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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 44

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 44 (sequence 44)
Language
German
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-44 — ich seit 15 Jahren in gewissem Sinne privat, aber auch offiziell die Stelle war, die zu überwachen hatte, wie aus gesammelten Geldern plötzlich Gelder werden, die einer ernsten wirtschaftlichen Verwendung unterliegen. Ich habe, als ick in die zionistische Aäbeit eintrat, ben Eindruck gehabt, daß sich vwlleicht zum erstenmal in der Weltgeschichte in einem solchen Ausmaß der Prozeß vollzieht, daß Hmwertausende von Pfunden, die als Spenden gegeben wurden, plötzlich wirffchafüich Münze werden müssen. In diesem Zusammenhang habe ich auch mit Berficherungs. angelegenheiten zu tun gehabt; ich habe mich mit ihnen auch in meinem eigenen Beruf beschäftigt. Ich bin überzeugt, baß die Mehrheit von Ihnen irgendwie Objekt von Versicherungsverträgen ist, und daß Sie sich nicht alle sehr sorgsam informiert haben, was in dem Kleingedvuckten der Verträge alles steht. Ich weiß, daß es unendlich viele Fälle von Enttäuschungen gibt, weil plötzlich, wenn der Dersicherungsfall eintritt, irgendein 8 136 eine Rolle spielt. Und ich Hobe seit vielen Jahren — vielleicht zufälligerweise infolge von Erlebnissen in meinem Beruf — die sorgsamste Ueberlogung der Tatbestände innerhalb des deutschen Versicherungswesens einschließlich aller Schadensfälle bei mir durchführen lassen. Ich bin zu der Ueberzeugung gekommen^ daß, wenn es sich um größere Beträge, um größere Versicherungsabschlüsse handelt, eine Vorarbeit zu leisten ist, die weitaus schwieriger ist, als etwa die Vorarbeiten, die ein normaler Kaufmann in seinem Beruf auszuüben hat, wenn er diesen oder jenen Vertrag abschließt. Das Problem, das vorliegt, ist sehr umfangreich, und ich glaube nicht, daß es möglich ist, es hier in seiner Weitschichtigkeit zu behandeln. Ich möchte deswegen versuchen, nur die Außenlinien des gegenwärtigen Tackeflandes zu schildern. Soviel ich weiß, ist Herr Woyda im März oder April vorigen Jahres mit dem Auftrag betraut worden, die Persicherungsangelegenheit zum Abschluß zu bringen. Ich habe wohl kurz darauf, in meiner Eigenschaft als MitgliÄ des Engeren Rates, gerade weil ich mich mit dem Gebiet beschäftigt habe, den Nebenauftrag bekommen, hierbei mitzuwirken. Bevor ich aber noch die Vorbereitungen — aus der Schwierigkeit der Materie heraus — in einem solchen Stadium hatte. Laß ich sagen konnte, jetzt können wir über diese Frage verhandeln, wurde bereits Anfang Oktober vorigen Jahres der Beschluß km Dezernentenkollegium gefaßt, daß ein Vertrag mit der Viktoria-Gesellschaft so weit gediehen sei, daß man ihn abschließen könne. Nun glaube ich, daß ein so schleuniges Verfahren unmöglich ist, vor allem, weil man zunächst wissen muß, was man auf diesem Gebiet für sein Geld bekommen kann. Wenn ich mich z. B. auf den Standpunkt des Herrn Referenten stellen will, und wenn wir beide davon ausgehen, daß eine etwa lOprozentige Leistung als Beitrag halb von der Gemeinde, halb von dem Mitglied jährlich h» die Rechnung zu stellen ist, dann wäre erst die Fragestellung sorgsam zu prüfen. In der Fragestellung liegt gewöhnlich die Entscheidung, ob die Antwort sinnvoll ist oder nicht. Die Frage müßte heißen: Was müssen wir bei solchen Beiträgen von der Versicherung verlangen? Ich bin überzeugt, daß Herr Woyda sich die Frage vorgelegt und versucht hat, sie zu beantworten. Er hat sich aber, wie ich weiß, im wesentlichen mit den Vertretern der verschiedenen Versicherungsgesellschaften zusammengesetzt, die eben hier als Konkurrenten und als mögliche Kontrahenten in Frage kommen. Das scheint mir ein vollkommen ungenügendes Verfahren zu sein. Ich würde als Kaufmann kein Geschäft abschließen wollen, bei dem ich in einem solchen Ausmaß von meinem Gegenpartner in Beratungen aller Art abhängig bin, und ich möchte desweqen sagen: Wenn Herr Woyda, wie ich annehmen kann, in den Monaten April bis August-September vorigen Jahres keine Gelegenheit genommen hat, sich von Versicherungsmathematikern beraten zu lassen, von Fachleuten, bei denen man sich vorher überzeugt hat, daß es nicht Funktionäre von interessierten Gesellschaften find, dann ist die für unsere Seite notwendige primitive erste Vorbereitung für di« Aktion, vor der wir heute stehen, noch nicht geschehen. Ich bin überzeugt davon, daß Herr Woicha alles getan hat, was man als Richtstrchmann auf dem Gebiet tun kann. Ich glaube, daß er eine besondere Begabung hat, sich in neue Gebiete einzufühlen. Ich glaub« auch, daß der Nichtfachmann da sehr viel leisten kann, daß z. B. in meinem Beruf der Richtfachmann große Erfolge haben kann. Aber ich bin doch übeqeugt davon, daß es sich hier um eine so komplizierte Materie handelt, daß ich mich als Nichtfachmann des Fachmanns bedienen mutz, den ich allerdings zum Objekt meiner Pläne und meiner Wünsche zu machen habe. Ick muß mich davor hüten, einen Fachmann zu Höven, der da» Slckjekt der Behandlung wirb, wo ich dann Objekt bin aus Mangel an Erfahrungen urw Verbundenheit mit dem Fragenkomplex. Run, meine Damen und Herren, ich habe nicht die Absicht, das Ergebnis dieser Verhandlungen zu kritisieren, es ist, wie mir scheint, fachlich unmöglich, eine so komplizierte Materie tm einzelnen hier vorzutragen. Ich bin überzeugt, daß ich Herrn Woyda Unrecht tun würde, und er mir, wenn wir diesen ober jenen Spezialfall aus dem riesenhaften Bukett behandeln würden. Ich bin aber wohl gezwungen, doch einiges zu sagen. Was ist unser Problem? Wir haben, wie ich weiß, eine Beamtenschaft, die, wenn man den gehobenen Durchschnitt rechnet, etwa 47 Jahve alt ist. Dazu muß ich sagen: Herr Woyda hat im August vorigen Jahres eine Rundfrage erlassen, um diese Tatbestände festzustellen. (Me ich inzwischen von Herrn Woyda gehört habe, hat es auch früher schon eine solche Rundfrage gegeben.) Der Einlauf der Antworten schien aber Herrn Woyda so, daß es sich nicht lohnte, diese Rundftage weiter zu bearbeiten. Und so ist es gekommen, daß diese beantworteten Fragebogen unaddiert, unbearbeitet bis vor etwa 8—14 Tagen gelegen haben. Ich habe eine langjährige Erfahrung in bezug auf organisatorische Arbeit, die durch Korrespondenzen zu leisten ist, und ich weiß, daß auf die erste Rundfrage viele Antworten nicht kommen, die «inlaufen, wenn die zweite Rundfrage kommt, besonders wenn die zweite Rundfrage keine allgemeine Rundfrage ist, sondern eine spezifffche Befragung über besoickere Erscheinungen. Nachdem ich in den letzten 8—14 Tagen Gelegenheit gehabt habe, di« Mappen mit den Antworten auf die Rundfrage des Landesverbandes zu sehen, habe ich eine sehr hohe Meinung von dem Interesse, das in den einzelnen Gemeinden für dieses Problem besteht, denn es ist nach meiner Erfahrung eine unwahrscheinlich hohe Zahl von Bogen mit sehr eingehender Beantwortung der einzelnen Fragen eingegangen, trotzdem diese erste Rundfrage naturgemäß noch keine eigentlich aktuelle Bedeutung hatte oder auch haben konnte. Denn selbstverständlich konnte man im August vorigen Jahres den Gemeinden nichts darüber sagen, welche Dersorgungsmöglichkeiten bestehen, welche Sätze erreic^rar sind u. ä.; man konnte nur allgemeine Vorfragen stellen. Ich bin überzeugt davon, daß, wenn man diese Rundftagen bearbeitet — sie sind in den letzten Tagen nur provfforisch bearbeitet und für eine kleine Denkschrift zusammengestellt worden — man in dem Material noch Wertvolles finden kann. Ich möchte hierbei sagen, daß, wer besonderes Interesse für dieses Gebiet hat, sich diese Denkschrift geben lassen kann. Die Denkschrift hat bei den Beratungen des Rates zugrunde gelegen. Freilich ist sie dort auch nicht studiert worden und hat nicht den Eharakter eines endgültigen Gegenvorschlages. Sie ist ein Versuch zu zeigen, welche Probleme beachtet werden müssen, bevor man zu einem Ergebnis kommt. Wenn man den Bestand an zu Versichernden, von dem wir auszugehen haben, berücksichtigt, muß man von vornherein Bedenken wegen eines Abschlusses mit einer Lebensversicherungsgesellschaft haben. Es gibt aber in Deutschland ungezählte Beispiele dafür, daß Gemeinschaften irgendwelcher Art zu einer eigenen Pensionsbasse kommen, die fil*, die besonderen Verhältnisse besser zugeschnitten ist, als irgendein Tarif einer Versicherungsgesellschaft. Ich kann darauf Hinweisen, daß z. B. die Zcchlen, die in der kleinen Denkschrift unserer Subkommission über Leistungen für Witwen, Waffen und Invaliden genannt werden, fast identisch mit den Leistungen vielfältiger Sonderkassen bei lOprozentigen Beiträgen sind. Ich weise darauf hin, daß z. B. die deutschen Ortskrankenkassen für ihre eigene Angestelltenschaft, die etwa 12000 beträgt, ein System durchführen konnte, bei dem mit in der Regel 8prozentigen Beiträgen, Pensions. und sonstige Leistungen gewährt werden, die noch besser sind als die Lefftungen, die wir bei den Vorschlägen in unserer Denkschrift errechnet haben. Nun das Entscheidende: Nimmt man die vorliegenden, recht provisorischen Zahlen der Rundfrage vom August zur Hand, so kommt man zu dem Ergebnis, daß es eine Mehrheit von Beamten und Angestellten gibt, denen eine Versorgung durch die Gemeinden zugesichert ist, ftrner eine große Anzichl von Angestellten und Beamten, die in der Anges^lltenverficherung versorgt sind, und daß nur ein kleine Minderheit vollkommen ungesichert bleibt. Man sieht aber auch, daß die älteren Beamten vielfach hoffnungslos dastehen. j

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