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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-08-01 · 5 (1.8.1934) · p. Seite 9

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
5 (1.8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mit der Erwartung des Messias schließen Flegs „Moses“ und „Salomo“. Solange der Messias nicht herrscht, ist der böse Trieb Gottes Werkzeug in der Welt, als ein Weg zur Erkenntnis, den Gott Moses vorenthielt. Der böse Trieb aber bringt Salomo dahin, nicht mehr gottgefällig zu wandeln, daß die heidnischen Frauen Macht Uber ihn gewinnen, statt daß er sie zum Gotte Israels bekehrt, was seine Absicht war. Als Salomo die ägyptische Pharaonentochter heimführt, legt Michael, der Judeh und der Deutschen Erzengel, den Grundstein zu Rom, das Israels Zuchtrute wurde. Zwei Leitmotive durchziehen die biblischen Dichtungen Edmond Flegs: daß die Thora die Thora bleibt, unbeschadet aller Wandlungen, die sie im Lauf der Zeiten erfährt. Und daß sich das Blut der Völker dem Blute Israels einen muß, auf daß die Einung der Welt geschehe. Es sind Apologien des Judentums und Erzeugnisse einer orientalisch-französischen Kultursynthese, wie sie es schon einmal im französischen Ritterroman gegeben hat. Wie der deutsche Philosoph Constantin Brunner nimmt auch er Jesus für das Judentum in Anspruch wie die katholische Kirche das Mädchen von Orleans, das sie als Ketzerin verbrannte und später heilig sprach. Das Blut, das die Pharisäer bei der Kreuzigung Christi auf die Kinder Israel herabgeflucht hatten, wäre durch das Blut, das jüdische Märtyrer vergossen hätten, längst verwirkt. Die Werke Edmond Flegs tragen keinerlei Gattung*- bezeichnung. Sie sind in der Tat — ganz abgesehen von ihrer Bedeutung und ihreqi Wert — einzigartige Gebilde: heroischer Stil wechselt njit einer fast feuilletonistischen Plauderei, Märchenzauber äus Tausendundeiner Nacht mit Weisheiten der Bibel-Erklärer. Im Anschluß an seine Edtnond Fleg in seinem aus Saphir nahm und mit nachbiblischen Quellen erzählt Moses“, wie Gott zwei Tafeln eigener Hand für Moses seine Thora in sie eingrub. Obgleich die Tafeln nur sechs Fuß lang und sechs Fuß breit |waren, konnte er nicht nur die Zehn Gebote auf sie schreiben, sondern auch die zweihundertundsiebenundvierzig übrigen Gebote und dreihundertfünfundsechzig Verbote der Thorazweihundertundsiebenundvierzig wie die Zahl der Teile des menschlichen Körpers und dreihujndertundfünfundsechzig wie die Zahl der Tage des 'Jahres. ' „Und solcher Art waren diese Tafeln, daß die Schrift vorn auf dem Stein und hinten auf dem Stein und auf djen Schmalseiten des Steines zu lesen war; und ob dieser Stein gleich der härteste unter den Steinen war, ließ er sich doch wie Pergament rollen und war ohne Schwere.“ Um Großes mit Kleinerem zu vergleichen: von solcher Beschaffenheit ist auch Edmond Flegs neue biblische Dichtung. Chajim Nadiman Bialik Von Dr. Aron Sandler (Berlin). Am 4. Juli 1934 starb der große hebräische Dichter Chajim Nachman Bialik in Wien, wo er sich einer Operation unterzogen hatte, im 61. Lebensjahre. Die hebräische Literatur und das Judentum Palästinas haben einen schweren Verlust erlitten. Ein Dichter von hoher sprachschöpferischer Begabung, von literarischem Schwung und tiefem sittlichen Ernst, ein Lehrer und Mahner seines Volkes, ein Mittler zwischen dem Erbgut Israels und einer aufbaufreudigen neuen Zeit ist in'Bialik dahingegangen. Was Chajim Nachman Bialik in meisterhafter Beherrschung der Sprache der ältesten Literatur an Werken der Wortkunst geschaffen hat, bleibt unverlierbarer Besitz der modernen hebräischen Literatur und der neuen Sprache der Juden in Palästina. Jahrelang hat er sein Herz der Erziehung der palästinensischen Jugend zugewendet. Die Hagada, deren Pflege ihm besonders am Herzen lag, und deren Wesen in ihrer Beziehung zur Halacha er zutiefst erkannt hat, sammelte er in Jugendbüchern. Er übersetzte Werke der Weltliteratur, schrieb wissenschaftliche und kulturpolitische Abhandlungen, gab Zeitschriften heraus. Seit Jahrzehnten galt er als die führende Persönlichkeit der neuen hebräischen Literatur. Aber sein Wirken reicht über seine sprachschöpferische und literarische Tätigkeit hinaus. Der neue jüdische Mensch, der auf dem Boden Palästinas wachsen soll, galt in seiner Person als geistiger Typus vorgebildet. Aus dem uralten Stoff den Geist der neuen- Wirklichkeit zu formen, die Welt des in Jahrtausenden gewachsenen jüdischen Geistes mit den Realitäten des neuen Landes zu vermählen und dieses geistige Mühen und Sehnen in den Herzen der neuen Jugend anzuregen und anzufachen, galt ihm als seine Mission beim Aufbau des Landes. Enthüllt das Lichtl Aus dem Dunkel schlagen wir lohende Glut, Chajim fjiachman Bialik gezeichnet von Max liebermann -A-; •* 9

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