Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 3 (1.6.1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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VB RWA LTU KG S B L ATT DES PREUSSISCHEN LANDESVERBANDES JÜDISCHER GEMEINDEN 1,1 1 —— jj ' ■■■ M I ■■■■ GEMEINDEBLATT FÜR DIE JÜDISCHEN GEMEINDEN PREUSSENS Alle Zusdirtften sind zu rlcfalen an das Verwaltung»- und Gemeindeblatt des Preufllsdien Landesverbandes fOdlsdier Gemeinden, Bin.«Chariottenburg2, Kantslr.l58> iLStodc Der Besujispreis fOr die betragt 19 Pfennig. 12. Jahrgang Berlin, den 1. Juni 1934 Nr. 3 Nachklang zum Wochenfeste. „Jaum ha-bikkurim — Tag der Erstlinge“ Von Rabbiner Dr. Rosenthal, Köln. „Wenn du in das Land kommst, das der Ewige, dein Gott, dir zum Erbe gibt und du besitzest es und wohnst darin: so nimm von den Erstlingen aller Fracht des Bodens und lege sie in eineh Korb und gehe an den Ort, den der Ewige dein Gott erwählt, seinem Namen dort Stätte zu geben.“ An diese Worte a.us dem 26. Kapitel des 5. B. M. knüpft die Bikkurim-Institution im alten Israel an, das Darbringen der Erstlingsfrucht. Am Schowuausfest beginnend, das darum auch den Namen „jaum habikkurim Tag der Erstlinge“ führt (4. B. M. 28, 26), zog sie sich durch die ganze frohe Sommerzeit hin bis zum Hüttenfeste, dem „Fest des Einsammelns“, und gestaltete sich Jahr um Jahr zu einer großartigen, freudig gehobenen Volksbewegung. Von den sieben Fruchtarten, die den besonderen Stolz des Heiligen Landes bildeten — Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln — wurde jede Frucht gesondert in silberne und goldene Körbe gelegt. An diesen Körben flatterten mit farbigen Bändern festgehaltene Tauljen,. die später |als Opfer dargebracht wurden. Die einzejfien Ortschaften Palästinas sammelten sich unter deri Glmvarsfehpr zum Festzug, der mit klingendem Spi^uncmlefr nuj: „Auf nach Zion, in das Haus unseres/aw£$£‘ßeiföllkg nach Jerusalem antrat. Voran schrityffe^X$reMie9f1die Hörner mit Gold überzogen, den schweren^iwD mit Olivengewinde umkränzt. In Jerusalem kamen die Tempelvorsteher und Vornehmen dem. Zug entgegen und geleiteten die Gäste feierlich zum Tempelberg. Alle Handwerker — die sonst selbst vor Thoragelehrten nicht aufzustehen und ihre Arbeit zu unterbrechen brauchten — bildeten auf dem Wege Spalier und begrüßten jede Ortsgruppe mit dem Zuruf: „Brüder, Männer dieses und dieses Ortes, seid uns willkommen“. Am Tempeleingang aber stand der Chor der Leviten und entbot den Ankömmlingen den Gruß mit dem 30. Psalm, dem „Sang und Lied zur Weihe des Hauses von David“. Die Wahl gerade dieses 30. Psalms für eine solche Gelegenheit froher Erhebung (Mischnah Bikkurim 3,4) könnte zunächst auffallend erscheinen. Es sind nicht nur Freudentöne, die in ihm aufklingen. Es ist in der Hauptsache das Motiv erlittenen Leids und überstandener Mühsal, das die Saiten der Leier beschwingt und den Sänger sich hindurchringen läßt aus bangen Erinnerungen zur froheren Gegenwart, aus verhängnisvollem Irrtum zur höheren Wahrheit. „Ich will dich erheben, Ewiger, daß du mich aus der Tiefe gezogen hast und meine Feinde über mich nicht frohlocken 1 läßt. Herr, mein Gott, ich flehte zu dir, da brachtest du mir Heilung-Die ihr ihn liebet, singet ihm und rühmt seinen heiligen Namen! Denn sein Zorn währt einen Augenblick, sein Wohlgefallen lebenlang; des Abends kehrt Weinen ein,, des Morgens Jubelruf. — Ich aber wähnte in meinem Glück, nie und nimmer würde ich wanken! Herr, wenn du es willst, so hast du mich auf festenFels gestellt; verbirgst du dein Antlitz,so bin., ichgestürz t“. (Ps. 30, 1—8). Der jüdikrtltf^Biner unserer Volksvergangenheit - der auf freier* eigener Scholle seine Früchte wachsen 'und reifen safi; feind und Anfechtung nicht zu fürchten brauchte, der stolz und hochgemut seine Erstlings¬ und Erntefeste feiern durfte — ihm wurde solch ernste Weisung vorgehalten, solch schwerer Warnruf vor überheblicher Selbstsicherheit, solch dringende Mahv nung zum demütigen Glauben und Vertrauen auf Gott. - — Und wir?, Hat das Unheil nicht ein Judentum getroffen, das, auftphwankem Grund emporgestiegen, . tausendfältig in dem Wahn sich.,, wiegte, „nie und nimmer wanke ich“? Das, auf -wfneii Besitz und seine Stellung schauend, keinen anderen Gedanken kannl