurden und nicht selten auf neuer Basis zu mühseligem Neuaufbau gezwungen sind? Wie kann ihnen allen jüdischer Geist und jüdisches Geschichtsbewußtsein so nahe gebracht werden, daß sie ihr Schicksal zu tragen, ja zu überwinden vermögen, wie es die Vorväter taten? Die deutsche Judenheit, als Gesamtheit betrachtet, durchlebte Jahrzehnte der Sorglosigkeit, Jahrzehnte der Unbekümmertheit. Sie sind gewichen, ein neuer Abschnitt jüdischer Geschichte begann. Diese Erkenntnis ist zur Grundlage der jüdischen Arbeit geworden. Wer heute dazu beryfenist, an verantwortlicher Stelle jüdische Zukunft mitzuformen, der muß wisse ir, daß nicht Wiederkehr des Vergangenen, sondern Neugestaltung einer besseren Zukunft von.ihm erstrebt werden muß. Und wer heute im jüdischen Gemeindeleben zu führen berufen ist, der muß wissen, daß der Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinden in der Gegenwart nicht durch Theorien bestimmt werden darf, sondern von den Notwendigkeiten des Lebens gestaltet werden muß. Die deutschen jüdischen Gemeinden dürfen mit Stolz von sich behaupten, daß in ihnen mit schneller Entschlossenheit auf den verschiedensten Gebieten die Wege gewiesen und begangen wurden, die notwendig und möglich waren. Von dem, was in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, als der größten Gemeinde, geleistet ist, ist oft 11

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