Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Journal
- Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
- Volume
- 10 (1932)
- Issue
- 4 (28.9.1932)
- Date
- 1932-09-28
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 37 — gering, der Aufgabenkreis aber ganz bedeutend, und wenn Ihnen daran liegt, dieser Frage wirklich zu dienen, werden Sie dafür zu sorgen haben, daß das neu« Proletariat, das wir haben, an jüdische Interessen stärker gefesselt wird, und Sie sind verpflichtet, unserem Antrag auf Erhöhung zuzusttmmen. Präsident Stern: Es kommt jetzt der gusatzantrag der Konservativen zu Schomre Schabbos zur Beratung. Abg. Oberradbiner Dr.Altmann, Trier: Wenn es einen Punkt gibt, bei dem wir vollkommen einig fein müßten, in der lieberzeugung, daß er unsere Unterstützung verdient, so ist es die Frage des Schomre-Schabbos-Weltverbandes. Der Sabbath ist ein Prüfstein in der Hand des Judentums, ob es sich erhalten will oder nicht, ob es weiter bestehen kann oder nicht. Bon dem Augenblick an, da das Judentum nicht mehr in seiner Gesamtheit den Sabbath hielt und heiligte, ist der Niedergang des Judentums ftstzustelttn. Der Weltverband Schomre Schabbos ist gegründet worden, um auch in wirtschaftlicher Hinsicht jüdischen Menschen beizustehen, die in ererbter Weis« den Sabbath heiligen wollen, di« das Erbgut des Judentums hochzuhalten bestrebt sind, u. a. selbst unter größter Aufopferung und Existenzbedrohung. Diesen Weltverband zu schützen und zu fördern, ist eine der heiligsten Aufgaben. Es wird davon abhängen, wie wir uns dazu stellen, um einen Prüfstein abzugeben, ob wir Verständnis haben für die fundamentalsten Bedingungen unseres jüdischen Lebens. Im vorigen Jahre ist dem Verband ein Betrag von 1500 RM. bewilligt worben. Unsere Bitte geht dahin, in diesem Jahre zum mindesten die Position bestehen zu lassen. Hier handelt es sich um eine Angelegenheit, die — wie ich annehme — vielleicht die Billigung aller Parteien in diesen Hause hat. Ganz besonders möchte ich die Bolkspartei um ihre Unterstützung dieses Antrages bitten. Einer Ihrer bekannten Vertreter, der sich mit ganzer Hingabe dem Schomre Schabbosverband gewidmet hat und der jetzt in Palästina weilt, hat wohl ein Anrecht darauf, daß Sie fein Werk fördern und unterstützen. Aber ich bitte auch.die liberale Fraktton um ihre Unterstützung. Wenn auch weite Kreise des liberalen Judentums leider das Erbe des Sabbaths nicht mehr so hoch halten, wie es notwendig ist, sä sollten sie doch wissen, welch einigendes, erhabenes Gut damit verbunden ist, und wie not es tut. die Jugend im Sinne de» ererbten Judentums zu erziehen und chr das Gefühl zu geben, daß es in Preußen noch eine dem heiligen Sabbath gerecht werdendes Judentum gibt. So schwer die Zeiten find, müssen wir doch jene unterstützen, di« den Mut aufbringen, trotz der Äge der Zeit den Sabbath zu halten. Wir müssen einig sein in der Ueberzeugung. daß wer den Sabbatschützt, das Judentum schützt. Ich bitte die Position auf 1800 RM. zu belassen. Abg. Dr. Silberstein: Wir können uns über diesen Punkt kurz fassen. Der Vorredner hat mit vollem Recht gesagt, daß es sich bei diesem Antrag nicht um eine Parteiangelegenheit handelt. Ein ähnlicher Antrag ist im vorigen Jahre angenommen worden, der von allen Parteien eingebracht worden ist. In diesem Augenblick auf die Bedeutung des Weltverbandes hinzuweisen, scheint mir nicht nöttg. da die Oefftntlichkeit in Deutschland weiß und in den letzten Monaten in Erfahrung gebracht hat. von welcher Bedeutung für bas gesamte Judentum in der Sabbath. frage die Arbeit dieses Weltverbandes gewesen ist. Wenn es uns gelungen ist, in den letzten Monaten bis auf weiteres die ungeheure Gefahr vom Judentum abzuwenden, nämlich di« Geflchr der Kalenderreform, so hat mit dazu die schwer« Arbeit bei» getragen, die in diesem Punkt der Weltverband geleistet hat. Mr sind uns alle einig in dieser Frage, und es bedarf sicher nur des Appels an das Plenum, daß, wenn irgend möglich, 2000 RM. vom Rat für den Weltverband zur Verfügung gestellt werden. Das Kapitel H ist damit erledigt. Es folgt die Beratung zum Kapitel Hl Wtvtschaftchilft. Präsident Stern : Hierzu liegt ein Antrag der Liberalen vor, ferner «in Antrag der Konservativen bezüglich der Stadtrands^- lung, die Anträge bezüglich Hechaluz, die Anträge des HouÄhaltsausschusses. Abg. RAnw. Dr. Breslauer: Ueber die Bedeutung der Wirtschaftshilfe in der heuügen Zeit besteht Einigkeit. Es besteht weittr Einigkeit über die Förderung der Bezirksdarlchnskassen, die Förderung der Siedlungsbestvebungen, die Förderung von Ein- Achtungen für die Bevujmnnschichtung usw. Alle Parteien werben demnach für di« Einsetzung der Etatsmittel hierfür fein. Dir haben darüber hinaus beantragt, einen Betrag von 5000 RM., den wtt glaubten, an anderer Stelle einsparen zu könnn, noch hknzu- - zufiigen und bet dieser Gelegenheit die Ziele, die der Wirtschaft»- hilft gesetzt sind, in einem Punkt zu spezialisieren und zu erweitern. Wir wolttn vor allem mit den Zusatzftrderungen den Bestrebungen de» Mittelstandes dienen. In einer Zeit, in der Sie bei jeder Berufsberatung hören können, daß der berechtigte Zug der Jugend dahin geht, aus der kaufmännischen Tättgkett hevauszukommen und eine manuelle Tätigkeit zu «rgveiftn, ist die Förderung des Mittelstandes und des Handwerkerstandes ein besondere« Gebot. Auch dieser Mittelstand leidet schwer unter der Ungunst der Zeit. Es erscheint uns deshalb notwendig, daß der Landesverband auch für die Zwecke dieses Mittelstandes Mittel zur Verfügung stellt. Das wird nicht möglich ftin,wenn diese Etatspofition nicht unserem Antrag entsprechet» erhöht wird. Wir bitten demgemäß, dem Antrag zuzustimmen. Es handelt sich ftrner bei diesem Kapttel um die Frage des Antrages der jüdischen Bolkspartei und den Beschluß des Haushaltsausschusses über den Hechaluz. Gestern find schon von oieler Seite Vermutungen darüber geäußert worden, wie sich unsere Fraktton in dieser Frage schlüssig gemacht habe. Die Herren, die hier Vermutungen geäußert haben, haben die Glocken läuten hören, haben aber nicht qewußt, wo sie hängen. Und unser Fraktionshospitant, Herr Dr.Pevftr. der sich auch dazu geäußert hat, hat nur gehört, daß andere Leute di« Glocken läuten hörten, und hat noch weniger davon gewußt, wie wir uns zum Hechaluz stellen. Es kommt in der Frage nicht so darauf an. welchen Antrag wir stellen werden, sondern mindestens ebenso viel darauf, wie wir diesen Antrag begründen und welche Weisungen wtt für di« wettere Behandlung der Sache unseren Freunden mit auf den Weg geben. Der Antrag, zu dem wtt einhellig gekommsi sind, geht dahin. oen vollsvarteilichen Anttaq dem Wirtschaftsausschuß zur Enischeidung zu überweisen. Der Sinn dttses Antrages ist nicht, hier ein Begräbnis des Antrages herbeizuführen, weder erster noch zweittr Klaffe — das liegt uns ftrn — sondern der Sinn unseres Antrages ist folgender. Herr Dr. Lohn hat gestern gesagt, man könne diese Frage unabhängig vom Streit über nattonale Fragen entscheiden. In einem gewissen Sinne halte ich das für zutreffend. In der Tat kann man für produkttve Berufsausbildung unabhängig von nationalen Stteittakeiten sein. Es ftagt sich nur, welches ist der geeignete Weg dazu? Der scheint uys hier nicht die Festlegung auf Unterstützung einer Organisation mit bestimmten aesinnungsmäßigen Zielen zu sein: und zwar, weil wir befürchttn müssen, baß aus der Form des Beschlusses zu weitgehend« Konsequenzen gezogen werden könnttn, dahingchend, daß eine Stellungnahme zu den Tendenzen der Organisation daraus herzeleittt werden könne, eine Konsequenz, die uns nicht zugemutet werden kann.. Die Form, die für den eingebrachttn Antrag gewählt worden ist, scheint uns allen überhaupt bedenklich zu sein, weil hier die Ankündigung geäußert worden ist, man würde, wenn nicht dieser Form entsprochen würde, den ganzen Etat und die Rotstandsumlaqe ablvhnen, und wir müßten uns diesem Zwange beugen. Wir werden das nicht tun. Wtt würden das mit unftrer Würde nicht für vereinbar halten. Ich glaube auch nicht, daß die Dolkspartti vor den kleinen Gemeinden die Verantwortung übernehmen würde, eine solche Konsequenz zu ziehen. Mr geben dem Wirtschaftsausschuß den Wunsch mit auf den Weg, daß er in entsprechendem Maße Beihilftn an Bedürftige zu produktiver Berufsausbildung geben solle. Wir denken keine Unterschiede darin zu machen, wie. diese Bedürftigen, die Mittel zu einer zweckmäßigen Beruftausbildung haben wollen, polittsch eingestellt find und welcher Organisatton sie angehören. Es gibt hier, wie bekannt, Leutt, die in einer Organisatton zusammengeschlossen sind, um eine solche produktiv« Berufsausbildung durchzuführen. Wtt wünschen, daß sie von der Beihilft nicht ausgeschlossen werden. Vir find darüber einig, daß dies der Sinn unseres Beschlusses ist. Stt, meine Herren von der Dolksvartei. können mit dieser sachlichen Stellungnahme einverstanden sein. Wenn sie hftr keinen polittschen Beschluß herbeiführen, vielmehr nur der Sache dienen wollen und den Leuten helfen wollen, dann stimmen Stt uns bei. Dann werden wtt dafür sorgen, daß in angemessenem Umftng für die Zwecke der produktiven Berufsausbildung auch für die Leutt Ihrer (zur Doll», partti) Organisatton Gelder gegeben werden. Berger: Ich begrüße diese Erklärung zunächst deshalb, weil sie in der Tat ein« Rechtfertigung unseres Standpunkte» und eine schwere Verurteilung der liberalen Mehrheit bedeutet, die «nttr Führung de» Herrn Doyda im Jahre 1931 unter Verleugnung dieser Gvundsätze dtt Subvention für den Hechaluz abgelehnt hat.