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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 40

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 40 (sequence 40)
Language
German
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— 40 — sondern um die prinzipiell Anerkennung Ihres Standpunktes durch uns. Und sobald eine Angelegenheit aus dem Sachlichen hinausgeht und zur Frag« der Anerksmung eines grundsätzlichen Standpunktes wird, wird sie auch für uns zu einer Prinzipienfrage. E» ist uns nicht möglich, uns unter dieses caudinische Joch zu beugen. Wenn Anträge von einzelnen Thaluz im vorliegen, die der . Unterstützung würdig und bedürftig find, so sollen diese selbstverständlich unterstützt werden. Wenn es also lediglich darauf ankäme, 1000 oder 2000 RM. an die einzelnen Thaluzim zu gchen, so wären wir all einig. Aber damit ist Herrn Berger nicht gedient. <St will, daß diese Mittel der Organisatton als solcher gegeben werden. Das ist es, worauf es ankonnnt! Diese Mittel sollen der Organisation zugeteilt werden, damit wir dieser als Empfangsberechtigter dadurch die Anerkennung zuteil werden lassen. Das ist denn nun der Zweck des Hechaluz? Mir liegt sein Statut vor, und ich darf es den Herren der Konservativen in Erinnerung rufen. Der Zweck des deutschen Landesverbandes Hechaluz ist a) die berufliche und geistige Dorbereitunq seiner Mitglieder für Palästina, b) die Organifierung der Uebersiedlung seiner Mitglieder nach Palästina und die Vertretung der Interessen seiner Mitglieder nach außen. Dir wissen, daß dl Mitglieder der Dolksparli diese Ziel« erstreben. El wissen aber auch, daß die Liberalen dies« Arbeit nicht fördern wollen und können. Dir wollen Sie gewiß nicht hindern szur Dollspartei), aber wir wollen uns unsere Ziel auch nicht von Ihnen vorschreiben lassen. Wir zwingen auch Sie nicht unter ein caudinisches Joch. Denn ich mich hier hinslllen und sagen würde: ,Zch beantrage, dem Tentralverein aus Mitteln des Landesverbandes 50 000 RM. zu bewilligen", und das mit der verdienftvolln Abwehrarbett des TD., die große Mittel erheische, begründete, so würde das Ihnen gewiß nicht recht sein. Dir verlangen das bisher nicht von 3f(nen, weil wir wissen, daß Eie einem solchen Anttag nicht zustimmen würden. Dtt bringen lieft« die Mittel, die auch Ihnen zugul kommen, selber auf. Umgekehrt wissen wir, daß die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden es ablhnt, Gelder für ein« spezifisch palästinensische Organisatton, wie es d« Hechaluz ist, zu geben. An diesem Standpunkt halten wir fest. Dtt lassen uns auch durch Ihre Drohung der Ablehnung des Etats nicht zwingen. Dir sind mit Ihnen der Auffassung, Thaluzim, dl eine Unterstützung notwendig haben, diese zu geben: aus Prinzip diel Organisatton anzuerlennen, vermögen wir dagegen nicht. Berger: Es ist bezeichnend, daß mein Dorredner es bedauert hat, daß wir hier über prinzipielle Dinge sprechen statt nur offenbar über Kuhhandel, üb« das Ausgleichen der einzelnen Positionen. während es mir dieses Derbandstags würdig zu sein scheint, üb« Prinzipielles zu reden und nicht nur darüber, ob der eine 1200 oder 900 RM bekommen soll. Der Pergleich rnit dem Tenttalverein scheint mir abwegig zu sein. Die die ganze Materie hier behandelt worden ist, dazu nur ein Beispiel. Herr Blumenfeü> sagt zum Anttag d« Liberalen, daß wtt ihn ablehnen müssen, weil Thaluzim keine Schnorrer sind. Darauf antwortet Herr Wertheim in der Ihnen bekannten Vornehmheit, Thaluzim sind Schnorrer. (Zuruf Werlheim: Das ist eine Unwahrheit von Ihnen!) Hier sitzen Blumenfeld und Epstein, die das gehört haben. Wertheim: Ich verbitte mir, daß hier private Zwiegespräche von der Tribüne des Hauses erörtett werden, ohne daß der Redner sie angehört hat. Dtt find nicht willens, uns alles von Ihnen gefallen zu lassen. Berger: Ich bleibe bei meiner Aussage. Wertheim: Sie bleiben bei einer Aussage, die Sie nicht gehört haben. Mit der Leichtfertigkeit und Verlogenheit, mit der Sie gesttrn gesprochen haben, sprechen Sie heute wieder. Präsident Stern: Herr Berger, Sie können hier nur behaupten, daß Ihnen das mitgeteilt worden ist. Ich würde doch vorsichtig sein. Denn der He«, der es selbst gesagt haben soll, das bestreitet, genügt das, daß er es nicht gesagt hat. Sie müßten, wenn Sie es nicht aufrechlrhalten können, so viel Kollegialität haben, diese Behauptung fallen zu lassen. Berger: Ich erkläre hierzu, daß ich den Dorwurf der Unwahrheit von seiten des Herrn Dertheim, Mt Ruhe trage. Bevor ich zum Thenm Hechaluz komme, muß ich zu dem Problem des Dtttschaftsausschusses sprechen. Hier ist eine eigentüMiche Form d« Behändlung gewählt worden. Ich hätte erwarten können, daß der Dertteter des Rates vor meinen Ausführungen zum Hechaluz üb« die Gefamtfroge sprechen würde und nicht abwarten, bis ich zu diesem Punkt gesprochen habe. Dtt mußten so annehmen, daß bet der vorgerückten Zeit hier keine Besprechung gewünscht würde. Ich halte den zweiten Teil der Ausführungen von Doyda für auß«ordentlich erfreulich, und « ist ein Beweis dafür, daß es auch in diesem Hause möglich ist, eine gewisse Erziehungsarbeit zu leisten. (Lachen bei den Liberalen.) Bor zwei Jahren schrieb derselbe He« Doyda: Deil Palästina pleite ist, haben die Zionisten die jüdische Dtttschaftsnot in -Deutschland erfunden. Und inzwischen hat He« Doyda einiges dazu gel«nt, nicht nur, daß Palästina noch nicht pleite ist. Man sprach doch früher gegen Berufsberatung. He« Graetz war auch gegen den jüdischen Arbeitsnachweis. Es ist mir interessant, wie wichtig der Wirtschaftsausschuß unt« Leitung von Doyda genommen wird. Er hat nach meiner festen Ueberzeugung in vielen Punkten ausgezeichnete Arbeit geleistet. Ich erkenne das an. Dir find ein gutes Stück weitergekommen. Ich wünsche dem Wirtschaftsausschuß, daß er mit der gleichen Energie weitergeleitet Mrd. Seitdem wir Herrn Doyda als Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses haben, kennt man auch hier eine jüdische Wirtschaftsnot. Zu dem konservattven Antrag habe ich zu sagen: Gerade in der Frag« der Stadtrandsiedlung müssen wtt vorsichtig sein, und zwar aus dem Grunde, well Mch meine persönllche Erstchrung gelehrt hat, daß die Zahl der jüdischen Menschen in Deutschland, die für diese Form der Siedlung geeignet wären, nur g«ing ist, und zweitens, weil diese Form der Siedlung nur dann einen Sinn hat, wenn sie geschlossen gemacht werden kann. Einzelsiedlungen scheinen mir ge» f^rlich zu sein, da diese Menschen durch ihre Vereinsamung dem Judentum verloren zu gehen drohen. Ich komme nun zu dem Punkt Hechaluz und bitte He«n Seligsohn, uns zu glauben, daß es uns nicht darauf ankommt, hier ein kaudinisches Joch zu errichttn. Ich kann nur sagen, nichts Uegt uns ferner, und Sie haben kein Recht davon zu sprechen. (Zuruf Dr. Breslauer: Dann hätten Sie nicht sagen dürfen, daß meine Ausführungen eine Verurteilung der Stellung der Berliner Repräsentanten zur Frage Thaluz sind.) Diese Frage Hechaluz bewegt mich so, daß es mir schwer ist, in dieser Frage ruhig zu sprechen. Dir haben den klaren Eindruck, daß hi« ein Rechtsanspruch verletzt worden ist, deshalb können wir hi« auf einen Punkt nicht eingehen, ich hoffe, daß Sie verstehen werden, warum nicht, nämlich auf den Punkt der von Herrn Doyda nicht ganz richttg vorgettagen worden ist, daß man den Thaluzim geben will, aber nicht dem Hechaluz. Es fteroirbt sich nicht nur die Organisation Hechaluz, sondern auch die Organisatton Reichsbund für jüdische Medlnng, die Organisation der Freunde von Rodges, der Reichsbund jüdischer Fronsoldaten, und in keinem Falle hat He« Doyda verlangt, daß die Bedürftigkeit der einzelnen Petenttn dies« Organisationen nachgewiesen wird, sondern er hat den Organisationen das Geld zugewiesen. Ich habe nichts dagegen, daß er die Wirtschaftsführung des Hechaluz prüft. Wir haben immer nur den Organisationen Unterstützung gegeben. Genau das gleiche Recht ««langen wtt nun für den Verein Hechaluz, nicht mehr und nicht weniger. Es ist nicht uns«e Schuld, daß diese Angelegenheit, die ursprünglich im Wohlfahrtsausschuß behandelt worden war, in den Wirtschaftsausschuß hinübergegeben wurde, und dort nur dieser einen Organisation nicht das zugebilligt wurde, was den anderen zugebilligt worden ist. Es ist für uns eine entscheidende Angelegenheit. Ich bitte Sie noch einmal, hi« zu verstehen, daß auch der Vergleich Mt d« Abwehrarbeit des TB. hinfällig ist. Die Mahnung des Vorsitzenden zwingt mich, kurz zu sein. Sie werden mir nicht Nachweisen können, daß der Hechaluz auch nur in einem Punkt in innerjüdische Kämpft in Deutschland eingegrifftn hat, daß der Hechaluz in den Gemeinden bei Wahlkämpftn eingegrifftn hat und daß er die Stellung irn innerjüdischen Kampf einnimmt, die der TV. einnimmt. Ich Mll dem TB. dieses Recht ftineswegs abstreittn. Dadurch erscheint der TD. aber als eine innerjüdische Kampfgruppe. Der TD. will das auch sein. He« Weil hat uns vor zwei Jahren gesagt: Der TD. will nicht darauf verzichten, dft Bortruppe im Kampf gegen den Zionismus zu sein. Und so werden Sie verstehen, daß der Vergleich zMschen Hechaluz und TB. nicht stimmt. Der TD. bekommt nichts vom Landesverband, ab« von zahlreichen Gemeinden Deutschlands, und er nimmt dieses Geld mit Begeisterung, obwohl in diesen Gemeinden auch Zionisten Steuerzahler sind. Der Zweck des Hechaluz ist hier aus den Statuten vorgelesen worden. Wir verlangen, daß dieser Zweck hi« geachtet Mrd. Wtt sind ein gleichberechttgter Partner im deutschen Judentum. Der Zweck kann von Ihnen mißbilligt werden. Wir haben nichts dagegen, daß Sft mtt aller Gewalt dafür kämpftn.

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