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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-08-01 · 5 (1.8.1934) · p. Seite 3

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
5 (1.8.1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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wirtschaftlichen Notwendigkeit des Betriebes hinausgingen. Die beste Hilfe für alle jüdischen Mittelstandsbetriebe wird aber zu jeder Zeit die Arbeitszuführung sein. Das setzt allerdings eine festgefügte Solidarität der jüdischen Glaubensgemeinschaft voraus, die sich in immer stärkerem Maße durch die Tat zeigen muß. Wo aber weder finanzielle Hilfe noch eine wirtschaftliche Möglichkeit aus der Glaubensgemeinschaft heraus vorhanden ist. wird es notwendig sein, Mittel und Wege zu finden, eine Umlagerung dieser Betriebe in Orte durchzuführen, die die Existenzgrundlage mit einiger Voraussicht gewährleisten. Das muß nicht heißen, daß diese Betriebe ihren Standort ausschließlich in Großstädte verlegen, es kommt vielmehr darauf an, daß sie Niederlassungsmöglichkeiten überall dort finden, wo die wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben sind. Aufgabe der jüdischen Organisationen wird es aber sein müssen, systematisch alle sich bietenden Möglichkeiten zu ermitteln, zu prüfen und planmäßig zu verteilen, d. h. den rechten Mann an den rechten Platz zu bringen. Durch die enge Verflechtung der jüdischen Mittelstands- und Handwerksbetriebe mit der gesamten deutschen Wirtschaft ist deren Schicksal naturgegeben auf Gedeih- und Verderb mit der Ent. wicklung der allgemeinen deutschen Wirtschaft verbunden. Nur gemeinsam und in Zusammenarbeit mit der ganzen deutschen Wirlschaft kann es uns gelingen, die jüdischen Mittelstands- und Handwerksbetriebezu kräftigen und neu zu festigen. Soweit aber für die jüdischenHandwerkerund Gewerbetreibenden aus ihrer spezifisch jüdischen Lage heraus besondere wirtschaftliche Probleme entstehen, haben sie durch eigene Initiative sich Organisationen geschaffen, die auf eine wirksame Unterstützung der allgemeinen Bestrebungen zur Förderung und Sicherung der breiten Schichten der deutschen Judenheit abzielen. Seit nahezu vierzig Jahren besteht die jüdische Handwerker- Organisation, die in allen größeren Städten des deutschen Reiches Ortsvereine der jüdischen Handwerker unterhält und ein Großteil jüdischer Handwerksmänner vereinigt. Dieser Zentralverband der jüdischen Handwerker Deutschlands hat schon frühzeitig die jetzt allgemein als notwendig anerkannte Berufsumschichtung erstrebt und ist werbend für den Gedanken einer stärkeren Durchdringung des deutschen Judentums mit Handwerkern eingetreten. Er hat seine vornehmste Aufgabe darin gesehen, mitzuhelfen, die Schäden einer falschen Assimilation zu beseitigen, und hat für die schöpferisch-schaffende Arbeit, die allein zur inneren Gesundung des Judentums führen kann, Jahrzehnte hindurch unermüdlich gekämpft. Er hat im Laufe der Jahre erreicht, daß in allen maßgebenden Körperschaften die jüdischen Handwerker den ihnen zukommenden Platz einnehmen. Darüber hinaus ist es ihm durch eine intensive Propaganda gelungen, die Seßhaftmachung einer großen Anzahl handwerklich tätiger Menschen durchzuführen. Mit dem Umbruch ergeben sich jedoch über diese mit Erfolg betriebene Zielsetzung hinaus neue gewaltige Aufgaben, die an die Organisation immer größere Anforderungen stellen. Der Verband hat seine Zeitschrift ausgebaut und damit sich ein Organ geschaffen, das sowohl den jüdischen Handwerker- und gewerblichen Mittelstand in der jüdischen allgemeinen Öffentlichkeit wirksam repräsentiert, dem man aber auch allerseits große Beachtung schenkt. Mit seiner Hilfe ist es möglich, den Kontakt der Berufsangehörigen untereinander, wie zwischen dem Handwerkerstand und der gesamten jüdischen Gemeinschaft immer enger zu gestalten. Die Erfolge, die die Handwerker-Organisation zweifelsohne erzielen konnte, ließen im Frühjahr des Jahres 1933 den Gedanken reifen, auch für den gewerblichen Mittelstand eine Organisation zu schaffen, die nach ähnlichen Gesichtspunkten ihre Arbeit aufgenommen hat. Die Erfahrungen nach dem ersten Jahre ihres Bestehens beweisen, daß sich auch der Zusammenschluß des gewerblichen Mittelstandes einem dringenden Zeiterfordernis entsprach. Die rechtzeitig durchgeführten Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien und anderen amtlichen Stellen haben ergeben, daß in den den Mittelstand interessierenden Fragen, ähnlich, wie dies auch vom Handwerker-Verband geschehen, durchaus positive Erfolge erzielt werden können. Die Sorge der beiden Organisationen gilt vor allem aber auch den kleinen Gemeinden. Die in den Großstädten durchgeführte segensreiche Tätigkeit wird nunmehr auch auf die mittleren und kleineren Gemeinden ausgedehnt, in denen die Angehörigen des Handwerks und Mittelstandes fast ausschließlich die Träger der jüdischen Gemeinschaft sind. Gerade in den Kleingemeinden wird es darauf ankonimen, die bestehenden Betriebe aus Handwerk und Mittelstand lebensfähig zu erhalten, sei es durch Arbeits- oder Kapitalbeschaffung. Darüber hinaus muß der aufwärtsstrebenden Jugend zur fachlichen Ausbildung Gelegenheit gegeben werden, damit sie auf Grund der erworbenen Fähigkeiten in der Lage ist, sich eine einigermaßen gesicherte Existenz aufzubauen. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat rechtzeitig, d. h. schon vor . Jahren, erkannt, daß eine grundlegende Änderung in der Berufs- und Wirtschaftsstruktur der deutschen Juden allein den Weg freimacht zu einer gesunden Einordnung -in die allgemeine Wirtschaft. Er hat deshalb auch die Bestrebungen der beiden Organisationen weitgehend unterstützt und damit zugleich die Dringlichkeit der -Arbeiten der beiden Fachverbände in vollem Maße anerkannt. Dabei hat er sich die Erfahrungen, die der Handwerker-Verband in jahrzehntelanger Tätigkeit gesammelt hat, zu eigen gemacht und den Verbänden den ihnen gebührenden Platz, wie es im Interesse des Erfolges selbstverständlich sein muß, vorbehaltlos zuerkannt. Die nunmehr planmäßig durchgeführte Umschichtung und Neuordnung innerhalb des Wirtschaftslebens der deutschen Juden hat den Aufgabenkreis erheblich erweitert. Die Reichsvertretung der deutschen Juden als die Spitze aller jüdischen Landesverbände hat dabei eine bedeutsame, historisch ungemein wichtige Rolle zu übernehmen. Der Erfolg dieser Arbeiten aber wird von der sachgemäßen Durchführung abhängen. Der Handwerker- Verband glaubt, auf Grund seiner jahrzehntelangen Tätigkeit einen Anspruch darauf zu haben, daß ihm die Füh- Holzskulptur aus einer alten Synagoge, f**10' Kikoier jetzt im jüdischen Museum, Berlin. " 'V ' 3

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