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Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden · 1932-09-28 · 4 (28.9.1932) · p. Seite 36

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Journal
Verwaltungsblatt des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden
Volume
10 (1932)
Issue
4 (28.9.1932)
Date
1932-09-28
Page
Seite 36 (sequence 36)
Language
German
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daß das, was er tut, nicht ehrenhaft ist, daß er die Beschlüsse des Perbandstages sabotiert, das heißt also, gegen besseres Wissen Beschlüsse nicht ausführt, die hier angenommen worden find. Ratsmitglied Direktor Kareski: Wenn irgendwelche Gehässigkeit beim Rat wirklich bestehen würde, so weiß ich nicht, ob die Rede, die der Porredner gehalten hat, ein geeigneter Weg ist, die Interessen des Vereins zur.Förderung ritueller Speisehäuser zu wahren. Ich glaube, es ist richtig, daß wir in diesem I«chve den Etatstitel geändert haben. Das ist unser Recht, weil wir nicht wissen können, wie die Verhandlungen mit dem Verein ausgehen. Kommen wir zu einer Verständigung, so werden wir das begrüßen. Kommen wir zu keiner Verständigung, so liegt es auch in Ihrem Interesse, daß dir Aenderung erfolgt ist, damit wir unter Umständen anderen Stellen für rituell« Speisehäuser Mittel geben können. Sie könen nicht den Rat zwingen, daß er alle Maßnahmen, die der Verein für erforderlich hält, billigt. Wir haben das Recht, eine Behandlung für uns zu verlangen, die der Würde des'Landesoerbandes gerecht wird. Wenn wir uns" seit Jahren dagegen gewehrt haben, -aß in der ganzen Praxis des Vereins eine offenkundig geringschätzige Behandlung unserer Gottesdienste, unserer Verkaufsstellen, der uns angeschlossenen Hotels zugunsten der Adaß-Betriebe stattfindet, so ist das etwas, wogegen wir Einspruch zu erheben berechtigt sind. Wir werden diesen Einspruch fortsetzen. Ich glaube, daß Sie kein Interesse daran haben sollten, uns an dieser Abwehr zu hindern. Ls geht nickt an, daß man die Gottesdienste der uns angeschlossenen Gemeinden nur in einem kleinen Auszug bringt und die der Austrittsgemeinden mit ein paar Menschen an erster Stelle. Das scheint mir nicht nur eine Etikettenftage zu sein, sondern ein Ausdruck der Einstellung des Vereins dem Landesverband gegenüber. Gegen diese Einstellung wehren wir uns. Nachdem wir unseren Wunsch etwas nachdrücklich zum Ausdruck gebracht haben, sagt man uns, wir werden in Zukunft Gottesdienste überhaupt nicht mehr veröffentlichen. Sie sehen, man kann sich nicht dazu bezwingen, in dieser kleinen Etikettenfrage uns die Konzession zu machen, die wir wünschen? Lieber gibt man di« Veröffentlichung der Gottesdienste preis. Ist dos noch ein« sachliche Tätigkeit des Vereins? Wir werden über diese Dinge bestimmt hinwegkommen. Glaubt der Verein auf die Veröffentlichung der Gottesdienste verzichten zu können, so soll er es tun. Aber wenn wir konkrete Wünsche haben, die wir offiziell stellen zu sollen glauben, müssen wir verlangen, daß diese Wünsche erfüllt werden. Diese Wünsche gehen in keiner Weise auf Gebiete hinaus, die von der anderen Seite als Unrecht empfunden werden können. Mit der grundsätzlichen Einstellung hat das nichts zu tun, da wir ja rituelle Speisehäuser unterstützen wollen. Präsident Stern bittet, zu den einzelnen Punkten in dieser Lesung nur einen Redner oorzuschicken. Es sei noch bei der zweiten Lesung Gelegenheit, über die Dinge zu sprechen. Punkt 2 wird ohne Aussprache erledigt. Punkt 3 (Jugendpflege). Hier liegt ein Antrag des Haushalts» ausschusses vor, den Betrag von 8800 auf 10 000 RM. zu erhöhen. Abg. Paula Ollendorff: Ich glaube, meine Damen und Herren, daß ich mich sehr kurz fassen kann. Sie alle haben aus den Ausführungen von Dr. Horovitz gehört, wie stark die Berufsnot, wie groß die Arbeitsnot, wie ungeheuer die Derzweiflrmg der Jugend ist, und daß es sehr bedauerlich ist, daß wir nur einen so kleinen Betrag von 8800 RM. für die Jugendpflege im allgemeinen ansetzen konnten. Es ist notwendig, daß die Jugend, die in einer starken geistigen, vielleicht auch in einer großen seelischen tind in einer großen religiösen Verwirrung lebt, Führung hat. Diese Führung ist übernommen worden von dem Reichsausschuß für Jugendpflege. Wir können den jungen Menschen, die sich ihm zur Verfügung gestellt haben, nur außerordentlich dankbar sein, und wir müssen ihnen entgegenkommen, indem wir ihre Arbeit wenigstens etwas erleichtern. Wir haben im Haushaltsausschuß den Bettag von 8800 auf 10000 RM. heraufgesetzt. Diese 1200 RM. sind nicht viel mehr als eine Anerkennungsgebühr für die Tätigkeit, die an unserer erwerbslosen Jugend ausgeübt wird. Ich bitte Sie, ohne weitere Debatte diese Erhöhung anzun^men. (Beifall.) Abg. Dr. E o h n (Hildesheim): Meine Damen und Herren! Ich möchte die Aufmerksamkeit des Hauses auf eine Angelegenheit lenken, welche zwar nicht etatsmäßig hier begründet werden soll, welch« aber doch so sehr unter den Titel 7 fällt, daß es mtt notwenoig erscheint, hier eine Hare Stellungnahme i>es Verbandstage» herbeizuführen. Es handelt sich um folgende Angelegenheit. Im Jahre 1928 hat der jungjüdische Wanderbund eine Verbandstagung in Hameln veranstaltet. Er hat dazu die Iugendburg der Stadt Hameln benutzt, acht Tage dort getagt und eine Schuldenlast von etwas über 5000 RM. hinterlassen. Ich bemerke, daß diese 5000 RM. im Laufe zweier Jahre bis auf 1200 RM. abgetragen worden sind (Bravo!), und daß diese 1200 RM. in den letzten zwei Jahren in keiner Weise von der Stadt Hameln, die Eigentümerin der Iugendburg ist, hereinbekommen werden konnten. Wenn ich auch weiß, daß unter Punkt 3 Jugendpflege der jungjüdische Wanderbund nur in feiner Dachorganisation bedacht werben kann, so möchte ich doch einmal dem Haushaltsausschuß zu erwägen geben, ob auf gar keine Weise diese häßliche Angelegenheit aus der Welt geschafft werden kann. Die nationalsozialistische Zeitung in Hameln hat diese Angelegenheit natürlich aufgegriffen und in einem sehr häßlichen Arttkel mit der Ueberschrist »Juden als Zechpreller" diese Angelegenheit der Oeffentlichkeit unterbreitet. Ich halte es deshall» für erforderlich, weil das preußische Judentum es sich nicht gefallen lassen kann, in einer Angelegenheit als Zechpreller hingestellt zu werden, daß für bestimmte Organisationen, die dieser jungjüdischen Wanderbundbewegung nahestehen, die moralische Verpflichtung bestehen müßte, diesen Betrag abzudecken. Ich möchte mir die Angelegenheit so geregelt denken, daß dem HauHaltsausschuß anheimgegeben wird, die 1200 RM., welche den 8800 RM. unttr Kapitel 3 zugesetzt sind, zur Regelung dieser Angelegenheit zu benutzen, sich jedenfalls den Kopf darüber zu zerbrechen, wie die Schulden aus der Welt geschafft werden. Dem preußischen Judentum gereicht die Angelegenheit jedenfalls nicht zur Ehre. Präsident Stern: Ich kenne zufällig diese Angelegenheit beruflich und möchte Sie bitten, im Plenum nicht darüber zu verhandeln, sondern die Angelegenheit dem Jugend- oder Haushaltsausschuß zu überweisen. Dann kommen wir zu Punkt 5: Sportbewegung. Berger: Die Debatte über diesen Punkt im Haushaltsausschuß verlief eigenartig. Auf einen Antrag hin wurde mit der Abstimmung nicht gewartet, sondern einfach abgestimmt. Ich verspreche mir ja nicht allzu viel von einer neuen Erörterung im Plenum, wir wollen aber nicht verfehlen, auch im Plenum noch einmal die Bedeutung der Sportbewegung der jüdischen Jugend in Deutschland zu Unterstteichen und Sie zu Litten, den sehr kleinen Betrag, den wir im vorigen Jahre bewilligt haben, diesmal bestehen zu lassen. Wir haben in Deutschland ein« gesunde, tatkräftige und energische jüdische Sportbewegung. Auch hierbei kann Ihnen gleichgülttg sein, welcher politischen Meinung die Sportler und Turner sind. Sie hat nur zu interessieren, daß hier der Versuch mit Erfolg unternommen wird, eine jüdische Jugend zu kräftigen und zu gesunden und energischen jüdischen Menschen zu machen. Wir erleben gerade in diesen Togen, daß die jüdische Jugend, auch di« deutsche jüdische Jugend in Palästina zusammensttömt und ein Sportfest feiert, die Makkabiah, wie sie erfreulicherweise nur in Palästina möglich ist. Wir erleben die Komik, daß die deutsche Rechtspresse die Meldung bringt »Deutsche Sportler siegen in Palästina", und damit meint sie die Siege des jüdischen Turn- Vereins Bar Kochba Berlin in Tel Aviv. Wtt erleben, daß ein Umzug von 10 000 jüdischen Turnern unter dem Jubel der Bevölkerung durch «ine Stadt möglich ist, eine stolze und eindrucksvolle Sportfeier. Ich würde es dankbar begrüßen, wenn Sie dieser gesunden und starken Bewegung wenigstens die Anerkennung zollen würden, die ihr gebührt. Präsident Stern: Herr Lilienthal hat gebeten, hier Kapitel II Wohlfcchrtspflege vorweg zu nehmen, damit fein Etat in seiner Gegenwart verhandelt werden kann, zumal nur zu einem einzigen Punkt gewiss« Anttäge des Haushaltsausschusses vorliegen. Ich kehre jetzt zu Titel 7, Punkt 6 zurück. Da ist der Ihnen gedruckt vorliegend« volksparteiliche Antrag gestellt worden, statt 1000 wieder 2000 Mark zu bewilligen und die im Vorjahr bewilligten 2000 Mark auszuzahlen. Berger: Ich habe bereits gestern darauf aufmerksam gemacht, daß in unverantwortlicher Weis« von einer bestimmten jüdischen Zeitung gegen diese Ausgabe gehetzt worden ist. Ich darf darauf Hinweisen, daß wir dem Rat nachgewiesen haben, daß es sich hier um Arbeiterckulturvereine handelt, die auf absolut jiUstschem Boden stehen. Diese Verein« find bemüht, in immer stärkerem Ddrße jüdische in der Arbeit stehende Menschen für jüdische Interessen zu gewinnen. Di« Pofitton, die hier ausgeworfen wird, ist nur sehr

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