Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 6 (1.9.1934)
- Date
- 1934-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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überhaupt erfordern. Zur Vereinfachung und besseren Uebersicht ist vorgesehen, daß jeder Vertrauensmann eines Bezirkes von seiner Stelle aus kleinere Bücherpakete mit durchschnittlich 20 Büchern auf Anfordern an eine ein-' zelne Gemeindeverwaltung, bezw. an ein von dieser bestimmtes Gemeindemitglied sendet, die ihrerseits die Verteilung der Bücher innerhalb der Gemeinde übernehmen. --. .... -- — ■ ,A ■ - *3. kt 44 üi Der Sundenfall Aus einer italienisdien Bibel des XIII. Jahrhunderts •s Die Auswahl der Bücher für die Einzelpakete wird so getroffen werden, daß sich der ganze Umfang jüdischen Wissens und jüdischer Bildung in ihnen widerspiegelt. Nach Ablauf einer bestimmten Frist hat die Rückgabe der Büchersendung an den Vertrauensmann des Bezirkes zu erfolgen, der nunmehr die Bücher an andere Gemeinden verschicken kann. Es soll hierbei für raschen Umlauf gesorgt werden, damit möglichst viele Gemeinden in kürzerer Zfiit mit Büchern versorgt werden können. Eine Leihgebühr wird nicht erhoben, doch ist für den einzelnen Band ein Unkostenbeitrag von 10 Pfennig vom Leser zu entrichten. Unbemittelte werden von dieser Zahlung befreit sein. Die laufenden Unkosten der Bücherei sollen durch die Unkostenbeiträge gedeckt werden, so daß die vom Landesverband aufzubringenden Mittel im wesentlichen auf die einmaligen Anschaffungs- und Einrichtungskosten beschränkt bleiben. Da eine Bücherversendung in diesem größeren Umfang bisher noch nicht vorgenommen wurde, besteht für den Anfang eine gewisse Gefahr, daß die in kurzen Zügen angedeutete Durchführung des Plans, für den im übrigen genaue Richtlinien ausgearbeitet worden sind, nicht immer völlig reibungslos verlaufen wird. Wir erwarten aber von jedem einzelnen von vornherein soviel Verantwortungsgefühl, daß er durch pflegliche Behandlung der Bücher und sorgfältige Beachtung der Bestimmungen das seinige dazu tut, an diesem geistigen Güteraustausch innerhalb eines möglichst großen jüdischen Leserkreises mitzuwirken. Somit ist in wenigen Monaten zu derAbhaltungder Kulturabende, der Ausgestaltung des Verwaltungsblattes des Landesverbandes zu einem Gemeindeblatt als dritte Maßnahme, die der Behebung kultureller Not dient, die Schaffung der Wanderbücherei getreten. Wir empfinden besondere Freude darüber, von dieser neuen Einrichtung zu Beginn des neuen religiösen Jahres der jüdischen Oeffentlichkeit Kenntnis geben zu können, und wünschen unseren Gemeinden und uns ein volles Gelingen dieses Werkes. Wenn sich im neuen Jahre, wie wir erwarten, die ersten Ergebnisse der neaerdtngs vom Preußischen Landesverband planmäßig betriebenen Lehrerfortbildung, über die im amtlichen Teil dieser Nummer näheres zu finden ist, auswirken werden, dürfen wir eine weitere wertvolle Ergänzung der kulturellen Arbeit erhoffen. Damit werden die ersten Ansatzpunkte für die zurzeit so viel erörterte jüdische Erwachsenenbildung geschaffen sein, denn die Maßnahmen des Preußischen Landesverbandes werden nicht nur diejenigen zu geistigem Streben heranziehen, die erst durch die Ereignisse des vergangenen Jahres von jedem geistigen Verkehr abgeschnitten wurden. Darüber hinaus wird es gelingen, auch alle diejenigen Kreise zu erfassen, die längst vor dieser Zeit in geistige Erstarrung gerieten und denen der Zugang zu jüdischen Dingen verschüttet war. So wird der Preußische Landesverband zu seinem Teil dazu beitragen, kulturelles Neuland zu erschließen] Aus derTätigkeit der Provinzialverbände Wir beginnen heute mit dem Abdruck einer größeren Anzahl von Tätigkeitsberichten der jüdischen Provinzialverbände. Die Berichte zeigen eine erfreuliche Zunahme der Arbeitsleistungen und vermehrte Regsamkeit des jüdischen Gemeinschaftslebens. Daß in den Berichten nachdrücklich auf den Anteil hingewiesen wird, den der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden durch materielle und ideelle Förderung der Provinzialverbandsarbeiten an der Bewältigung all der neuen Aufgaben hat, ist uns eine besondere Genugtuung und soll uns Ansporn sein, immer wieder den Glaubensgenossen in den Mittel- und Kleingemeinden in ihrem schweren Kampf gegen seelische und wirtschaftliche Not beizustehen und dabei auch die so außerordentlich segensreich wirkenden Provinzial verbände in ihrer aufopferungsvollen Arbeit zu unterstützen. I Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens von Reditsanwalt Dr. Arthur Ehrlich, Königsberg Pr. Weit eher, als in irgendeinem der anderen Landesteile Preußens das Erfordernis eines Zusammenschlusses der jüdischen Gemeinden auch nur empfunden wurde, ist er in Ostpreußen in die Tat umgesetzt worden. Die Sonderstellung unserer Provinz, als Grenzpfosten des deutschen Judentums, ehemals aber auch als Brückenpfeiler für die in religiöser Hinsicht unleugbar wertvollen, Elemente des jenseitigen Kulturkreises, trat in die Erscheinung, lange Lichtanzünder Aus einer lialienisdien Bibel des XIII. Jahrhunderts V WiJ ■ S' bevor unsere Heimat Deutschlands Exklave geworden war. Bereits am 24. September 1880 wurde in Insterburg der Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens gegründet. Er setzte sich zum Ziele, den Glaubensgehalt des Ostens 8