Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Journal
- Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 2 (1.5.1934)
- Date
- 1934-05-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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die Kulturfahrten, die zurzeit bei über 40 ‘ Gemeinden dutchgeführt werden, bewähren werden. Aus den Erfahrungen dieser Veranstaltungen, die den ersten Versuch auf dem Gebiete der Kulturabende bedeuten, wird festzustellen sein, ob das kulturelle Hilfswerk in der geschilderten Weise fortgeführt wird oder vielleicht andere Wege beschritten werden müssen. Darüber soll alsbald berichtet werden. Zwei Jubilare: Eugen Spiro — Ludwig Meidner. In den Räumen des Berliner Jüdischen Museums ist augenblicklich eine Sonder-Ausstellung zu sehen, die zu Ehren der beiden Künstlerjubilare, des f>0 jährigen Eugen Spiro und des 50 jährigen Ludwig Meidner, zusammengestellt worden ist. Obwohl beide Künstler dem gleichen schlesisch-jüdischen Kulturkreis entstammen, setzt ihre Kunst eine grundsätzlich verschiedene Geisteshaltung voraus. Spiro, der jahrelang Führer der Berliner Sezession war, bekennt sich in seinen Gemälden zu einer farbenfreudigen Weltoffenheit, die mit subtilster Einfühlungsfähigkeit und überlegener künstlerischer Technik auf jeden Eindruck der Außenwelt reagiert, mag dieser Eindruck ihm von einem menschlichen Gesicht oder von einer Landschaft kommen. — Meidner stärkstes •Ausdrucksmittel dagegen ist die graphische Linie, sein Thema, das ihn immer wieder packt, von dem er nicht loskommt, die Ausdrucksstudie. In seinen kraftvollen, gefühlsgesättigten Blättern prägt sich zugleich die ganze religiös-philosophische Gebundenheit des Künstlers aus, der — eine faustische Naturals Künstler und Mensch mit religiösen Problemen ringt und sich zu einer tiefinnerlichen-jüdischen Religiosität durchgerungen hat. Erna Stein. - 'V Eugen Spiro: Bildnis Ludwig Hardt iHeinrich Heine lesend) Aus dem Besitz des JOd. Museums, Berlin. Ludwig Meidner: Oscham’nu (Rötelzeichnung) Aus dem Besitz des JOd. Museums, Berlin Von Familiennamen und Staatsbürgerlisten. Von Dr. Jacob Jacobson Es lag im Wesen der staatlichen Judenpolitik früherer Jahrhunderte, daß eine genaue Kontrolle über die im Land befindlichen Juden geführt, und jede Veränderung in den Familienlisten registriert -wurde. Durch diese für alle Abteilungen des Behördenapparats geltende Uebung ist in den Archiven von Staat, Stadt und. Standesherren ein weitschichtiges Material angehäuft, das in gleicher Weise für die Familiengeschichte wie für die Statistik der Juden von unschätzbarem Wert i$t. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß dies Material nicht ohne Mühe aufzufinden, und daß es keineswegs mehr lückenlos vorhanden ist. Es bedarf daher im allgemeinen schon einer recht großen Vertrautheit mit der einschlägigen archivalischen Forschung, um sich rasch und gründlich in den alten Listen und im Gewirr der alten Judenakten zurechtzufinden. Aber damit allein ist es nicht getan I Man muß sich nämlich vergegenwärtigen, daß im allgemeinen erst im 1. Viertel des 19. Jahrhunderts, also in der Zeit der sogenannten Emanzipation, die Annahme dauernd fester Familiennamen durch die Masse der' deutschen Juden erfolgte. Die Gewohnheit der Namensforterbung in den einzelnen Familien, der Berufs- und Herkunftsbezeichnung und der Stammesbenennung (Cohen, Levi) gaben - allerdings wichtige Fingerzeige; aber die früher vielfach üblichen hebräischen Abkürzungen für Angabe von Herkunft und Beruf bleiben manchmal vieldeutig. Bestimmte Namensfolgen könnten gleichzeitig am gleichen Ort in ganz verschiedenen Familien auftauchen und zu falschen Verknüpfungen verleiten. Kurz: über dieses ganze Feld wissenschaftlich-praktischer Forschung huschen die Irrlichter und verlocken leicht zu Fehlschlüssen und abwegigen Vermutungen. 9