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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-08-01 · 5 (1.8.1934) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
5 (1.8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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dem königlichen Purpur und der Krone bekleidet und ihn als Einziger mit dem Kosenamen Da-ud nennen darf, den jungen David, dessen Neigung Saul sucht und zugleich Fürchtet, weil er spürt, daß das Königtum bei ihm ist. Meisterhaft sind in dieser Tragödie des gottverlassenen Zweiflers die biblischen Fakten' neu verknüpft: die Ermordung der Propheten, die Goliath-Episode, Davids Harfenspiel, die Szene in der Höhle, als David von Sauls Mantel einen Zipfel mit dem Schwerte abschneidet, und der Untergang. Davids Klagelied um Saul und Jonathan klingt am Schluß auf. Gides Menschen geben essayhafte Analysen ihres Charakters, sie kommentieren das Geschehen, es gibt Stellen, die uns in Shaws unmythische und gar in Offenbachs burleske Welt versetzen, immer aber erreicht dieses eigenartige Werk mit den intimsten Mitteln eines Kammerspiels ein Maximum an Leidenschaft, wie sie bisher nur großformatigen Werken Vorbehalten war. Eine Aufgabe für die Kulturbundbühnen! - v Andre Gide wird in diesem Jahre fünfundsechzig, der Sechziger Edmond Fleg, der Verfasser des „Kleinen Propheten“', des „Moses“ und „Salomo“ (sämtlich bei Piper, München) steht aber der Generation der Claudel, Jammes und Bernanos näher, die zwischen 1868 und 88 geboren sind. Und der Jude Fleg steht diesen Vertretern des katholischen Frankreich, die von der traditionellen Literatur der Aufklärung und der Gesellschaft abweichen, auch näher als der Christ Andre Gide. Man sollte annehmen, wenn ein französischer jüdischer Dichter einen „Moses“ schriebe, würde eine starke Annäherung des mosaischen Gesetzes an die Vernunftsreligion des Humanitätsideals stattfinden, aber das Gegenteil ist der Fall: Edmond Fleg schöpft, aus der nachbiblischen Legende, aus der jüdischen Mystik. In seinem Buch „Ein kleiner Prophet“ schildert er, welche Anziehungskraft die Pfadfindertugend, jeden Tag ein gutes Werk zu tun, auf ihn als Kind ausübte, wie er aber das ausgesprochen Religiöse, nach dem er sich sehnte, darin vermißte, wie er die Gestalt des Jesus, sogar den katholischen Kult liebt, aber das christliche Dogma nicht zu glauben vermag, während das Zufallswort vom „kleinen Juden“, das er als Fünfjähriger aufschnappte, ihn seltsam verfolgt, wie er endlich zwischen Orthodoxie und Zionismus seinen eigenen Weg sucht ... in einer Sinndeutung der Geschichte des Judentums. In seinem „M oses“ klingt das Kindheitserlebnis des „Kleinen Propheten“ nach, — als Moses als ägyptischer Prinz aufwächst und sich zu den Hebräern, die Sklavendienste tun, hingezogen fühlt. Erinnerungen an Lieder, die seine Mutter, seine vermeintliche Amme sang, paralysieren die Erziehung, welche die ägyptische Königstochter ihm angedeihen ließ. In die Geschichte des Moses ist die Hiobslegende verwoben: er wird zur Strafe heimgesucht, weil er als Ratgeber Pharaos auf Bileams bösen Rat gegen die Juden schwieg, sein Elend war das Lösegeld für Israels Heil, und als sich Israel dem verheißenen Gesetz zuwendet, erlöst Gott den Dulder Hiob vor Satan. Nach rückwärts und nach vorwärts reichen die Geschehnisse in die Unendlichkeit: Moses Stab ist der Stab, den Adam zuerst besessen hat, und Pharao, der echte Sohn der Prinzessin, die Moses Pflegemutter war, wird als Einziger aus dem Schilfmeer gerettet, um als Nebukadnezar, Antiochus, Titus und Justinian in tausend Gestalten bis ans Ende aller Tage aufzuerstehen. Bei der Manna-Lese mißachten Abiram und Dathan den Sabbat, „hätten aber alle Hebräer vom ersten Augenblick an den Sabbat geachtet, so hätte kein Volk der Erde vermocht, Israel zu besiegen“. Das Geschlecht, das aus Aegypten fortzog, erweist sich als zu schwach, Gott selbst anzuhören, als er die Thora, die Gott allen Völkern angeboten hatte, verkündet: hätten sie es vermocht, so hätten sie nie mehr gesündigt. Die tiefsten Teile des „Moses“ beziehen sich auf Moses Verhältnis zu Gott: Gott gehorcht ihm, denn Gott „gehorcht, wenn ein Heiliger befiehlt“. Gott straft ihn, dem er oftmals verzieh, als Moses an Israel zweifelt. Jüdische Zahlenmystik spielt hinein: Seth, der dritte Sohn Adams, wurde zum Ahnherrn der Menschen, Sem, der dritte Sohn Noahs, zum Ahnherrn Israels, drei waren der Erzväter und Levi der dritte Sonn Jacobs, aus dessen Stamm Moses hervorging, Moses aber der dritte Sohn seines Vaters usw. , In seinem „S a 1 o m o‘‘ setzt Fleg seinen Sinngebungsversuch fort. Bereicherte er seinen „Moses“ um Züge aus dem Nachleben des biblischen Moses in den Legenden, sodaß Flegs „Moses“ seinerseits eine Fortsetzung der Ueberlieferung ist, so umgibt er den historischen Salomo, dessen Name auf hebräisch das gleiche bedeutet wie das deutsche „Friedrich“*, die historische Gestalt mit Sagen jüdischer und arabischer, äthiopischer und persischer, indischer und irischer Märchenerzähler. Und gerade diese Ausschmückung dient ihm dazu, eine psychologische Entwicklung der Persönlichkeit zu entdecken, die das „Hohe Lied“, die „Sprüche“ und den „Prediger“ dichtete. Fleg schaltet sehr frei mit den Fakten, wenn er die Sulamith des Lieds der Lieder mit jener Abisag von Sunam gleichsetzt, die seines Vaters David letzte Freude war, aber es ist eine Erzählung von mythischem Ausmaß, wenn er darstellt, wie Salomo, der Geliebte Gottes, die Weisheit als Geschenk erbittet, wie es seine Weisheit ist, der Thora treu zu sein, wie seine Weisheit ihn überheblich macht, seine Macht zu mißbrauchen, wie er mit dem Mißbrauch der Macht die Weisheit verliert und mit der Weisheit die Macht, wie er geläutert wird und sühnt und wie die Dämonen, die er einst zu Gottes und seinem Dienste zwang, im Wahne, er sei nicht gestorben, weiterbauen am Tempel des Messias, als der Salomo, der Zauberer und Weiberknecht, der Narr und Bettelmann zu leicht befunden ward. lesser Ury: Moses zertrümmert die Tafeln > jr 8

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