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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-06-01 · 3 (1.6.1934) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
3 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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des Verbandes der Synagogengemeinden der Provinz Niederschlesien za einer Sitzung zusammengetreten war, meinen Anstellungsvertrag als Bezirksrabbiner von Oels Unterzeichnete. Dieser Sitzung, die von dem Gemeindeältesten Waldstein geleitet wurde, wohnte zum letzten Male der langjährige Vorsitzende des niederschlesischen Provinzialverbandes und der treue Hüter jüdischen Lebens in den Kleingemeinden Niederschlesiens, Herr Justizrat Hirschberg, bei. Er sah in der Errichtung des Bezirksrabbinats, dessen vorbereitende Verhandlungen sich über zwei Jahre hinauszogen, die Krönung seines Lebe'nswerkes zur Erhaltung des Judentums in den von ihm väterlich betreuten Kleingemeinden. Er war stolz darauf, daß das erste vom Preußischen Landesverband geschaffene Bezirksrabbinat in Niederschlesien seinen Sitz hatte. Während der Landes- und Provinzialverband auf die Gründung dieses neuen Amtes die größten Hoffnungen setzten, hatte ich bei der Uebernahme dieser Stelle gar keine Vorstellung von dem Umfang und der Eigenart meiner Tätigkeit. Ich betrat völlig neuen Boden, für dessen Bearbeitung keinerlei Erfahrungen Vorlagen. Meine Hauptaufmerksamkeit widmete ich der Jugenderziehung, die in der Provinz zum Teil sehr verbesserungsbedürftig war. Es rächte sich der Umstand, daß die Gemeinden bei der Anstellung eines Beamten sich meistens nur von der kantoralen Begabung, nicht aber von der jüdischen Bildung und den pädagogischen Fähigkeiten des Bewerbers hatten leiten lassen. In vielen Gemeinden lag daher der Unterricht sehr im argen, und es bedurfte ganz einschneidender Maßnahmen, um in diesen Gemeinden den Religionsunterricht auf ein den pädagogischen Grundsätzen unserer Zeit entsprechendes Niveau zu bringen. War schon von jeher der Stolz unserer Provinz, daß in ihr kein jüdisches Kind ohne Religionsunterricht ist, so kann ich jetzt auch behaupten, daß der Unterricht nur von gebildeten und pädagogisch befähigten Lehrkräften erteilt wird. Um den Unterricht in meinem ganzen Dienstbereich einheitlich zu gestalten, habe ich auch einen Lehrplan ausgearbeitet, der vom Provinzialverband genehmigt ist und für alle von mir inspizierten Lehrer richtunggebend sein muß. Erfreulicherweise hat sich jetzt auch bei den Ellern und den meisten Gemeindevorstehern die Erkenntnis durchgesetzt, daß die jüdische Erziehung unserer Jugend zu den wichtigsten Obliegenheiten einer Gemeinde gehört, so daß sie'zu größeren Opfern als früher für den Religionsunterricht bereit sind. Nur dadurch war es mit Hilfe des Landes- und des Provinzialverbandes möglich, die Lehrerbezirke zu schaffen, die für jede moderne Umgestaltung des Religionsunterrichts in Kleingemeinden die wichtigste Voraussetzung bilden. Aber der beste Religionsunterricht bleibt Stückwerk, wenn er im Elternbaus keine Resonanz findet. Darum war ich von Anfang an bestrebt, auch die Erwachsenenbildung in meinem Bezirk zu fördern. Durch regelmäßigen Besuch der Gemeinden zu Sonnabenden und Feiertagen und die damit verbundenen Gottesdienste und Predigten, durch Abhaltung von Vorträgen über jüdische Lehre und jüdisches Schrifttum wie auch durch Aussprachen über aktuelle Fragen des jüdischen Lebens bin ich bemüht, jüdisches Gedankengut in das Bewußtsein der Erwachsenen zu bringen. Mit Befriedigung kann ich (ohne mir schmeicheln zu wollen) auch auf diesem Gebiete sichtbare Erfolge feststellen. Das jüdische Buch, die jüdische Zeitung, aber auch jüdische Sitten und Bräuche haben, nicht zuletzt durch meinen persönlichen Einfluß, in viele jüdische Häuser meiner Bezirksgemeinden Eingang gefunden, wo sie früher nie zu finden waren. Bedeutend ergänzt wurde meine Tätigkeit in dieser Richtung durch die umfassende Kulturarbeit des Provinzialverbandes, die besonders im letzten Winter einen ungeheuren Aufschwung erfahren hat. Ein drittes Gebiet meiner Tätigkeit, das in den letzten Jahren einen sehr starken Umfang angenommen hat, ist die sogenannte Seelsorge, für die in meinem Falle eher die Bezeichnung Fürsorge zutrifft. Denn es waren nicht so sehr seelische Nöte, die ich zu lindern hatte. In den meisten Fällen ist es die materielle Not des Alltags, die die Menschen — wenigstens in der Kleinstadt — zu dem Rabbiner (reibt. Die Sorge des jüdischen Kaufmanns um seine Existenz, der Kummer der Eltern um das Fortkommen ihrer schulentlassenen Kinder, die Verarmung des jüdischen Mittelstands, die Not des jüdischen Arbeitslosen — alle diese Leiden in meinen Gemeinden nach Kräften zu mildern, dies war und ist das Hauptziel meiner Fürsorgetätigkeit. In steter und vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Wohlfahrtsverband für Niederschlesien und dem Jüdischen Arbeitsnachweis und der Beratungsstelle der Synagogengemeinde Breslau war es mir oft möglich, den Rat- und Hilfesuchenden Wegweiser und Helfer zu sein. _ Meine Tätigkeit erstreckte sich im ersten Jahre auf kaum ein Dutzend Gemeinden. Im Laufe der Zeit habe ich die Zahl der von mir betreuten Orte auf ca. 30 erhöhen können, wobei damit noch nicht alle Ausdehnungsmöglichkeiten erschöpft sind. Diese mannigfache Arbeit an der Erhaltung und Weiterentwicklung der Kleingemeinden hätte aber ohne die materielle und ideelle Förderung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und des Verbandes der Synagogengemeinden der Provinz Niederschlesien nicht geleistet werden können. In Anbetracht der schweren Krisis, in der gerade die Kleingemeinden sich befinden, muß sich in jeder Gemeinde die Erkenntnis durchsetzen, daß die Stärkung der Verbände die Stärkung der Gemeinden bedeutet. Jetzt gilt mehr denn je die Mahnung unserer Weisen, die sich an jeden Einzelnen wie auch an jede Gemeinde richtet: „Al tifrausch min ha-zibbur!“ „Trenne dich nicht von der Gemeinde und bleibe treu deiner Gemeinschaft!“ 3. Dr. Laupheimer: Bczirksrabbinat Ems. Die Führung eines Bezirksrabbinats hängt nicht nur von den besonderen Verhältnissen im Bezirk und den Gemeinden ab, sondern auch weitgehend von den Intentionen des Rabbiners und ist somit großenteils auch eine Sache seiner Persönlichkeit. Als ich vor nunmehr 2% Jahren das Amt eines Tlezirksrabbiners in den ehemaligen Rabbinatsbezirken Bad Ems und Weilburg als einem nunmehr endgültig zusammengelegten, zu vereinheitlichenden Bezirk übernahm, stellte ich in einem Probevortrag vor den Gemeindevertretern über die „Aufgaben eines Rabbiners von heute“ mir die Aufgabe, der Vater der Gemeinde und Bezirksangehörigen zu werden und führte dazu aus, daß zweierlei dazu notwendig sei: Einmal, daß der Rabbiner es sieb angelegen sein lassen müsse, an allem Leid und aller Freude der ihm anvertrauten Gemeinden und Gemeindeangehörigen teilzunehmen, und daß umgekehrt, die Bezirksangehörigen, insbesondere die Kultusvorstände ihrerseits, alles tun müßten, alle ihre Kräfte zur Mitarbeit an dieser universellen Aufgabe einzusetzen. Inwieweitdies in dieser Zeit steigend erfüllt werden konnte, ist Sache der Kritik des Bezirkes und der Vorgesetzten Stellen; der Rabbiner kann nur berichten, was in Wirklichkeit geschehen ist. _ Für die Erfüllung dieser Aufgabe mußte zunächst eine statistische Grundlage geschaffen werden. In der Schaffung einer Kartothek über sämtliche Bezirksangehörigen, Gemeinden und ihre Einrichtungen ward diese Grundlage, trotz aller Schwierigkeiten sie einzuholen, gelegt. Dann 7

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