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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-05-01 · 2 (1.5.1934) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
2 (1.5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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B. Nebenamtlich 1. Münster (Dr. Steinthal), angeschlossen ca. 15 Gemeinden, ca. 2000 Seelen (einschl. Münster mit 580 Seelen). 2. Schneidemühl (Dr. Rosenzweig), angeschlosscn Grenzmark außer Schönlanke, ca. 20 Gemeinden, ca. 2500 Seelen (einschl. Schneidemühl mit 622 Seelen.) 3. Trier (Dr. Altmann), angeschlossen Reg. Bez. Trier, ca. 25—30 Gemeinden. ca. 2500 Seelen (einschl. Trier mit 863 Seelen). Aus Vorstehendem ersehen wir, daß ca. 180 Gemeinden mit 14 200 Seelen durch unsere Bezirksrabbiner betreut werden. Von der Arbeit, die in diesen Bezirksrabbinaten geleistet wird, werden die Herren Bezirksrabbiner demnächst in unserem Blatt berichten. Der Preußische Landesverband wird auch fernerhin bemüht sein, die bestehenden Bezirksrabbinate zu erhalten, und wenn es in seiner Kraft steht, noch weitere zu schaffen. Kulturelle Hilfe tut not! Von Dr. Hermann Schildberger. Ein einziger Gedanke ist es, ein einziger Wille, der in diesen Blättern als das gleiche Thema in den verschiedensten Variationen erscheint: Hilfe — und immer wieder Hilfe. Sie geschieht, um der wirtschaftlichen Not des einzelnen, um der finanziellen Bedrängnis der Gemeinde entgegenzuwirken. Tagtäglich treten die materiellen Sorgen an jeden von uns heran und viele Hun- ’derte und Tausende von jüdischen Menschen in den Gemeindeverwaltungen. Organisationen und Institutionen setzen ihre ganzen Kräfte ein, um der materiellen Not zu steuern. Dieses große Liebes- und Hilfswerk hat sich aber auch dort zu entfalten, wo es weniger um den Einzelnen und um die kleinere Einheit der Synagogengemeinde geht als vielmehr in erster Reihe um die große Gemeinschaft der gesamten deutschen Judenheit — und das betrifft ihre geistige und kulturelle Not. Juden sind es gewesen, die das höchste Kulturwerk der Welt, die Bibel, geschaffen haben; und wie jüdischer Glaube und jüdischer Geist, nicht materielle Güter es gewesen sind, die Israel durch die Jahrtausende hindurch Bestand gewährten, so wird es alle Fährnisse der Gegenwart bestehen und Zukunftsglauben besitzen können, wenn es aufrecht im Glauben und stark im Geiste sich erhält. Die Gefahren der geistigen und kulturellen Not sind in den großen und mittelgroßen Gemeinden viel eher zu bannen als in den kleineren und ganz kleinen Gemeinden. (Durch Schaffung von Kulturbünden u. ä.) Seitdem sich aber vor nunmehr einem Jahre gerade in der Provinz und auf dem Lande die Ablösung der jüdischen von der nichtjüdischen Bevölkerung in viel stärkerem Maße als in den Großstädten vollzog, ist eine ungeheure geistige Isolierung der jüdischen Land- und Provinzbevölkerung eingetreten, die bei dem einzelnen oftmals zu noch größeren seelischen Erschütterungen zu führen vermag als der drohende Verlust der wirtschaftlichen Existenz. Darum muß auch an dieser Stelle eine planmäßige Hilfsarbeit einsetzen, um den drohenden geistigen und kulturellen Niedergang aufzuhalten. Es wird dabei zweckmäßig sein, an bereits vorhandene Aufbauarbeit anzuknüpfen. Der Preußische Landesverband rechnet es seit der Zeit seiner Begründung zu seinem ureigensten Aufgabengebiet, die kleinen und kleinsten Synagogengemeinden, die sich aus eigener Kraft nicht erhalten können, finanziell zu stützen und religiös zu betreuen. Er sorgt dafür, daß kein jüdisches Kind ohne Religionsunterricht bleibt und bemüht sich, das jüdische Leben in der kleinen Gemeinde aufrechtzuerhalten oder wiederzuerwecken; indem er Rabbiner, Lehrer und andere hierzu geeignete Persönlichkeiten zu den Gemeinden entsendet, um ihnen religiösen Zuspruch, praktischen Rat, seelische Erbauung und geistige Anregung zukommen zu lassen. Die bisherigen Erfahrungen auf diesem Gebiete haben gezeigt, wie notwendig diese Betreuung ist, wie wohltuend sie für die sonst ohne Zusammenhang mit ihren Glaubensbrüdern stehenden Juden in den Kleingemeinden ist, aber auch, wie viel mehr noch diese Hilfsarbeit ausgedehnt werden muß, um sie allen, die der Betreuung bedürfen, zuteil werden zu lassen. Fs erscheint aber nunmehr notwendig, sich nicht auf die reine religiöse Fürsorge zu beschränken, sondern sie zu einem kulturellen Hilfswerk auszugestalten. Hier ergeben sich im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel eine Anzahl von Hilfsmöglichkeiteu, auf die im einzelnen später einmal eingegangen werden soll. Hier soll zunächst von zwei Maßnahmen die Rede sein, die der Preußische Landesverband soeben durchgeführt hat. Er hat sein bisheriges Verwaltungsblatt — erstmalig in der vorliegenden Nummer — zu einem Gemeindeblatt insbesondere für die kleineren Gemeinden ausgestaltet, um dem einzelnen Gemeindemitglied geistige Nahrung zu bieten und das Gefühl der Verbundenheit mit seinen Glaubensbrüdern zu erhalten und zu stärken. Dann aber hat der Landesverband im Monat April dieses Jahres in Gemeinschaft mit dem Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau damit begonnen, in den einzelnen preußischen Provinzen sogenannte Kulturabende zu veranstalten, die kulturelle Werte den Gemeinden vermitteln sollen. Es finden zurzeit Kulturfahrten in den Provinzen Grenzmark. Ostpreußen, Pommern und Brandenburg statt, über deren Ausgestaltung folgendes kurz ausgeführt werden soll. Jede Gemeinde, die mindestens 80—100 jüdische Seelen hat, wird aufgesucht, soweit nicht aus irgendwelchen Gründen die Durchführung der Veranstaltung nicht möglich ist. Die Programme dieser Abende sind verschieden. Im Mittelpunkt steht in der Regel ein Vortrag über ein allgemeines und interessierendes Thema. So wird z. B. zurzeit über den Wiederaufbau des deutschen Judentums gesprochen. Es sind aber auch Vorträge mit wissenschaftlichem Inhalt geplant. An Stelle des Vortrags treten auf einigen Fahrten Rezitationen eines Vortragskünstlers aus der Bibel, jüdischen Schriften, Werken jüdischer Dichter und Schriftsteller und aus der allgemeinen deutschen Literatur. Der Vortrag wird in beiden Fällen von musikalischen Darbietungen umrahmt. Der Vortragende wird zu diesem Zwecke auf seiner Reise von einem Sänger oder einer Sängerin begleitet, die Lieder und Arien mit Klavier-, Orgel¬ oder Harmoniumbegleitung zu Gehör bringen. Die Abende finden zumeist in der Synagoge der Gemeinde statt. Zur Deckung der entstehenden Unkosten wird ein kleines Eintrittsgeld (25 Pfennige) von den zahlungsfähigen Gemeindemitgliedern erhoben. Die Kosten für die Vortragenden und Künstler tragen im übrigen der Preußische Landesverband und der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau. Die Gemeinden haben auf die Ankündigung dieser Abende zum großen Teil mit Worten der Begeisterung geantwortet und sich über den Verlauf der Abende, soweit diese inzwischen stattgefunden haben, mit der gleichen Begeisterung geäußert. Es bleibt abzuwarten, wie sich 8

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