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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-09-01 · 6 (1.9.1934) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
6 (1.9.1934)
Date
1934-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Haggadah von Serajewo oder jene der Darmstädter Landesbibliothek, deren Miniaturen oder Initialen feinste Koloristik, höchste Erzählergabe verraten. Als dann gegen Ende des Mittelalters das geschriebene Buch dem gedruckten weicht, da werden in Italien, aber auch in nordischen Ländern, sakrale Bücher gedruckt, die zu den schönsten Proben der Buchkunst gehören. Von den alten Synagogen ist ja leider nur sehr wenig erhalten. Diese in voller Öffentlichkeit stehenden Denkmäler sind mit den öffentlichen Schicksalen der Juden stärker verflochten gewesen und haben unter ihren vielfachen Verfolgungen mit zu leiden gehabt. Aber man braucht nur an die Synagoge in Worms zu erinnern, die erst vor kurzem ihr 900jähriges Bestehen feiern konnte, um sich klarzumachen, welch' ehrwürdiges. Alter einige dieser Kulthauten besitzen. Italien, in dem die Juden besondere Freiheiten genossen, hat auch manchen seiner Synagogen eine besondere Prachtentfaltung ermöglicht, die sich den Denkmälern ihrer Renaissance- oder Barockkunst würdig zur Seite stellt. Gegenüber so repräsentativen Bauten erscheinen die polnischen Holzsynagogen des 17. und 18. Jahrhunderts oder jene kleinen Fachwerkbauten im Frankenlande als schlichte dörfliche Kunst. Aber das soll kein abschätziges Urteil bedeuten, denn auch in dieser Einfachheit liegt ein köstlicher Reiz, und besonders die polnischen Holzsynagogen haben eine Stimmung, die uns gerade um ihrer Schlichtheit willen ans Herz greift. Das alles macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und wenn es hier aufgezählt wurde, so ist der Zweck nur dieser, immer wieder daTauf hinzuweisen, daß wir Juden ein kostbares Erbe verwalten. Gewiß, die Not ist heute so groß, daß , die wirtschaftlichen Gesichtspunkte in den Vordergrund drängen. Aber sie dürfen nicht als die einzigen gelten. Was es heut zu, stützen gilt, ist nicht nur der einzelne Jude, es ist das Judentum selbst. Und gerade die künstlerische Leistung hat es in ihrer weiten Sichtbarkeit, ihre^ sofortigen Wirkung, ihrer bezwingenden Anschaulichkeit an sich, von der Lebendigkeit und Judentums Zeugnis zu geben. Sederplatte aus Zinn Schöpferkraft dieses Wir erschließen kulturelles Neuland! Von Dr. Hermann Schildberger - Berlin. Kulturelle Hilfe tut not! — so schrieben wir in der diesjährigen Mai-Nummer unseres Blattes. Wir wiesen auf die dringende Notwendigkeit hin, die Betreuung, die der Preußische Landesverband seit jeher den kleinen Gemeinden hat zuteil werden lassen, infolge der geistigen Isolierung der Juden in den Mittel- und Klein-Gemeinden auch auf das kulturelle Gebiet zu erstrecken, und kündigten als erste Maßnahme die Veranstaltung von Kultur- Abenden in Kleingemeinden an. Inzwischen sind, wie in diesen Blättern zu lesen war, vom Preußischen Landesverband gemeinsam mit dem Zentral-Ausschuß für Hilfe und Aufbau Kulturfahrten in annähernd 100 Gemeinden unternommen worden. Durch den außerordentlichen und unbestrittenen Erfolg der Kulturabende, der alle Erwartungen weit übertroffen hat, ist die Zweckmäßigkeit dieser Hilfsmaßnahme vollauf bewiesen. Landesverband und Zentral-Ausschuß werden deshalb .in. nächster Zeit Kulturveranstaltungen überall dort abhalten lassen, wo sie bisher noch nicht stattgefunden haben. Alsdann werden sie bemüht sein, dem Verlangen der Gemeinden nach einer Fortführung dieser Abende in regelmäßigen Zeitabständen zu entsprechen. Die kulturelle Arbeit des Preußischen Landesverbandes darf sich jedoch nicht allein auf diese Tätigkeit beschränken. So außerordentlich stark und oft überwältigend die Wirkung einer einzelnen Veranstaltung gerade fluch durch den persönlichen Kontakt mit den Zuhörern sein mag, — und auf unseren Fahrten regelmäßig gewesen ist —, so kann doch der Nachhall dieses einmaligen Erlebnisses nicht von wirklicher Dauer sein. Der besondere Wert der Einzelveranstaltung liegt in der Anregung, die der Zuhörer durch sie empfängt, und in der geistigen und seelischen Auflockerung, die die Anregung zur Folge hat. Es ist also erst der Boden für eine geistige Arbeit vorbereitet, und es muß nunmehr die weitere Aufgabe darin bestehen, die Aufgeschlossenheit des Einzelnen fruchtbar zu machen, das einmalige Erleben hinüberzuleiten zu einem dauernden ,,Lernen“, den zunächst von außen her empfangenen Xnreiz als zündenden Funken zu nutzen und so den Drang nach einer in die Tiefe gehenden und dauernden Beschäftigung mit jüdischem und allgemeinem Geistesgut zu erwecken und aufrecht zu erhalten. Diese notwendige und wichtige ~ Ergänzung kann in umfassender Weise durch das Buch geschehen. Es gilt daher, das jüdische Buch — jüdisch hier in einem ganz weiten Sinne gemeint — an den Einzelnen heranzubringen, insbesondere dort, wo bisher keine oder nur geringe Möglichkeiten bestanden, geeignete Bücher sich zugänglich zu machen. Für diese Zwecke ist soeben durch den Preußischen Landesverband eine Bibliothek geschaffen worden, die als Wanderbücherei für die Provinzgemeinden Verwendung finden soll. Sie wird zunächst aus etwa 2000 Bänden bestehen. Die Bücher werden aus allen wichtigen Gebieten jüdischen Wissens und jüdischer Bildung, abgestuft nach der Bedeutung und dem Interesse, das sie für den Leser haben, gewählt. Aus dem Gebiete des jüdischen Wissens seien genannt: Geschichte, Kulturgeschichte, Gegenwartskunde, Palästinakunde, Religionswissenschaft, Literaturgeschichte, Biographien und Memoiren. Zu den Büchern, die jüdische^ Bildung vermitteln, sollen einerseits die jüdische Literatur aller Zeiten, Uebersetzungen aus der hebräischen und jiddischen Literatur gehören, andrerseits moderne Belletristik jüdischen Inhalts und jüdischer Autoren. Die technische Durchführung dieser Wanderbibliothek wird in der Weise geschehen, daß von Berlin aus Bücherkisten mit einem gut sortierten Inhalt an Vertrauensleute geschickt werden, die die Aufsicht über einen Bezirk erhalten und die Verteilung in diesem durchführen. Es können demnach Einzelbestellungen bei der Verwaltung der Bibliothek in Berlin nicht vorgenommen werden. Ein derartiges Verfahren würde einen großen Verwaltungs- Apparat, höhere Unkosten und eine größere Bibliothek 7

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