Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 5 (1.8.1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Felsenspalten funkelnd Gestein. Auf seines Wesens Grunde Noch strahlt dem Volk sein göttliches Gut. Sammelt euch zum Werk! Enthüllet verschüttete Fluten Lichts. Makkabisöhne, Enthüllet das Licht, erhöht das Geschlecht! So wuchs er mitten in dem rastlosen wirtschaftlichen Aufbau, im Kampf der Parteien und Weltanschauungen, im gärenden Keimen der neuen Zeit zu einer repräsentativen geistigen Persönlichkeit des neuen Palästina. Bialik wurde 1873 in einem wolhynischen Dorf geboren und erwarb als Jüngling umfassende Kenntnisse der rabbinischen Literatur. Erst im neunzehnten Jahre lernte er die russische Sprache. Um diese Zeit entsteht sein erstes hebräisches Gedicht. Aus dem bolschewistischen Rußland verlegt er seinen Wohnsitz erst nach Deutschland, 1924 nach Palästina (Tel Awiw). Die reflektierende Art seiner hebräischen Lyrik, der prophetische Schwung seiner Volkspredigt sind besondere Merkmale seines Schaffens. Seine dichterische Tätigkeit ist in dem letzten Jahrzehnt gegenüber seiner volkserzieherischen zurückgetreten. Ihm verdankt das neue Palästina unter anderen Kulturschöpfiingen auch die altneue Form der „Sabbatfreude *, den „Oneg Schabbath“. Am Schluß unserer Gedenkworte wollen wir jene Verse Heinrich Heines — dessen lyrische Gedichte Bialik ins Hebräische übertragen hat — dem Dichter von neuem als Huldigung darbringen, mit denen Heine in den „Hebräischen Melodien“ einen anderen Meister der hebräischen Poesie, Jehuda Halevi, gefeiert hat: Ja; er ward ein großer Dichter, Seines Volkes Licht und Leuchte, Stern und Fackel seiner Zeit, Seines Volkes Licht und Leuchte, Eine wunderbare, große Feuersäule des Gesanges — Wie im Leben, so im Dichten Ist das höchste Gut die Gnade. Was muß geschehen? Von Lehrer und Kantor Freudenthal, Burtzlau (Schles.) Vorbemerkung der Schriftleitung. Den nachfolgenden Ausführungen des Herrn Lehrer Freudenthal geben wir um so lieber Raum, als durch sie erneut die Aufmerksamkeit auf die seelische und materielle Not in den Kleingemeinden hingelenkt wird. Gewisse Einzelheiten allerdings sind vom Verfasser nicht richtig gesehen und können von uns nur mit Vorbehalt hier wiedergegeben werden. So entspricht es z. B. nicht den Tatsachen, daß „die vom Preußischen Landesverband bis zum 1. April 1933 gezahlten Zuschüsse zu den Etats der Kleingemeinden aus bekannten Gründen ganz oder teilweise eingestellt worden" seien, und daß hierdurch „die Kleingemeinden seit jener Zeit bei abnehmender Steuerkraft auf sich ganz allein angewiesen“ seien. Aus dem an anderer Stelle dieses Blattes abgedruckten -Bericht über die Tagung des Großen Rates geht ja im Gegenteil hervor, daß auch nach Fortfall der Staatszuschüsse der Landesverband insgesamt jährlich 250 000 RM an die Kleingemeinden und ihre Beamten ausgeschüttet hat. Es ist selbstverständlich, daß der Landesverband hierbei die Etats neu überprüfte, und wenn er in Einzelfällen zu dem Ergebnis kam, daß der früher gezahlte Zuschuß ohne Gefährdung der betreffenden Gemeinde ganz oder teilweise gestrichen werden könne, so hat er damit nur seine selbstverständliche Pflicht gegenüber der Gesamtheit erfüllt, weil jede derartige Einsparung an anderer Stelle zur Aufrechterhaltung jüdischen Lebens eingesetzt werden konnte. Grundsätzlich irrt der Verfasser, wenn er meint, die kulturelle und materielle Not der Kleingemeinden sei erst jetzt „entdeckt“ worden. Es mag sein, daß dieses Thema von der jüdischen Presse neuerdings noch ausgiebiger behandelt wird als in früheren Jahren, es mag sein, daß die jüdische Oeffentlichkeit auf das Problem in jüngster Zeit stärker aufmerksam geworden ist als bisher; aber von allen verantwortlichen Stellen sind diese Dinge stets gesehen und — was das Wichtigste ist — bearbeitet worden. Insbesondere der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden ist ja im Jahre 1922 geradezu zu dem Zwecke gegründet worden, eine Lastenausgleichstelle zwischen den zahlungskräftigeren und den leistungsschwachen Gemeinden zu sein. Diese Aufgabe hat er stets erfüllt, und seine Leistungen auf diesem Gebiete sind stets anerkannt worden. Wenn nun in der letzten Zeit, als mit der immer weiter anwachsenden materiellen Not auch die seelische Not in den Klein- und Mittelgemeinden immer stärker anstieg, der Landesverband durch Veranstaltung der seither viel erörterten Kulturfahrten auch eine Art „seelischen Lastenausgleich“ herzustellen bestrebt ist, so ist er hierbei weit entfernt von jener „Ueberheblichkeit des Großstädters", die der Verfasser des nachfolgenden Aufsatzes beobachtet haben will. Solche unangebrachten Regungen mögen bei einzelnen auf Reisen befindlichen Privatpersonen Vorkommen; jede verantwortungsbewußte jüdische Gemeinschaftsarbeit aber wird von dem Geiste getragen, von dem auch unser Landesverband seit seiner Gründung sich leiten ließ und die ihn auch fürderhin beseelen wird: von dem Geiste brüderlicher Verbundenheit und von dem Wissen, daß wir deutschen Juden ohne Unterschied tatkräftig für einander einzustehen haben. Die vielen und begeisterten Zuschriften, die wir aus den bei den Kulturfahrten besuchten Gemeinden erhalten haben, zeigen auch, daß es sich dabei nicht um die vom Verfasser etwas belächelte Suggestiv-Wirkung gehandelt hat, nicht um große Worte, die bei näheren Zusehen nur schöne Redensarten wären. Sondern unsere Redner haben in den Kleingemeinden über die Arbeit der jüdischen Zentralstellen berichtet, über all das, was durch soziale Hilfe, Arbeitsvermittlung, Kredithilfe, Berufsuinschichtung, Jugendbildung usw. zur Erhaltung und zum Wiederaufbau des deutschen Judentums geschieht. Also um Tatsachen - Berichte handelt es sich, die allerdings auch in den Hörern der Kleingemeinden Zuversicht, Vertrauen und Arbeitswillen wieder weckten. Denn die führenden Stellen des deutschen Judentums können ihrer schweren Pflicht im Dienste der Gesamtheit nur nachkommen, wenn diese Gesamtheit von dieser Arbeit weiß und durch ihr Vertrauen sowie durch ihre Mitarbeit sie trägt. Weil solch ein Wille zur Gemeinschaftstat auch dem Verfasser des hier folgenden Aufsatzes die Feder geführt hat, und weil seine Ausführungen geeignet sind, unsere Leser auf die Notwendigkeit opferbereiter Gemeinschaftstat hinzuweisen, mögen sie — trotz mancher sachlicher Irrtümer im einzelnen — hier Raum finden. * * * In Nr. 2 diesen Organa des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden beschäftigen sich mehrere Aufs&tze mit den Verhältnissen der Kleingemeinden und im Juniheft wird diese Betrachtung fortgesetzt in den Berichten der Bezirksrabbiner und in einem Artikel „Kulturfahrten des Landesverbandes“. Aber auch in anderen jüdischen Blattern erscheinen regelmUig Berichte von Zeitungskorrespondenten über die Not der Kleingemeinden. Neben manchem Zutreffenden liest man da auch viel oberflächlich und flüchtig Geschautes und daher Nichtzutreffendes. Eins aber bat die jüdische Gemeinschaft, oder sagen wir, die in den großen Organisationen zusammengeschlossene jüdische Gemeinschaft richtig erkannt: Die Kleingemeinden sind ein wertvoller Bestandteil des deutschen Judentums, sie müssen erhalten bleiben, den K 1 e i n g e m e i n d e n muß geholfen werden. Hat man nun aus dieser Erkenntnis die not- 10