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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 61

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— 61 — bann ist es auch da'nur möglich, wenn wir den Versuch machen, dieser politischen Fragen Herr zu werben. Dazu gehört B., baß in ganz anderem Maße als bisher der jüdische Arbeitgeber auf seine Verpflichtung — meiner Ueberzeugung noch im eigensten Interesse — aufmerlsam gemacht wird, daß es auch für ihn und für seine Kinder von Bedeutung ist, wenn er jüdischen Arbeitnehmern die Möglichkeit von Beschäftigung und Verdienst gibt. Wichtiger aber als all das, ist die Erkenntnis, daß, wenn wir etwas Grundlegendes tun wollen, dieser Sanbesoetbanb oder ein zukünftiger Reichsverband gezwungen ist, einer politischen Frage mit politischen Mitteln entgegenzuwirken. Auch die Wirtschaftskrise läßt sich nicht dadurch beheben, daß Sie dauernd die politische Verantwortung von sich abschieben. Und ich weiß aus dem Munde ausgezeichneter und führender Persönlichkeiten des Eentralvereins, daß man dort die Bedeutung dieser Dinge besser versteht, als mancher von Ihnen hier, und das man nichts dagegen hätte, wenn man zum mindesten unterstützt würde in der eigenen Aktion durch ein tatkräftiges Eingreifen dieses Preußischen Landesverbandes in der politischen Frage, die die preußische und deutsche Iudenheit heute beschäftigt. Und solang« der Landesverband an dieser entscheidenden und wichtigen Aufgabe vorbeigeht, so lange wirb auch in der Wirt» schaftÄrise ein wesentlicher Faktor zu ihrer Behebung ungenutzt bleiben. Man will die Hebel nicht ansetzen, die man ansetzen kann. Bor nicht allzu langer Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem der höchsten Reichsbeamten, einem der Staatssekretäre, und der hat mir gesagt, er versteht nicht, warum die jüdische Gemeinde in Berlin ihn so im Stiche läßt, warum sie ihm nicht das Material gibt und ihn auffordert, bestimmte scharfe Schritte zu unternehmen. Es ist selbstverständlich, daß es in jeder politischen Arbeit auf Wirkung und Gegenwirkung ankommt, und solange das preußische Judentum darauf verzichtet, diese Arbeit zu unternehmen, solange versündigen Sie sich an den wichtigsten Aufgaben des preußischen Judentums. (Beifall.) Mg. RAnw. Dr. Seligsohn: Ich bitte, einen Antrag einbringen zu dürfen. Dir beantragen den Schluß der Tagung. Er ist von IS Abgeordneten unterzeichnet. Für Begründung möchte Herr Dr. Holländer ganz kurz das Wort nehmen. Abg. Direktor Dr. Holländer: Es wäre an sich mein Wunsch gewesen, auf die Ausführungen des Herrn Berger im einzelnen ausführlich etnzugehen, weil sie in der Tat Fragen behandeln, die hier von dieser Tribüne aus behändst werden müssen, besonders weil st« auf der anderen Sette zu häufig Anlaß geben, sich in ablehnendem Sinn« über di« Dinge zu äußern, die mehr aus agitatorischen Gründen in die Debatte hineingeworfen worden sind, und die mit der Materie nichts zu tun haben. Es würde mir aber nicht würdig erscheinen, vor einem so schwach besetzten Haus« auf diese wichtigen Dinge einzugehen. Ich kann es bedauern, daß durch unnütze Pausen und unnütze Debatten Stunden der'Tagung verloren gegangen sind, die wir viel besser diesem wichtigen Problem der deutschen Irchenheit entgegengebracht hätten. Es ist das nicht unsere Schuld. Mer es ist auch nicht meine Ausgabe, die Schuldsvage hier zu untersuchen, sondern nur festzustellen, weshalb tu dieser Spezialfrage eine ausführliche Verhandlung heute ausgeschlossen ist. Eine weitere Verhandlung wäre unser unwürdig, weil wichtige Abgeordnete hier schien, und somit der innere Sinn jeder parlamentarischen Perhandlung, nämlich die gemeinsame Aussprache im großen Kreise, fchlt. Zu einer bloßen Farce wollen wir uns nicht hevgeben. Deswegen haben wir den Antrag auf Schluß der Debatte gestellt. Präsident.Stern: Ich danke den wenigen Damen und Herren, die bis zum Schluß durchgehalten haben, für ihre treu« Hingabe. G o s l a r: Ich muß meinem großen Bedauern darüber Ausdruck geben, daß dieses Referat hier zu spät auf die Tagesordnung gesetzt worden ist. Es ist eine große Enttäuschung für uns alle, daß wir nicht in der Lag« sind, über diese Frage hier zu diskutieren. Ich kann , nicht anerkennen, daß der Vorwurf, der aus den Worten von Dr. Holländer sprach, daß gewiss« unnütze Debatten hier geführt wurden, berechtigt ist. Gewisse Dinge hätten sich vermeiden lassen, wenn etwas mehr Entgegenkommen und mehr Großzügigkeit geherrscht hätte. Sie werden aber erkannt haben, wie berechtigt die alte immer wieder vorgebrachte Forderung der Dolksportei ist, daß wir uns in einer eigenen Wirtschastskonferenz mit dem Material befassen müssen. Es ist nicht möglich, baß wir das hier so nebenbei machen können. Sie sehen, daß wir Recht hatten, als wir vor zwei Jahren hier beantragten, diese Wirtschastskonferenz endlich einzuberufen, damit die ganzen Fragen besprochen werden können. Darauf wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Ein Versammlungsteilnehmer dankt dem Vorsitzenden für die außerordentlich wertvolle Arbett, die er durch seine Leitung der Versammlung geleistet hat, und spricht die Hoffnung aus, daß die Dinge, die hier eben noch besprvchch, worden find, nicht ganz so schlimm ausftlllen möchten, wie es den Anschein hat. Schluß der Tagung 22.00 Uhr. Anwesenheitsliste. Abgeordnete: Michael Abraham, Berlin S. Abraham, Berlin S. Adler-Rudel, Berlin Oberrabbiner vr. Altmann, Trier vr. Iewfei Altschul, Berlin Isidor Bach, Berlin Walter Bacher, Kassel Rudolf Ballin, Kassel Felix Bamberger, Homburg v. d. H. Bankdirektor Gustav Benari», Berlin Frau Elfrid« Bergel-Gronemann, Berlin Alfred Berger, Berlin Frau Lulu Bloch-Reustadt, Frankfurt a. M. Kurt Blumenfeld, Berlin RAmo. vr. Walter Breslauer, Berlin Iupizrat Vr. Julius Brodnitz, Berlin RAmo. Gustav Brück, Wuppertal-Elberfeld .vr. David Büschel, Essen vr. Alfred Earo, Berlin Ob«rreg.-Baurat a. D. Cohen, Frankfurt a. M. vr. msa. Leopold Tohn, Hildesheim-Moritzberg RAmo. vr. Oskar Cohn, Berlin Frau Hanna Dorn, Hannover - RAnw. vr. Arthur Ehrlich, Königsberg RAmo. vr. Heinrich Elkele», Berlin RAmo. vr. Hugo Emmerich, Frankfurt a. M. Isidor Engländer, Berlin RAnw. Or. Harro Epstein, Duisburg Sanitätorat Dr. Albert Ettling«?, Frankfurt a. M. Hermann Falkenberg, Berlin RAnw. vr Marcus Felixbrodt, Hall« a. b. 'S. Erich Felsenthal, Düsseldorf RAnw. Ludwig Foerder, Breslau Hugo Fraenkel, Frankfurt a. M. vr. Ismar Freund, Berlin vr Max <dach, Berlin Rabb. Dr. Julius Galliner, Berlin vr Moritz Garbaty, Berlin Max Gins, Breslau George Goetz, Berlin Emanuel Goldschmidt, Dortmund Ministerialrat Hans Goslar, Berlin Robert Gutheim, Berlin Studiendirektor i. R. vr Joseph Dutmann, Berlin Frau Bianka Hamburger, Berlin. ' tinku« Hauser, Berlin taatssettetär Prof. vr. Julius Hirsch, Berlin Willy Hirsch, Berlin Gemeinde-Rabb. vr. Jakob Hoffmann, Frankfurt a. M. RAnw. vr Ludwig Holländer, Berlin RAnw. Wraham Horovitz, Frankfurt a. M. RAnw. Max Iacobsohn, Breslau Iustizrat Solomon Kalifch, Breslau RAmo. vr. Siegfried Kann, Düsseldorf vr Siegfried Kanowitz, Berlin Georg Kareski, Berlin RAnw. vr Siegfried Kaufmann, Köln Max Klein, Berlin Frau Bertha Kochmann, Berlin RAnw. Or. Max Kollenfcher, Berlin vr Georg Landauer, Berlin Rabbiner Or Paul Lazarus, Wiesbaden Rabbiner vr Joseph Lehmann, Berlin RAnw. Martin Lentfchütz, Hindenburg Landgerichtsrat vr Martin Lesser, Berlin Rabbiner vr Emil Leon, Berlin vr Leo Levy, Bad Polzin RAnw. vr Abraham Löb, Berlin Julius Läwenthal, Eschwege RAmo. Dr. Marcus«, Stettin Bankdirektor Hermann Marx, Königsberg RAmo. vr Richard Merzbach, Frankfurt a. M.

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