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Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens · 1934-05-01 · 2 (1.5.1934) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt für die Jüdischen Gemeinden Preussens
Volume
12 (1934)
Issue
2 (1.5.1934)
Date
1934-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Bezirken durchorganisiert. Meist sind es Lehrerbezirke, wo irgend angängig auch Gemeinschaften von Gemeinden für den Gottesdienst, in einzelnen Fällen Rabbinatsbezirke. Auch in Anspannung aller Kräfte kann bei noch so starker Einschränkung der vom Landesverband durchkontrollierten Etats die Gesamtheitäder im Bezirk zusammengeschlossenen Gemeinden meist das Gehalt des Bezirksbeamten nicht aufbringen. So sind diese Bezirke mit den Zuschüssen des Landesverbandes geschaffen und aufrecht erhalten. Leider erlauben die jetzt zur Verfügung stehenden Mittel dabei nur, das Notwendigste an Gehältern zuzubilligen. Mit Einsetzung ihrer ganzen Kraft unter schwersten finanziellen Opfern trägt so die jüdische Beamtenschaft, besonders die Lehrerschaft das Leben in den kleineren Gemeinden. Es kann sich hier um nichts endgültiges handeln. Die Dinge sind immer noch im FluB und in der Entwicklung. Und niemand kann heute schon übersehen, wo wir stehen, wenn die Entwicklungen zu einem gewissen Abschluß gekomraen sind. Es wäre deshalb verfrüht, heute schon neue Gemeindegrenzen ziehen zu wollen. Aber einmal wird aus dem Beamtenbezirk, zu dem siel} mehrere Gemeinden zusammenschließen, die Bezirksgemeinde werden, in der die Juden einer ganzen Gegend zu einer Gemeinde rechtlich zusammengeschlossen sind. Im Fluß sind auch die Entwicklungen innerhalb des Judentums. Das sich allmählich entwickelnde jüdische Schulwerk wird für die Organisierung und die Versorgung deT kleinen Gemeinden nach und nach von Einfluß werden. Der Zusammenschluß der deutschen Juden wird enger, und es muß möglich werden, die Lasten, die heute hier und dort so verschieden sind, stärker auszugleichen. Was wird aus den kleinen Gemeinden werden? Vielfach scheint die Entwicklung dahin zu gehen, daß die Zahl ihrer Mitglieder immer geringer wird. Die Jugend wandert aus; der Nachwuchs fehlt. Die Lebensmöglichkeiten sind vielfach besonders beschränkt. Aber wir sollen auch keine Ergebnisse vorwegnehmen. Auch die Dinge, von denen die Lage der Juden in den kleineren Gemeinden weithin abhängt, sind nicht in allem endgültig gestaltet. Manche kleinere Gemeinde wird sich nicht erhalten. Ob andere lebensfähig bleiben können, man sollte es nicht vorzeitig verneinen; auf jeden Fall alle Bemühungen daran wenden, die Lebensmöglichkeiten auch dort zu wahren. Aber das ist allem voranzustellen; Wo zur Zeit Gemeinden bestehen und wo noch Juden leben, muß die jüdische Gesamtheit für sie eintreten. Es darf kein Mensch und kein noch so kleines Gemeinschaftsgebilde aufgegeben werden, indem wir sie ohne Hilfe und ohne Lebensmöglichkeit lassen, soweit es an uns liegt. Die sozialen und kulturellen Nöte der Gemeindemitglieder sind groß. JEs ist in diesen Zeilen nicht Gelegenheit, von den Aufgaben zu sprechen, die den zentralen und provinziellen Verbänden hier gestellt sind. Von dem, was sich aus der Not der Gemeinde als solcher ergibt, ist hier für dieses Mal die Rede. Und da muß immer wieder darauf hingewiesen werden: Die Opferwilligkeit aller muß bis zum äußersten angespannt werden, um dieser Teilnot der deutschen Juden, der Not der kleinen Gemeinden abzuhelfen. Bei allen noch so notwendigen organisatorischen Maßnahmen handelt es sich im Augenblick jedenfalls weitgehend um ein finanzielles Problem. Trotz des schweren Schicksals des deutschen Judentums müssen die Möglichkeiten vorhanden sein und sind sie vorhanden, um das, was wirklich notwendig, was lebensnotwendig ist, xu tun, auch in den kleinen Gemeinden. Voraussetzung ist nur, daß jeder sich seiner Pflicht und der Aufgaben der Gesamtheit bewußt ist. Bezirksrabbinate. Von Rabbiner Dr. Julius C a 111 n e r. Die Frage der Bezirksrabbinate für die jüdischen Gemeinden Preußens ist so alt wie die Organisationen, die sich die Juden Preußens geschaffen haben. Das hängt mit dem Judengesetz von 1847 zusammen, in dem den Gemeinden die Autonomie gegeben wurde. Jede einzelne, auch sehr kleine Gemeinde hatte das Korporationsrecht erhalten. Aber durch die geringe Zahl der Mitglieder war sie nicht imstande, in ausreichendem Maße für Kultus und Unterricht Sorge zu tragen. Es war daher selbstverständlich, daß die Organisationen in erster Reihe diese Aufgabe zu erfüllen suchten. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat die Frage der Bezirksrabbinate wiederholt behandelt. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, dem die Wahrung der jüdisch-religiös-geistigen Angelegenheiten in den Bundesgemeinden vornehmste Aufgabe war, erblickte in der Schaffung von Bezirksrabbinaten einen „neuen Fortschritt in der so notwendigen Organisation der Gemeinden“, die „gleichbedeutend mit der Sache des Judentums ist“, ja es wird ihr „als Organisation die höchste Bedeutung“ zugesprochen. Trotz aller Bemühungen gelang es dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund nicht, Bezirksrabbinate zu schaffen. Aber es verdient höchste Anerkennung, was er für die Versorgung der Kleingemeinden mit Religionsunterricht getan hat. Auch die Rabbinerversammlungen von 1884 an haben die Frage der Bezirksrabbinate wiederholt erörtert, ihre Bedeutung und ihren Aufgabenkreis dargelegt. Aber auch sie vermochten keine praktische Arbeit in dieser Beziehung zu leisten. Erst der Preußische Landesverband war in der Lage Bezirksrabbinate zu schaffen. Schon bei seiner Gründung hat die Frage der Bezirksrabbinate eine ausschlaggebende Rolle gespielt. Man war sich darüber einig, daß nur durch organisatorische Arbeit dem Verfall der Gemeinden Einhalt getan werden konnte. Es sind etwa nur noch 60 Gemeinden in Preußen, in denen ein Rabbiner amtiert. Diese Tatsache hat ganz besonders dazu beigetragen, die Staatsbeihilfen für die „geistliche Versorgung leistungsschwacher Gemeinden“ zu erhalten. Die Hoffnungen, die der Preußische Landesverband hatte, eine große Anzahl von Bezirksrabbinaten zu erhalten, haben sich leider nicht erfüllt. Aber er hat trotz der veränderten Verhältnisse die geschaffenen Bezirksrabbinate erhalten. Diese sind heute mehr als je notwendig. Der Aufgabenkreis hat sich durch die gegenwärtige Lage der Juden erweitert. Zur Zeit unterhält der Preußische Landesverband die folgenden Bezirksrabbinate: A. Hauptamtliche 1. Borken (Dr. Köhler), angeschlossen: Gemen, Ahaus, Vreden, Raesfeld, Ochtrup, Gronau, Epe, Stadtlohn, Südlohn, Gpr Reken, Bottrop, Coesfeld. / ca. 500 Seelen. J 2. Ems (Dr. Laupheimer), Rabbinatsbezirke Ems und Weilburg, ca. 50- Gemeinden, ca. 3000 Seelen. 3. Groß-Strelitz (Dr. Feinberg), angeschlossen ca. 20 Gemeinden, ~ ca. 1200 Seelen. , 4. Landsberg (Warthe) (Dr. Quttmann) angeschlossen ca. 10 Gemeinden, ca. 800—1000 Seelen. 5. Oels (Dr. Wahrmann), abgeschlossen ca. 225 Gemeinden, ca. 1700 Seelen. 7

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