Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 4 (1.7.1934)
- Date
- 1934-07-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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preußische Emanzipationsedikt eingeführt wurde (Namensverzeichnis umfaßt 605 Nummern). Das Gesamtarchiv der deutschen Juden hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Namens- und Staatsbürgerlisten — und deren Nachtrfige — zu sammeln und sie im Original, in Abschrift oder in Photokopie für die familiengeschicht- ' liehe, die orts- und namensgeschichtliche Forschung fruchtbar zu machen. Es kommt damit einem Wunschtraum nahe, der schon vor 122 Jahren einem Zeitgenossen vorschwebte. Denn schon unmittelbar nach Erscheinen des Edikts, am 15. April 1812,. war Herz Bruck aus Schwedt a. d. O. beim Geh. Staatsrat Sack vorstellig geworden und hatte darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, „den von einem jeden jüdischen Hausvater auf Grund des Gesetzes angenommenen Familien Namen zu wissen“. Er empfahl darum die Anfertigung eines Verzeichnisses sämtlicher in den preußischen Staaten befindlichen Stammväter. Für den Fall, daß er mit einem solchen Unternehmen Glück hätte, wollte er 300 Taler zum Luisenorden stiften. Auch aus diesem, durch die Einzelveröffentlichungen der Amtsblätter überflüssig gemachten Vorschlag und dem ihn begleitenden Anerbieten kann man ermessen, welche Veränderung die Einführung der festen Familiennamen, die Aufnahme in den Staatsbürgerverband bedeutete, wie sie wirklich im tatsächlichen und übertragenen Sinne — Epoche machte. JÜDISCHE CHRONIK ln Berlin fand ein Reichsberufswettkampf für den Nachwuchs aller handwerklichen Berufe statt; ein jüdischer Töpferlehrling errang die beiden ersten Preise. Nach amtlicher Statistik stieg der Export und Import von Oesterreich nach Palästina und umgekehrt im vergangenen Jahre auf das Doppelte des vorhergehenden Jahres. Im brasilianischen Parlament berichtete der Landwirtschaftsminister über die Tätigkeit der eingewanderten jüdischen Siedler, denen er hohes Lob zollte. Der deutsche Zionistenführer Kurt Blumenfeld vollendete in Berlin sein 50. Lebensjahr. In verschiedenen großen Städten der Sowjetrepubliken, wie z. B. in Odessa, Kiew und Baku, setzte die allgemeine russische Anti-Religionsbewegung die Schließung der Synagogen durch. Einige deutsche Studentencorps, die sich weigerten, ihre jüdischen „Alten Herren" auszuschließen, wurden aufgelöst. Die Berliner Gemeinde stiftete eine Thorarolle für die Marannen-Gemeinde in Braganza. In Berlin feierte der bekannte Gynäkologe und Krebsfor$|cher Dr. A. Theilhaber, der Entdecker der Thymus-Behandlung der Karzinome, seinen 80. Geburtstag. Englische, französische und schweizerische Zeitschriften würdigten die Verdienste des Gelehrten. Im Worms fand anläßlich des neunhundetjährlg.en Bestehens der dortigen Synagoge ein Weihegottesdienst statt; der Gemeindevorstand ließ eine Gedenkschrift erscheinen, an der namhafte deutsch-jüdische Historiker mitarbeiteten. Das uralt-ehrwürdige Gotteshaus, dessen Bau am 3. Juni 1034 vollendet und das o. a. bei vielen Judenverfolgungen beschädigt wurde, ist architektonisch sehr interessant. Eine ganze Reihe bedeutender Rabbiner haben hier im Laufe der Jahrhunderte gewirkt. Der bekannteste ist wohl der berühmte mittelalterliche Bibelkommentator Raschi, dessen Werke heute noch studiert werden. Kalender für Juli. Sonntag Juli 1 Tammus 18 Montag 9 2 9 19 Dienstag Mittwoch 3 20 4 21 Donnerstag 9 5 99 22 - Freitag 9 6 99 23 Sonnabend 9 7 99 24 Sabbat-Anfang 7** „ Ausgang 9“ Sonntag 9 8 99 25 Montag 9 9 99 26 Dienstag Mittwoch 10 27 11 28 Donnerstag 9 12 9 29 Freitag 13 Ab 1 Rosdi chodesch Sonnabend 9 14 99 2 Sabbat-Anfang 7“ Sabbat-Ausgang 9“ Sonntag »9 15 99 3 Montag 99 16 99 4 Dienstag Mittwoch 17 5 18 6 Donnerstag 9t 19 99 7 Freitag 20 99 8 Sonnabend 99 21 99 9 Sabbat-Anfang 7“ „ Ausgang 9** Sonntag 9 22 99 10 Tisch b’Ab Montag 9 23 99 11 Dienstag Mittwoch 24 12 25 13 Donnerstag 26 99 14 Freitag 9 27 9 15 Sonnabend 9 28 9 16 Sabbat-Anfang 7*° „ Ausgang 9“ Sonntag 9 29 9 17 Montag 9 30 99 18 Dienstag 99 31 99 19 Amtlicher Teil Exhaltung und Pflege jüdischer Kulturdenkmäler Es besteht die große Gefahr, daß in absehbarer Zeit eine Reihe jüdischer alter Kulturdenkmäler durch die Auflösung von Gemeinden der Vernachlässigung oder Vernichtung anheimfällt. Es gilt daher, rechtzeitig Vorsorge zu treffen, um diese Denkmäler jüdischen Seins auf deutscher Erde zu bergen. Wir rufen alle Gemeinden und jedes einzelne Gemeindemitglied auf, zur Rettung dieser Kulturdenkmäler beiz»jUwge*t-^-Whfbitten Photographien von alten Synagogeh»< bemeiimiswerten Kultgeräten, Friedhöfen u. ä. herzijsiegen. undr 'flföglichst in mehreren Abzügen dem „Gesamt* rchir der deutschen Juden, Berlin N 24, Oranienburger Straße, 28“ «nnuwiilMi. Ehriao bitten wir, diese Stelle auf alle geschichtlich wertvollen und erhaltungswerten Altertümer, wie Gemeindeakten, Thoraschmuck, Thoravorhänge, Thorawimpel usw. aufmerksam zu machen. Kulturfahrten Der Erfolg der vom Preußischen Landesverband zusammen mit dem Zentralausschuß der deutschen Juden für Hjtfe'und Aufbap.intjen Mooalgn April und Mai veranstalteten ‘ ffulturfährten hat die beiden Organisationen veranlaßt, im Monat Juni eine weitere Anzahl von Kulturabenden in mehreren Provinzen stattfinden zu lassen. Im Laufe des Monats Juni wurden insgesamt 39 Kulturabende veranstaltet und zwar 11