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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-08-01 · 5 (1.8.1934) · p. Seite 13

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
5 (1.8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Amtlicher Teil Tagung des Großen Rats des Preußisdien Landesverbandes Am 24. Juni 1934 trat der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nach längerer Pause in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Der Präsident, Kammergerichtsrat i. R. Leo Wolff gedachte zunächst in ehrenden Worten der verstorbenen Ratsmitglieder Naphtali Fromm, Frankfurt am Main, und Emil Waldstein, Breslau, und dankte alsdann den Herren Geheimrat Goldfeld, Breslau, und Schocken, Berlin, die ihr Mandat niedergelegt hatten, für ihre treue Mitarbeit. Als neueingetretene Ratsmitglieder begrüßte er Stadtrat a. D. Georg Leß (Breslau), I. M. Goitein (Frankfurt a. M.) und Dr. Friedrich Ollendorf (Berlin). An diese Begrüßung knüpfte der Präsident Ausführungen über die Lage des deutschen Judentums, wie sie sich durch die völlige Veränderung der politischen Verhältnisse in Deutschland gestaltet hat. Das Judentum müsse dem Rechnung tragen, aber seine Haltung dürfe der inneren Würde nicht entbehren, damit sie das dereinstige Urteil der Geschichte nicht zu scheuen brauche. Des weiteren wies der Präsident auf das Verhältnis zur Reichsvertretung der deutschen Juden. hin, auf die die Zuständigkeit in politischen Angelegenheiten zum großen Teil übergegangen sei, und erklärte, daß das Verhältnis zwischen Preußischem Landesverband jüdischer Gemeinden und Reichsvertretung der deutschen Juden ein herzliches und freundschaftliches sein müsse, damit eine dauernde Fühlungnahme und Zusammenarbeit möglich ist. Die Sitzung, die nur durch eine kurze Mittagspause unterbrochen wurde, dauerte von_ morgens 10 bis abends 8'/4 Uhr. Es fanden zunächst Neuwahlen in den Engeren Rat statt. Für den ausgeschiedenen Schriftführer Geheimrat Goldfeld wurde Stadtrat a. D. Leß und für den Beisitzer S. Schocken Rabbiner Dr. Emil L e v y in den Engeren Rat gewählt. Ueber die verschiedenen Tätigkeitsgebiete des Landesverbandes erstatteten die zuständigen Dezernenten ausführliche Berichte, die ein umfassendes Bild der gesamten und besonders innerhalb des letzten Jahres erweiterten Arbeit des Landesverbandes ergaben. Aufreehterhaltung und Subventionierung leistungsschwacher Gemeinden. Als Erster berichtete der stellvertretende Präsident des Rates, Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, über die in sein Dezernat fallenden Hauptgebiete des Landesverbandes, die Aufrechterhaltung und Subventionierung leistungsschwacher Klein- und Mittel-Gemeinden. Der Landesverband, so führte Dr. Klee aus, sei ins Leben gerufen worden, um zwischen den relativ besser gestellten Großgemeinden und leistungsschwachen Kleingemeinden eine Ausgleichsstelle zu schaffen, damit auf diese Weise das jüdische Leben in den kleinen und kleinsten Gemeinden aufrecht erhalten werde. Während aber in früheren Jahren diese Arbeit wesentlich durch die Mittel der vom Preußischen Staat gewährten Beihilfe gestützt wurde, käme diese Beihilfe zur Zeit in Fortfall. Trotzdem hat der Landesverband seine Arbeit auf diesem Gebiete im vollen Umfang aufrecht erhalten, weil er sich klar darüber ist, daß die Gemeinden die eigentlichen Träger jeglichen jüdischen Lebens sind. Dr. Klee drückte seine Genugtuung darüber aus, daß trotz gewisser Einsparungen, die infolge der veränderten Verhältnisse nötig waren, der Landesverband die für die kleinen Gemeinden erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen konnte. Solange die Staatsbeihilfen nicht gewährt werden, wird es nötig sein, aus eigenen Mitteln des Landesverbandes, h. durch die Aufbringung der Beträge durch die noch leistungsstärkeren Gemeinden selbst, dieses große Hilfswerk durchzuführen. Die große Sparsamkeit, die der Landesverband in allen Teilen ausübt und auch auszuüben gezwungen ist, muß dahin führen, daß vielfach neue Ideen und Aufgaben verwirklicht und neue Arbeitsgebiete erschlossen werden, ohne daß hierfür neue geldliche Bei lastungen entstehen. Alb lehrreiches Beispiel führte der Redner die diesjährige i Pessachaktion des Landesverbandes an. Man hätte klauben sollen, die Veranstaltung von Pessachfeiern aHer, jüdischen Gemeinden sei eine Selbstverständlichkeit, lflennoch hat sich gezeigt, daß in vielen kleinen Gemeinde^ und vor allen Dingen da, wo es sich um versprengte einzelne Familien handelt, erst durch die Anregung des Landesverbandes Pessachfeiern veranstaltet worden sind, so daß hier tatsächlich ohne Bereitstellung von Geldmittel^ fruchtbarste jüdische Gemeinschaftsarbeit geleistet , werden konnte. In ähnlicher Weise werde der Landiesverband weitere Tätigkeit entfalten. Diese Ausführungen! ergänzte sodann der zweite stellvertretende Ratspräsident, Landgerichtsrat a. D. Dr. Arthur Lilienthal ins besondere durch Beibringung instruktiven Zahlenmaterials. So konnte Dr. Lilienthal.beispielsweise darauf hinv'eisen, daß im abgelaufenen Geschäftsjahr als Beihilfen an leistungsschwache Gemeinden einschließlich der Unteijstützungsgelder für Kultusbeamte im Ruhestande oder deren Hinterbliebene insgesamt ca. 250.000 RM bezahlt worden sind. Auf diese Weise sind im ganzen etwa 250 Gemeinden vom Landesverband subventioniert worden. j Kulturarbeit in den Klein- und Mittelgemeinden. Hand in Hand mitj der finanziellen Hilfe gehen diejenigen Arbeiten, die dazu beitragen, das religiöse und geistige Leben in den kleinen Gemeinden zu erhalten und zu vertiefen. Jede noch so kleine Gemeinde wird, soweit sie nicht durch ein Bezirksrabbinat erfaßt ist, nach eigens für jede Provinz aufgestelltem Pjlan von Rabbinern oder sonst geeigneten Persönlichkeiten in regelmäßigen Abständen religiös und seelsorgerisch [betreut. Darüber hinaus wird der großen Isolierung, in der sich die Juden auf dem Lande und in der Provinz befinden, durch eine weitgehende kulturelle Betreuung entgegengewirkt. Diese besteht zunächst in der Umgestaltung des Verwaltungsblattes in ein Gemeindeblatt für diejenigen Gemeinden, die kein eigenes Gemeindeorgan besitzen, ferner in der Einrichtung einer Versandbücherei und vor allem in der Veranstaltung von Kulturfahrten, über die in den letzten Nummern des Verwaltungsblattes ausführlich berichtet worden ist und die, wie zahlreiche aus den Gemeinden an den Landesverband gerichtete Schreiben beweisen, überall lebhafte Begeisterung hervorgerufen haben. Diese Kulturfahrten werden gemeinsam mit dem Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau durchgeführt. Die Referate über diesen wichtigen Teil d :r Landesverbandsarbeit erstatteten die Dezernenten Frl. Dr. Berent und Dr. Aron Sandler, von denen letztgenannter auch über die Arbeit berichtete, die im Zusan menwirken mit dem Gesamtarchiv der Deutschen Juden lür die Erhaltung jüdischer Kunstdenkmäler in verstärktem Maße wieder aufgenommen ist. Lehrerausbildung und Sehulangelegenheiten. Die völlige Umge: italtung der Verhältnisse und die fortschreitende Errichtung jüdischer Volksschulen hat dazu geführt, daß der Landesverband, der schon immer der Ausbildung jüdiscier Lehrer sein Augenmerk zugewendet hatte, auch au 1 diesem für das Judentum lebenswichtigen Gebiete seine Arbeit erweitern mußte. Für die Heranbildung konservativer Volksschullehrer steht im ganzen Reiche das Würzburger Seminar zur Verfügung. Für den zahlenmäßig bedeutend größeren Kreis religiös liberaler Glaubensgent ssen mußte eine Stelle zur Ausbildung von Volksschu llehrem ins Leben gerufen werden. Ueber die in Berlin e ngerichteten Kurse berichtete Rabbiner Dr. Galliner eingehend. Er wies ferner auf die bereits im vergangenen Jahre eingerichteten Kurse hin, die für die aus dem Staatsdienst ausgeschiedenen Studienräte, -Assessoren und - Referendare abgehalten werden, um 13

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