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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-06-01 · 3 (1.6.1934) · p. Seite 2

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
3 (1.6.1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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als den, „meine Kraft und meiner Hände Werk (hat all das geschaffen“ —? Und da wir nicht mehr erkannten, daß es nur Gottes Wille ist, der auf einen festen Fels uns stellt: so haben wir es um so bitterer erfahren, daß er „sein Antlitz kaum zu verbergen braucht, und wir sind gestürzt“. Das vergangene Wochenfest hat uns an den Sinai geführt; und die Selbstbesinnung unserer schicksalhaften Tage hat wohl so manchen von uns dort das Land empfinden lassen, „das der Herr dein Gott dir gibt als Erbe und Besitz und Wohnstatt“; — daraus uns keine Macht vertreiben kann, dessen Glanz und Würde und Ehre uns keine Welt von Feinden zu entreißen vermag. Nun, so lasset uns das Schowuausfest auch ein Chag ha-bikkurium gewesen sein: laßt uns als Erstlingsfrüchte unserer ewigen, geistigen Muttererde geerntet und geweiht haben Selbstbescheidung und Gottvertrauen. Den Glauben an eine Gottes-Vaterhand, die uns läutert und emporzieht. Den Glauben aber auch und die Hoffnung, daß auch der andere Teil jenes 30., zum Erstlingsopfer einst vernommenen Psalms an uns in der von Gott gewollten Weise in Erfüllung geht. „Zu dir, mein Gott, will ich rufen, und flehen will ich zu meinem Herrn. Höre mich Gott, erbarm dich mein; Ewiger, sei mir ein Beistand. Du wandelst mir meine Klage in Reigen, lösest mein Trauerkleid, gürtest mich mit Freude. Auf daß in Ehren man dich preise, ohn’ zu verstummen. Doch ich, Herr mein Gott, in Ewigkeit lob’ ich dich!“ Die Kulturfahrten des Landesverbandes. > Von George Goetz, Berlin Wir haben bereit« davon Mitteilung gemacht, dafi der Preußische Landesverband gemeinsam mit dem Zentralanaschufi der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau Kulturfahrten in mehrere preufiische Provinzen unternommen hat Es haben in der Zeit vom 18. April bis 13. Mai 1934 Kulturabende in folgenden Gemeinden stattgefunden: Ostpreußen: Dt Eylau, Braunsberg, Sensburg, Rastenbarg, Insterburg, Tilsit, Kaukehmen, Eydtkuhnen, Eibing, Marienwerder, Marienburg. - Grenzmark: Meseritz, Dt Krone, Jastrow, Schloppe, Schlochau. Pommern: Belgard, Kolberg, Köslin, Stolp. Lauenburg, Pyritz, Schivelbein, Polzin, Gollnow, Stralsund. Brandenburg: Wriezen, Freienwalde a. 0., Eberswalde, Schwedt, Prenzlau, Kottbus, Forst Soraü, Crossen, Schwiebus, Landsberg/W., Kflstrin. Es sprachen die Herren Dr. Ludwig Landau- Frankfurt/O. und George Goetz-Berlin über „Der Wiederaufbau des deutschen Judentums*4 und Herr Dr. Gerhardt Neumannn - Berlin Aber „Vom Sinn jfidischer Geschichte“, „Berufsumschichtung und Bewertung des Geistige&^V-Qnd „Seelische Erneuerung durch Rückkehr zu uns selbst*4^_^ Der künstlerisches. Teil der Veranstaltungen wurde bestritten von den Sopranistinnen Frau Hede Türk und Frau Koeh-Stabinskj, dem Tenoristen Max Mansfeld sowie den Pianisten and Organisten Lichtenstern und Samuel. J' Als Rezitator ifurde Herr Meinhart Maur mit dem Organisteil Ludwig Altmann in die brandenburgischen Gemeinden entsandt. Nach den vorliegenden Mitteilungen der Gemeinden und den Berichten der Vortragenden haben die Kulturfahrten überaus starken Anklang gefunden. Wir lassen zunächst unser stell vertretendes Ratsmitglied, Herrn George Goetz, über seine Eindrücke von der Ostpreufienfahrt berichten und werden auf die Kulturfahrten selbst noch zurückkommen. (Die Redaktion) I. Die neue Zeit hat manche Unterschiede zwischen Juden und Juden beseitigt — eine große Schicksalsgemeinschaft sind wir geworden, gleiche Sorgen und gleiche Nöte lasten auf uns allen, auf den Reichen und auf den Armen unter uns, auf den Juden der Kleinstadt wie der Großstadt. Schon allein zum Beispiel die Frage nach den Zukunftsplänen, die jüdische Eltern für ihre Kinder haben, wie in jeder und jeder Gemeinde jüdische, Eltern angeoffen werden, die — welche Zeit leben wirl — glückrahlend, aber doch mit Tränen in den Augen erzählen, daß es ihnen gelungen ist, weit fort, oft jenseits des Meeres, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz für ihre Kinder zu finden, schon dies allein zeigt uns, wie sehr wir alle das gleiche Schicksal tragen, wie sehr alle Unterschiede zwischen Juden und Juden fortgewischt sind. — Aber doch gibt es. in einigen äußerlichen Umständen wenigstens, Unterschiede, die nicht nur geblieben sind, sondern die sich sogar vertieft haben. Man sehe auf altes das, was man ..jüdisches Gemeinschaftsleben“ zu nennen pflegt, und man wird feststellen, daß der schon früher tiefgehende Unterschied zwischen den Großgemeinden einerseits und den Mittel- und Kleingemeinden andererseits heute ganz unübersehbar kraß geworden ist. Das ist ja auch ganz selbstverständlich. In den großen Städten sind überall Kräfte freigeworden, die, früher im allgemeinen Kunst- und Geistesleben, teils beruflich, teils ehrenamtlich wirkend, heute innerhalb der jüdischen Gemeinschaft nach Betätigung drängen, auch hier wieder aus den beiderlei Beweggründen: sowohl um zu leben, als auch um ihre geistigen oder künstlerischen Anlagen nicht verkümmern zu lassen. Und ist auch zur gleichen Zeit der Kreis des jüdischen Publikums größer geworden, so besteht doch andererseits kein Zweifel daran, daß auf dem Gebiete der jüdischen Veranstaltungen die Gefahr einer gewissen Ueberproduktion besteht —: in Großgemeinden wie Berlin, Frankfurt a. M.. Breslau, Köln, Königsberg usw. sind an jedem Abend eine Anzahl von Vorträgen, Musikveranstaltungen u. dgl., und nicht mit Unrecht spricht man hie und da schon von einer „Uebersättigung** des jüdischen Publikums mit Veranstaltungen; in die Sprache des Wirtschaftlichen übersetzt heißt das, daß auch im jüdischen Geistesleben die Produktion größer ist als der Konsum, und welche Gefahren dieser Zustand in Sich birgt, liegt auf der Hand. % II. Völlig anders aber ist es mit allen diesen Dingen in der Kleinstadt, ja eigentlich schon in der Mittelgemeinde. Von den allgemeinen Veranstaltungen sind oder fühlen sich die Juden ausgeschlossen. Sie selber aber sind zu gering an Zahl und an Finanzkraft, als daß sie sich Redner, Sänger, Musiker, geschweige denn ganze Schauspieltruppcn oder Orchester kommen lassen könnten. Es kommt hinzu, daß in der kleinen Stadt ja auch die jüdischen Buchhandlungen fehlen. Wohl liest man in der jüdischen Presse von dieser und jener literarischen Neuerscheinung; aber es ist doch etwas anderes, ob man sich ein Buch, das man nie gesehen hat und nur aus Anzeigen oder Rezensionen, also recht eigentlich nur vom Hörensagen kennt, gewissermaßen „auf eigene Gefahr“ und in jedem Falle langwierig auf brieflichem Wege bestellt, oder ob man, wie in der Großstadt, in jüdischen Buchhandlungen und in den Vorräumen der jüdischen Veranstaltungen Gelegenheit bat, eine große Auswahl von jüdischen Büchern mit eigenen Augen zu sehen, selbst in die Hand zu nehmen und darin

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