Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 12 (1934)
- Issue
- 1 (23.3.1934)
- Date
- 1934-03-23
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 4 — für Me wichtigsten Verwattungsmatznahmen, insbesondere die Festsetzung eines den Zertverhältnisien entsprechenden Haushaltsplans, demnächst auf schriftlich«» Wege zu erbitten. Im übrigen sei darauf hiagermesen, daß, abgesehen von unseren Berichten, Me Möglichkeil, sich von allen Vorgängen Kenntnis zu verschaffen, im Hinblick auf die Arbeitsverbindung besteht, in der viele unserer Abgeordneten und Ratsmitglieder mit den Provinzialveichänden. den Provinzialwohlfährtsstellen und den Wirtschaftsberatungsstellen stehen. Wir würden es begrüßen, wenn eine immer größere Anzahl sich zur Mitarbeit in diesen Stellen bereit erklärte. Im Januar 1932 hatte die Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände Deutschlands einen Idköpfigen Ausschuß als Reichsvertretuag der jüdischen Landesverbände Deutschlands eingesetzt und als seine Aufgabe die Wahrnehmung der Interessen der deutschen Juden bezeichnet. Der 'Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden ist in chr durch sechs Mitglieder vertreten, zu denen sein Präsident, KammergerichMrat Wolfs, gehört. Dieser ist zuksieich Präsident der Reichsvertredmg. Als chr Geschäftsführer ist der stellvertretende Präsident des Landesverbandes, Landgerichtsrat Dr. L i l i e n - thal, bestellt worden. Lin Zusammentreten der Reichsvertretung noch wchrend des Jahres 1932 hat sich nicht als notwendig erwiesen. Sogleich nach der Ginsetzung der neuen Regierung, nämlich am 12. Februar 1933, hat sie aber chre erste Sitzung «^gehalten und seitdem eine äußerst umfangreiche und bedeutungsvolle Tätigkeit ausgeübt. Als Ausschuß der Reichsvertretung für die finanziellen und wirtschaftlichen Fragen und für die Leitung der Hilfsaktionen ist der - Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau gegründet worden, der in engstem Einvernehmen mit allen an der Hilfsardeit beteiligten Organisationen zusammenwirkt. Schon vor der Gründung des Zentralausschusses war, den Rotwendigkeften entsprechend, der Wirtschaftsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdsscher Gemeinden unter der Leitung von Dipl. Ing. Woydo zur Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshllse ausgebaut worden, die die Zusammenfassung aller in Betracht kommenden Organisationen zur einheitlichen Durchführung eines wirtschaftlichen Hüfswerks (Aufrechterhältung und Neugrün, düng von Existenzen, Berufsumschichtung) in die Wetze leitete. Die Zentralstelle hat gemäß einem Beschluß der Reichsvertretung ihre Tätigkeit auf ganz Deutschland erstreckt und Beratungsstellen in fast allen größeren Gemeinden eingerichtet. Alles Nähere über die Wirksamkeit dieser zentralen Organisationen, die Abgrenzung der Arbeitsgebiete usw., wird den größten Teü unserer Verbandstagsabgeordneten aus den vom Zentralausfchuß herausgegebenen „Informationsblättern" bekannt. Sowett dies nicht der Fall sein sollte, kann die Zusendung der Informationsblätter bei der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Eharlottenburg 2, Kantstr. 158, beantragt werben. Durch die angeführten neuen zentralen Einrichtungen hat sich auf der einen Seite zwar eine gewisse Entlastung des Landesverbandes ergeben. Aus den Ereignissen der letzten Monate sind ihm jedoch zahlreiche neue Aufgaben und Probleme erwachsen. Es galt zunächst, Gegenmaßnahmen gegen den drohenden Zusammenbruch der kleinen und mittleren Gemeinden zu treffen. Reden den finanziellen Schwierigkeiten bestand hier vor allem schwere seelische uni kulturelle Rot, die sich aus der gesellschaftlichen Isolierung und der wachsenden wirtschaftlichen Rot ergab. Der Landesverband sah es daher vor allem als feine Aufgabe an, dafür zu sorgen, daß der ZÄammenhang mit diesen versprengten Gliedern der jüdischen Gemeinschaft aufiecht erhalten und nach Mögli'chkest gestärkt werde. Es wurde ein besonderes Dezernat für die Betreuung der Kleingemeinden unter Leitung von Fräulein Dr. Margarete Be re nt eingerichtet, das in der Berichtszeit in verfchiedenen Provinzen mit Erfolg die Organisierung regelmäßiger Besuche aller Klemgemeiade» durch geeignete Persönlichkeiten durchgeführl hat. Die Besuche sind, den veränderten Rotwendigkeöea entsprechend, nicht nur von Rabbinern oder Schiern, sondern auch von sonstigen mit wirtschastllche» und sozialen Frage» vertrauten Persönlichkeiten unternommen worden. I« einzelnen Provinzen ist leider die Durchführung der neuen Aufgabe auf große personelle und organisatorische Schwierigkeiten?stoßen, an deren lleberwinduag zurzeit noch gearbeitet wich. as neue Dezernat stcht in enger Verbindung mit her Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, die ihrerseits ähnliche neue Aufgaben, wenn auch auf mehr fürforgerifchem Gebiet, zu lösen hat. Der geistigen Erfassung der Provinzgemeinden soll auch die in diesem Jahre wieder aufgenvmmene Versendung von Predigten dienen. Zu Peßach Und Sch'wuoch wurden mehrere Predigten versandt. Auch «rßerhalb der Feiertage sollen, möglichst in regelmäßigen Abständen, Predigten verschickt werden, die vor allem in den Gemeinden chne eigenen Beamten von dem Vorsteher oder einem sonstigen Gemeindemitglied beim Gottesdienst zur Verlesung gelangen ober dort, wo ein regelmäßiger Gottesdienst nicht stattfindet, auf sonstige geeignete Weise den Gemeindemitgliedern zur Kenntnis gebracht werden sollen. Neben dieser seelischen Betreuung mußte alles aufgewendet werden, um Me finanzielle Erhaltung der kleinen und mittleren Gemeinden zu sichern. Hier ergaben sich fast unüberwindliche Schwierigkeiten aus der Tatsache, daß die bisher dem Landesverband zugeflossenen Staatszuschüsse von der neuen Regierung nicht weiter gewährt wurden. Besonders einsckmeidend war es, daß die Robbinerstaatsbeihitfen, die von dem Ministerium unmittelbar an die Rabbiaergemeinden verteilt und für 1932 zwar bewilligt, aber noch nicht ausgeschüttet worden waren, nicht mehr zur Auszahlung gelangten. Es ist für den Landesverband unmöglich, diesen Ausfall aus eigenen Kräften voll auszugleichen, denn diese sind infolge der gesunkenen Steuerkraft der Gemeinden sehr beschränkt. Zusätzliche Mittel konnten bisher nicht beschafft werden. Immerhin ist es gelungen, durch äußerste Einschränkung und Herabsetzung des Zuschußbedarfs auf das unbedingt Notwendige eine Notlösung herzustellen, die Massenentlastungen und, damit verbunden, den Zerfall des Gemeindeledens verhinderte. Unmittelbar vor Beginn des neuen Rechnungsjahres, am 31. Marz 1933, richtete der Landesverband an feine Mitgliedsgemeiaden ein Rundschreiben, in dem er sie aufiorderte, alle sächlichen Ausgaben im neuen Etatsjahr auf das äußerste zu vermindern und auch hinsichtlich der Besoldung der Beamten für die Dauer der Notzeit nach Möglichkeit zu Zwischenlösungen zu gelangen. Am 24. April wurde dieses erste Rundschreiben durch ein zweites ergänzt, in dem in vollem Einvernehmen mit dem Jüdischen Lehrerverband in Preußen ein Appell sowohl an Me Gemeinden, als auch an ihre Beamten gerichtet wurde, durch beiderseitiges Entgegenkommen freiwillige Vereinbarungen zu tteffen, die ein« Balanzierung der Etats «möglichen. Der entscheidende Beweggrund für diese Mahnung des Landesverbandes war der Wunsch, unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß zu der Herausstvßung zahllos« jüdisch« Menschen aus ihrer Existenz nicht auch noch die Entlassung jAisch« Gemeindebeamter trat. Dieses Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn einerseits die Gemeinden das äußerste leisten und auf d« anderen Seite die Beamten auf die außerordentlichen finanziellen Schwierigkeiten d« Gemeinden die gebührende Rücksicht nehmen. Es kann mit Genugtuung sestgestellt werde«, daß der Appell des Landesverbandes volles Verständnis, besonder» auch auf Seiten d« Beamtenschaft, gesunden hat, und daß es tatsächlich mst wenigen bedauernswerten Ausnahmen verhindert werden konnte, daß Rabbiner ob« Religionslehr« in den letzten Monaten stellungslos geworben sind. Einen Sonderfall bilden allerdings diejenigen Beamten. Me vorwiegend mit der Schechitah beschäftigt worden waren. Für sie ist mit dem Schächtverbvt die Grundlage ihr« Tätigkeit in Fortfall gekommen, so daß sie vielfach nicht länger im Dienst der Gemeinden gehalten werden können. Auf dies« Basis — äußerste Drosselung der Gemeindeetats bei gleichzeitiger stärkst« Anspannung der Steuerlast d« Gemeinden — hat es der Landesverband durch feine Beihilfen, obfchon er sie mit Rücksicht auf den Fortfall der Staacksbeihllfen in dn Regel um 30—40X kürzen mußte, ermöglicht, baß die