Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 1 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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<ItaMinö«eiNticbtiiadtt »ob Veamtenstelle» Ms^cr im wesentlich« aufrechterhalt« worb« find. Daß hierbei die Ratioaalisienrag der Unlerrichtsversorgung, besonder» durch die Bildung von Lehrerdezirk«, soweit wie nur irgend möglich durchgeführt worden ist, und daß deshalb mit wenigen Ausnahmen jedes jüdische Kind in Preußen auch heuir noch Religionsunterricht erhält, mag unter Hmweis auf di« früheren Berichte nochmals betont «erden. Große Schwierigkeiten sind nur in einigen von denjenigen Gemeinden entstanden, die bisher nicht vom Landesverband, sondern aus den wie erwähnt, vom Ministerium unmittelbar zur Verteilung gelangenden Rabbinerstaatsbeihtisen unterstützt worden stich. Hier handelt es sich meist um mittler« Gemeinden mit einem größeren Etat, der nicht ohne weiteres so stark eingeschränkt werden kann, daß der Ausfall des Staats - zuschuffes ausgeglichen wird. Die ftaallichen Unterstützungen beliefen sich im Durchschnitt aus 3—4000 RM. Der Landesverband ist beim besten Willen nicht in der Lage, Beihilfen in solcher Höhe zu bewilligen, wie sie für ein« wirksame Hilfe notwendig wären. Ey besteht baherdie unbedingte Notwendigkeit, für diese Fälle zusätzliche Mitt^ »u° beschaffen. Din entsprechender Aattatz an den Zrntraiausschuß der deutsche» Juden für Hilfe und Ausbau wird zurzeit von der Reichsvertretung vordereitet. Ds muß allerdings betont werden, baß vorläufig leider noch kein« Stcherheit dafür besteht, daß tatsächlich den Landesverbänden Sondermittel für die Unterstützung der Gemeinden zur Verfügung gestellt werden können. In ähnlicher Weise wie für die Gemeindebeihilsen mußte auch in Bezug auf die Unter st ützungenan Rabbiner im Ruhestand und Radbinerwitwen sowie Religionslehrerund Kultusbeamte im Ruhestand und deren Hinterdlieben« verfahren werden. Um di« Ungerechtigkeit einer schematischen Kürzung zu vermeiden, wurden in allen Fällen mit Hilfe der zuständigen jüdischen Wohlfahrtsämter oder Gemeinden neue Ermittlungen zur Klärung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Zuschußempfänger angestellt. Beihilfen tonnen nur noch in den Fällen gewährt werden, in denen sie zur Sicherung eines angemessenen Existenzminimums erforderlich sind, und nur in der verringerten Höhe, die hierfür in Bettacht kommt. Auf diese Weis« ist in einigen Fällen «ine völlige Streichung, in anderen eine Kürzung um über 50% eingetreten, während auf der anderen Seite wieder zahlreiche Zuschüsse unverändert gelassen oder nur unwesentlich gekürzt worden sind. Der für dies« Zwecke ausgewendete Gesamtdettag mußt« um etwa 35—40% herabgesetzt werden. Wenngleich diese uneriätzlichen Sparmaßnahmen zahlreichen im Dienst befindlichen und pensionierten Beamten und ihren Angehörigen schwer« Opfer auferlegt und auch an den Leistungswillen der Gemeinden die höchsten Anforderungen gestellt haben, muß doch festgestellt werden, daß nur mit ihrer Hilfe di« Ausrechterhaitung des Gemeindeunb Beamtenhiifswerks des Landesverbandes möglich ist und wenigstens die schlimmste Not beseitigt werden kann. Aust dem Schulgebiet liegt die Führung der Gesamtaufgaben bei dem neu gegründete» - - Erzlehnngsansschnß der Reichsverttettmg, in dem der Landesverband maßgebend vertteten ist. Insbesondere werden die Fragen der Gründung neuer jüdischer Schulen und der Ausarbeitung neuer Lehrpläne und Lehrbücher von diesem Ausschuß behandelt werden. — Dagegen hat der Landesverband auf dem Gebiet der L«hr«rdildu-ng eine neue Einrichtung geschaffen, die gleichfalls den veränderten Verhältnissen Rechnung ttägt. Nachdem di« deabsichttgte Gründung einer Retigionslehrerakabemie in Berlin nicht mehr zweckmSßig erschien, sind vom Landesverband unter Leitung von Rabbiner Dr. G a t l i n « r Kurse zur Erlangung der Befähigung, jüdische« Religionsunterricht zu erteile«, eingerichtet worden, an denen nur Studienräte, Studienassessoren und Studienreferendar« teilnehmen können. Diese Kurse sollen einmal dazu dienen, den stellungslos gewordenen Phijlüogen «in« zusätzliche Lehrbefähigung zu verschassen, die ihnen bei einer etwaigen Anstellung zugute kommen kann. Sie sollen aber vor allem auch denjenigen Lehrkräften, die für eine Beschäftigung in dem geplanten neuen jüdischen Schulwerk in Deutschland in Betracht kommen, das nötige Maß jüdischen Wissens vermitteln, das heute von allen Lehrern an jüdischen Schulen verlangt werben muß, ganz gleich in welchen Fächern sie unterrichteten. An den Kurse», die in Berlin stattfiaden, nehmen etwa 35 Damen und Herren teil. Di« Kurse sollen zunächst dis Ostern 1934 geführt werden. Dozenten sind die Herren Studiendirektor Dr. Guttmann, Dr. Fritz Bamberger, Dr. Alexander Guttmann, Rabbiner Dr. Lewkvwitz und Studiendirektor Dr. Spanier. . Im übrigen arbeitet der Landesverband, schon auf Grund der vielfach bestehenden Personalunion, in allen Schulfragen aufs engste mit der Reichsverttetung bzw. dem Erziehungsausschuß zusammen. Gemeinsam ist besonders die AnleKing eines Zentralen Verzeichnisses aller für eine etwaige Beschäftigung in dem gepianlen neuen jüdischen Schulwerk in Bettacht kommenden Lehrkräfte erfolgt. Verhandlungen des Landesverbandes mit Regierungsstellen fanden, soweit erforderlich, statt. Nur di« hauptsächlichsten Vorgänge seien erwähnt. Eine Besprechung aur Klärung verschiedener Schulsragen im Kultusministerium wurde im Einvernehmen mit der Reichsvertretung dmchgeführt. An das Preußische Wirtschaftsministeriuin sowie das Innen- und Staatsministerium wurde ein« Eingabe gerichtet, in der auf die immer noch bestehenden wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäft« Hingewielen und unter Bezugnahme auf die entsprechenden Erklärungen der Reichs- und Staatsregierung um Abhilfe gebeten wurde. Tine ähnliche Eingabe ist seitens der Reichsverttetung an dir in Bettacht kommenden Reichsministerien gerichtet worden. Schließlich hat sich der Landesverband an das Preußische Innenministerium in der Frage der Ausweisungspraxis gegenüber jüdischen Ausländern und Staatenlosen gewandt. Anregung des Preußischen Landesverbandes zur Durchführung von Sederfeiern in allen Gemeinden. Der Preußische Landesverband hat an all« ihm angeschloffenen Synagogengemeinden das folgende Rundschreiben gerichtet, in dem er den Gemeinden nahelegt, durch Verschieden« Maßnahmen und Einrichtungen dafür zu sorgen, daß möglichst alle Gemeindemilglieder bei dem kommenden Peßachfest an Sederjeiern teilnehmen: „3n der Berliner Jüdischen Gemeinde ist von den Gemeindekörperschasten eia in der Repräsentantenversammlung «Angebrachten Antrag einstimmig angenommen worden, der dahin geht, daß in möglichst großem Umfange von der Gemeinde, den Synagogenoeremen und allen sonst in Frage kommenden Organisationen Sederfeiern abgehalten werden sollen, und daß die Gemeinde den Vereinen und Organisationen, wo es nötig erscheint, Dechikfen zu dieser Abhaltung von Sederfeiern gewährt. Zu diesem Zweck soll auch eine Liste von Kandidaten angelegt -erden, die für die Abhaltung solcher Feiern geeignet sind. Den Vereinen und Organisationen sollen im Bedarfsfälle diese Kandidatea mrtgeteüt werden, die Herren Rabbiner und Lehrer gebeten werden, Familienvätern, die den Seder geben wollen, aber nicht die nötigen Kenntnisse oder Hebung haben, in Kursen die erforderlich: Unterweisung zu geben. Die Führung des Landesverbandes empfindet besonders stark das Bedürfnis, gerade in dieser Zeit neben der im Rahmen der verfügbaren Mittel durchgeführten Stützung der kleinen und mittlerm Gemeinden auf finanziellem Gebiete auch für die Intensivierung jüdischen Leben» und jüdischen Empfindens in den Mitgliedsgemeinden zu sorgen. Wir begrüßen daher den in Berlin gefaßten Beschluß aufs wärmste und empfehlen ihn überall dortwo noch nicht Änftche Einrichtungen geschaffen worden sind, ober, wo sie der Ergänzung bedürfen, zur Nachahmung. Bei einer Feier, bi« so schr den Charakter des Familien, festes ttägt, wie dir Sederfrier, ist da» Ideal di« Feier im