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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-06-01 · 3 (1.6.1934) · p. Seite 6

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
3 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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geschrieben, denn die heilige Geschichte ist keine Tragödie oder wird vielmehr mit jeder fertig. Hier ist mehr als Aschylos und Shakespeare zusammen.“ Beer-Hofmanns junger David hat einen tragischen Konflikt — wie der Markgraf Rüdiger im Nibelungenlied. Er ist Lehnsmann des Phüisterkönigs, der wider König Saul ins Feld zieht. „Sei treu!“ ruft ihm die Urahne Ruth zu, die er um Rat fragt. Und der junge Führer entläßt die Seinen, damit sie demvHeerbann Sauls folgen, der ihn verfolgt, und löst seinen Eid für sich beim Philisterfürsten' ein, der ihm Schutz gewährte. Hier ist Tragik, wie sie als heidnisch, sei es germanisch oder keltisch, griechisch oder römisch, bezeichnet wird. Aber der blonde David, der die menschliche Anziehungskraft des Führers hat, ringt um die Auserwähltheit, bangt um Gottes Gnade, wenn er geprüft wird. Wenn du helfen willst — sagt er fromm — so hilf jetzt — fügt er trotzend hinzu. Und Gott schickt Hilfe: der Philisterfürst entläßt ihn vor der Zeit aus seinem Lehnseid. Hier ist jüdisch-religiöse Ethik, Gott löst dem Gläubigen die Tragik auf. David opferte sein aussichtsvolles Königtum mit seinem Entschluß, Gott erspart es dem Berufenen, sich für Sauls Königtum, dessen Tage gezählt sind, nutzlos aufzuopfern. Davids kalt-rechnerischer Rat Achitophel' wird Gottes Werkzeug und nimmt David neue tragische Entscheidung ab. Es ist deutsche Jambentradition, die Beer-Hofmann fortsetzt, Grillparzers Versbau ist ihm, dem Oesterreicher besonders gemäß. Schillers „Wallenstein“, Grillparzers „Goldenes Vließ", Hebbels „Nibelungen“, Wagners „Ringbilden den geistigen Raum, der Beer-Hofmanns „Historie vom König David“ umschließt. Mit dem Letzteren teilt Beer-Hofmann, der als Regisseur mit musikalischen und bildkünstlerischen Mitteln arbeitet (bei Reinhardt hatte er Goethes „Iphigenie" inszeniert), den Sinn fürs Gesamtkunstwerk. Im Vorspiel verschmäht der Traditionstreue Mittel moderner Technik nicht: Filmprojektionen müssen den Vorspruch — die Geschichte Ruths, die ein Sprecher vorträgt — begleiten. Die Aufführung ist — nicht nur des Personenreichtums wegen — schwierig. Wo gibt es heute den Rahmen, der für dieses, die innere Dramatik von „Jaakobs Traum“ noch übersteigernde Festspiel würdig genug wäre? Aber es gibt einen Notbehelf: wenigstens einzelne der sieben Bilder aufzuführen; die einzige Szene Sauls, des Großen, von dem die Gnade gewichen ist, das erste Auftreten Davids, die Bedrängnis und Rettung, das zweite, dritte und vierte Bild also, sind so in sich geschlossen, daß man sie auch als Einakter zu spielen versuchen könnte. Unsere Bezirksrabbiner berichten. In der vorigen Nummer brachten wir einen grundsätzlichen Aufsatz über die Einrichtung der Bezirksrabbinate von unserem zuständigen Dezernenten Rabbiner Dr. Julius Galliner (Berlin). Wir lassen nnnmehr einige unserer Bezirksrabbiner mit Berichten aus ihrem Amtebezirk zu Worte kommen. 1. Dr. Steinthal: Bezirksrabbinat Münster (Westfalen). In einer Zeit, die noch nicht so weit hinter uns liegt, waren die Kleingemeinden Stätten eines starken jüdischen Lebens; ja, sie waren Kraftquellen, aus denen die Großgemeinden vielfache Stärkung erfuhren. Das hat sich völlig gewandelt, seitdem mit der dauernd zunehmenden Abwanderung vom Lande in die Stadt Seelenzahl und Wirtschaftskraft ständig zurückgingen und seitdem die Unruhe des modernen Daseinskampfes auch in die stillen, friedlichen Winkel der Kleinstadt drang. Mit dem Lehrer, den zu erhalten die finanziellen Verhältnisse nicht mehr erlaubten, schwand der Mittelpunkt und die Anregung aus vielen Gemeinden; mit der älteren Generation gingen vielfach die Träger jüdischen Wissens und jüdischen Lebens dahin. Die Gegenwart hat die Juden in Kleinstädten und auf dem Lande das Bedürfnis nach Anlehnung doppelt empfinden lassen. So ergibt sich für den Bezirksrabbiner eine vielfache Aufgabe. Er wird bemüht sein, ihr in jeder Hinsicht gerecht zu werden. Aber je nach den lokalen Verhältnissen und nach seinen Neigungen und Fähigkeiten wird er dieses oder jenes Arbeitsgebiet mehr oder weniger stark pflegen und auf dem einen mehr als auf dem anderen leisten. Es gilt, Wissen in die Gemeinden zu tragen, Anregung zu jüdischem Lernen zu geben, für den Unterricht der Jugend zu sorgen und seine Fortschritte zu verfolgen, in Vorträgen mit der Situation der Gegenwart vertraut zu machen und im Anschluß hieran die Gelegenheit zur Aussprache über die Sorgen der Gesamtheit und des Einzelnen herbeizuführen. Wo die Möglichkeit vorliegt, wird mit solchen Zusammenkünften ein Gottesdienst verbunden sein, in dem zu dem Wort des Gebetes Auslegung, Erbauung und Belehrung tritt. Dieses Wort des Rabbiners mag diesen Gemeinden 'ein Besonderes sein; aber sie sollen doch stets wissen, daß der eigentliche Inhalt und Sinn des Gottesdienstes nicht in der Predigt, sondern im Gebet liegen muß. Das Streben der Jugend nach Zusammenschluß, Wandern und Geselligkeit, Lernen und Diskussion soll angeregt und gefördert sein. Grundlage und Endziel dieser ganzen Tätigkeit muß die Herstellung eines wahren Vertrauensverhältnisses, ja mehr als das, die Erschließung der Seele des Einzelnen sein. So erst kann wirkliche „Seelsorge“ erwachsen. Wo man im anderen dem Menschen begegnet, da öffnet sich die Seele. Und mehr noch als wir, die wir in größeren Städten und Gemeinden leben, empfindet der Jude der Kleinstadt das Verlangen nach Rat und nach Hilfe. Do bedarf es gar keiner Organisation. Auch wo die Gemeinde sich dem Bezirksrabbiner nicht unterstellt hat, finden ihre Mitglieder doch den Weg zu ihm, wenn sie einen Menschen suchen, der mit ihnen fühlt und sich ihrer Nöte annimmt. Sie alle — ganz gleich, auf welcher sozialen und auf welcher Bildungsstufe, sie stehen — sind dankbar und empfänglich, wenn man sich bemüht, ihnen in der Zeit äußerer Sorge inneren Halt und innere Sicherheit zu geben. Diese Beruhigung der Seelen findet ihre starke Begründung in dem Bewußtsein, auch äußere Hilfe zu empfangen. Der Rabbiner wird die Verbindung nicht nur zu den jüdischen Provinzial- und Zentralstellen herstelien. Er wird, wenn er seinen Sitz vielleicht gar in der Provinzialhauptstadt hat, die Anliegen der Gemeinden und der Einzelnen, soweit sie sachlich berechtigt sind, bei den Behörden (Oberpräsidium und Regierung, Provinzial- und Stadtverwaltung, bei Gerichten und Wohlfahrtsämtern) vertreten. Ein letztes Wort sei noch zu dem Verhältnis zu den Lehrern gesagt. Sie sind die stärkste Stütze des Bezirksrabbiners, dessen Bemühen ps sein muß, Stellung und Arbeit der Lehrer zu stärken und zu fördern. So manche Anregung mag für die sich berührende Tätigkeit (Gottesdienst, Unterricht, Gemeindeangelegenheiten und Fürsorge) gegeben, in manchen Fällen auch das Interesse des Lehrers bei jüdischen und allgemeinen Körperschaften vertreten werden. 2. Dr. Wahrmann: Bezirksrabbinat Oels (Nieders&Ies.) Am 28. Februar waren fünf Jahre vergangen, seitdem ich im Breslauer Gemeindehause, wo der Arbeitsausschuß 6

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